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Der Israelit · 1903-04-06 · Heft 27 (6.4.1903) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 27 (6.4.1903)
Date
1903-04-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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"1 7-; : ' Beziehungen zu uns: wird d'er Herr Baron von Korff mit seinem jüdischen Gutsverwalter in der bisherigen Weise verkehren können, ohne daßes auffällig erscheint?" „Deßh'alb seid unbesorgt, Vater!" entgegneie AbrahaM. „Ich werde Euch allerdings nicht wie bisher Vater und Mutter nennen können, und Ihr werdet nicht mehr „Du" zu mir sagen, dann stößt sich Niem'and daran; so wenig, wie Jemand eine Ahnung davon hat, daß Joseph und ich Milchbrüder sind, obwohl er jetzt bald eiZ Jahr bei mir ist." „Das wäre also in Ordnung," bemerkte Feiwel, „aber," suhr er fort, „was wird aus dem jetzigen Verwalter des Schloßgutes werden, der durch, mich verdrängt wird? Bedenke, ein Jude verdrängt einen vielleicht schon lange Jahre eingesessenen christlichen Verwalter, den kannst Du doch nicht Knall und Fall deßhalb fortschicken? Du bist zwar Herr und Meister auf Deinen Besitzungen, und hast nach der etwaigen Unzufriedenheit eines Verwalters nichts zu fragen, aber die bitteren Erfahrungen, die ich hinter mir habe, mahnen zur Vorsicht und Mäßigung." „Macht Euch darüber keine Gedanken," entgegneie - Abraham, „es Wird Niemand verdrängt und benachtheiligt, am wenigsten der gegenwärtige Inhaber des Schloßgutes. Er ist ein tüchtiger Mensch, den ich anderwärts in einer Weise placire, daß er sich nicht schlechter steht, als in seiner jetzigen Stellung. Also schlagt ein! „Ich, reise zurück und richte alles zu Eurem Einzug 1 her, folgt bald nach." . c Feiwel ergriff die dargereichte Hand seines Pflege- -sohnes und versprach,- in spätestens einem Monat seine g neue Stelle anzutreten. r XXII. ■t Fünf Monate waren verflossen, seitdem Feiwel Schick die Verwaltung des Schloßgutes angetreten hatte. Jetzt fehlte nichts mehr zu seiner Zufriedenheit. 1 sie lag über seinem ganzen Wesen ausgegossen und luirfte ansteckend auf alle, mit welchen er in Berührung „kam. " Der Herr Baron und die Frau Baronin hatten den * Schloßgutsverwalter und seine Familie schon einigeb male mit ihrem Besuche beehrt, eine Auszeichnung, die t dem früheren Verwalter nie zu Theil geworden war. Der Baron, der nur durch den Schloßpark zu gehen j brauchte, um an das Gut zu gelangen, fand sich oft dort , ein, und beide Theile empfanden das Glück ihres Zu- > sammenlebens von Tag zu Tag in gesteigertem Maße. . Durch den täglichen Verkehr mit Joseph, mit Pater; Firmian, mit seinen Pflegeeltern, war ihm das Judenthum, in dem er erzogen war, naher als je getreten, 'und zwar in Persönlichkeiten, von denen jede in ihrer Weise ihr Judenth'um in geradezu idealer Weise verwirklichte. Je weniger er daran dachte, sich für seine Person faktisch zum Judenthum durch den Uebertritt zu bekennen, eine desto größere platonische Web« erfüllte ihn für dasselbe. Er war Christ durch Me eigenartigen -. Lebensumstände, die wir kennen, aber nicht aus Ueberzeugung. Dieser Zwiespalt, .der ihn äußerlich an der Kirche festhielt und ihn innerlich zum Judenthum hinzog, machte ihn oft nachdenklich und ernst, ohne daß er sich darüber Rechenschaft gegeben hätte. - 44- Der Frühling war in's Land gezogen. Morgen sollte fein lieblicher Herold seinen Einzug halten; das Peßachfest bei den Juden und die Osterntage bei den Christen. Gedankenvoll saß Abraham allein an seinem Schreibtisch und war so in Sinnen vertieft, daß er den Eintritt der Baronin rücht merkte und erschrocken in die Höhe fichr, als sie ihm mit ihrem Fächer einen leichten Schlag auf die Schulter versetzte.' \ " „Gut, daß Du kommst," redete er die Baronin heit'er an, „ich habe soeben eine prächtige Idee gehabt^ die ich Dir gerade mittheilen wollte. Morgen haben wir Ostern, und wir haben es dieses Jahr mit den Juden gemeinschaftlich. Bei den Juden beginnen Me Feste immer schon mit dem Abend zuvor. Ich habe als Kind das Peßachfest — so heißt es bei ihtten — wiederholt' in einer jüdischen Familie feiern sehen. Das ist etwas so ergreifend Herrliches, wie es mir zum zweiten Male sonst nirgends begegnet ist. Der Hausherr sitzt am Tische, vom Mrbel zur Zeh' ganz in Weiß gekleidet, umgeben von Frau und Kindern. und allen Seelen des Hauses, bis zum letzten Dienstboten. Sie feiern ihr Stiftungsfest.. Auf dem.Tisch.liegt das Brod. wie.eA ihre Väter aßen, als sie aus der ägyptischen Knechtschaft in di'e Freiheit zogen. Arm und Reich essen acht Tage lang dieses ungegohrene Brod, das lediglich aus Mehl und Wasser' besteht. Auf dem Tische stehen Bitterk.räuter und andere Symbole, die an die Vergangenheit erinnern. Viermal füllen und leeren sie die Pokale; der Reiche wie der Arme trinkt heute Abend vier Becher Wein. Sie erzählen vom Auszuge aus Egypten, die Kleinen fragen, d'er Hausvater antwortet. Er ist heute Abend Lehrer seiner Tischgenoffen, er ist Priester des Heiligth'ums, zu welchem das Fest fast jedes jüdische Haus umwandelt, er dünkt sich heute in seinem häuslichen Kreise königlicher, als der Czar selber; sie singen, sie jubeln, sie fragen und antworten, kurzum. Du mußt: das selber einmal mit ansehen. Wenn es Dir recht ist, gehen wir heute Abend zu unserem Verwalter und sehen uns die Festlichkeit einmal an." „Das ist wirklich eine prächtige Idee," entgegneie die junge Frau, „und zudem eine interessante Abwechslung unseres ziemlich einförmigen Lebens. Wann wollen wir gehen?" „Wenn Du willst, sofort!" erwiderte der Baron. „Es ist jetzt eine Stunde nach Anbruch der Nacht, das ist so die Zeit, in der sie sich zu Tische setzen werden.' Lege einen leichten Mantel an; die Abendluft im Park" ist doch noch empfindlich kühl. Ich hole Dich dann ab." ■f U' 4. £

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