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Der Israelit · 1903-04-06 · Heft 27 (6.4.1903) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 27 (6.4.1903)
Date
1903-04-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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603 jVanbe zählen, die heute ihr Brod zum Genüsse drecken, -hne sie vorher durch Waschen priesterlich geweiht und rhoben zu haben! Und doch thäte unserer Zeit der 8eist und die Gesinnung, die q't rfyvs m*o zu Sruribe liegen, mehr Noch als je! Die Ausdehnung der ursprünglich nur für Opfer I.nd für durch das Gesetz geheiligte Spenden getroffene Anordnung des Händewaschens auch auf den gewöhnichen Vrodgenuß. erhebt das täglicke Vrod zur Höhe >er Heiligthümer, und der Jude, der kein Stück Brod ' um Genüsse ergreift, ohne vorher die Hand zu waschen, oiederholt sich mit dieser Handlung Tag für Tag die Mahnung, daß die Hand rein sein müsse, die ein Stück 3rod dem Leben abgerungen hat, um es zck genießen, die diese symbolische Handlung begleitenden und deuenden Segenssprüche heben daher den Gottessegen her- >or, der nicht etwa in dem Waschen an und für sich —;'-v Jwwn — sondern in der dadurch zum Ausdruck elangten „Erhebung" der Hände en* rbnta sich auspncht. Während sonst der Genuß nicht zur Erhebung, andern zur Ueberhebung und Ueberschätzung der menschlichen Hand und Kraft führt, wiederholt sich der üdische Mund vor dem Genüsse gerade des täglichen Zro'des die tröstliche Wahrheit, daß er dasselbe nicht menschlicher Intelligenz verdanke, sondern „daß Gott es st, der das Brod aus dem Schoße'der Erde hervorringt."— . . .. Wer vermöchte die beseligende Trostesfülle dieses inen Gedankens in seiner ganzen Bedeutsamkeit zu chikdern, wenn er in allen seinen Consequenzen beriffen und verwirklicht würde! Vor dem Bewußtsein, aß derselbe Gott, der das Leben gewährt, auch die , Mtel zum Leben reicht, schwände die Sorge um Eraltung des Lebens, die Millionen zu Boden drückt und > ues Daseins nicht froh werden läßt. Die Sorge j berließen sie Gott, und nur die eine, nicht niederbeui ende, sondern das Haupt freudig erhebende Sorge ii ällte jede Brust: die Hand rein und würdig zu erhal- > m, um das von Gott geweihte Vrod hinzunehmen. i \ox diesem Gedanken senkte sich die zum Kampfe ums )asein erhobene Bruderhand, denn im Lichte dieses Ge- , ankens erschiene der Bruder nicht länger als Concurii ent und Nebenbuhler, er nimmt kein Brod, er gibt ,, eines, die Erde, die alles tragt, ernährt auch alle; nicht r )ir sind cs, Gott ist es, der das Vrod aus ihrem Schoße x ervorbringt. il „Dieses Bewußtsein würzt das kärglichste Stück- )en Brod und prägt dem gewöhnlichen Genuß das Ge- 'j rüge der Göttlichkeit auf. Es wandelt jedes Haus in t den Gottestempel, jeden Tisch in einen Gottesaltar, i nd jedes Stück Brod in ein von, Gott gewährtes und fln Dienste Gottes zu genießendes Heiligthum. um. Von ,| jm durchdrungen, wird der Jude zum Priester, und ’i >enn eine ganze Welt ihn um das Stück beneidet, das : in seiner priesterlich geweihten Hand erst zu Gott emporhebt, bevor er sich den Genuß gestattet; dieser - Aufblick zu Gott ersetzt ihm alles, was ihm eine scheelsüchtige Umgebung lieblos versagen möchte. Zu besitzen und zu genießen, zu essen und zu trinken, und für jeden Besitz und Genuß, für jeden Bissen und jeden Trunk Gott als den alleinigen Spender zu bekennen und Ihn als Zeugen für die Reinheit unseres Erwerbens und Genießens in unseren Kreis zu laden, wie es täglich der vor seinem Brodgenuffe die Hand weihende Jude thut, erweist sich als die Quelle der lautersten Freude, der die menschliche Brust fähig ist. Denn es ist die einzige Freude und der alleinige Genuß, die Gottes prüfenden Blick ohne Erröthen ertragen." (Ehrmann: Durch's Jahr! S. 367.) , Alle diese Erwägungen und Betrachtungen treten, uns mit doppeltem und dreifachem Ernste nahe, wenn! wir in den gehobensten Momenten des Jahres, im Kreise der um den Sedertisch versammelten Kleinen, an sie erinnert werden. Vieles muthet sie fremd an diesem Tische an und die sinnige, jüdische Sitte läßt es sich angelegen sein, die Fragelust dieser lebendigen Fragezeichen zu wecken und zu befriedigen. Sie hat das Auffälligste, an dem sich das scharf beobachtende Kinder-, äuge stößt, in ihr nww no zusammengefaßt, und hat damit den Eltern, welche die fragend zu ihnen auf- - blickenden Kinderseelen wirklich belehren, erziehen und für ihren jüdischen Lebensberus ertüchtigenmöchten, eine Fülle von goldenen Winken an die Hand gegeben, . um diesem ihrem Elternberuf zu entsprechen. ' . Wäre aber unser ruinM no nicht längst geschrieben, wäre es für unsere Zeit erst zu schreiben, wäre es zu ergänzen mit allem, was in unserer Zeit ein aufmerksames Kind an diesen Abenden zu fragen hat, der n:mw no - Abschnitt wird eine Bereicherung und Ausdehnung erfahren, der einen großen Theil unserer heutigen Veßach-Hagada beanspruchen würde. Und diese Fragen werden gefragt, auch wenn sie aus keinem Buche abgelesen werden, auch wenn sie sich nicht über die Lippen der kleinen Frager wagen, aus ihren erstaunten Blicken sind die Fragen zu lesen: > ,...... *• ..> „Was, Vater, zeichnet sich diese Nacht aus vor allen' anderen Nächten? Bei allen sonstigen Mahlzeiten setzest Du Dich barhaupt zu Tisch und heute hast Du Dein Haupt bedeckt? Wir haben in der Schule gelernt, daß man sich waschen müsse, bevor man sich zu Tische setze, wir haben vergebens , das ganze Jahr darauf gewartet^ daß es auch bei uns so gehalten werde. Du wäschst Dich. nicht, die Mutter wäscht sich nicht, und heute Abends - wäschst Du Dich gar zweimal? Wir Haben die Segens-/ spräche gelernt, die vor jeder Mizwa, die vor jedem Genüsse zu sprechen sind, wir hören sie das ganze, liebe-r Jahr hindurch nichts Und wenn Du sie sprichst, sprichst: Du sie so rasch, so verstohlen leise, als ob sich's um eine geheime Zauberformel handelte, und heute sprichst Du so schön, so. laut und deutlich über alles die vorgeschrie-

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