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Der Israelit · 1904-12-29 · Heft 103-104 (29.12.1904) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 103-104 (29.12.1904)
Date
1904-12-29
Page
– (sequence 26)
Language
German
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2236 ber Verfasser der Cap. 1 und 2 des Genesis zurückgewiesen wird. Im zweiten Theil, der von ovopta im N. T. handelt, tritt eine neue Gedankenwelt, die Gedankenwelt des Neuen Testaments, uns entgegen, die uns der Verfasser durch Vorführung aller hiefür charakteristischen Stellen klar und deutlich vor Augen bringt. Hier erscheint der Name, besonders der des Stifters der neuen Lehre, in einer Anzahl von Fällen als eine reale, , magisch wirkende Macht, als ein Zaubermittel, dessen j sich der Zaubernde bedient, bald um zu weissagen, bald um Dämonen zu bannen und auszutreiben oder um sonstige Kraftwirkungen auszuüben. Der Begriff von dem Werth und der Bedeutung des „Namens" ist hier in der That weit über die Begriffs- und Vorstellungswelt des A. T. hinausgegangen, es ist im N. T. offenbar ein neues, dem jüdischen Geist völlig fremdes Moment in Aufnahme und Gebrauch gekommen. Seinen Ursprung aus fremdem Boden weist der dritte Theil nach. Er zeigt, wie die Gebrauchsweise des N. T. im Sinne einer magisch wirkenden Kraft nicht nur nicht aus dem A. T. . sondern auch nicht aus der jüdischen Religionsanschauung entlehnt sein kann, tveil die jüdische Religion durch ihren wort- und formet- - losen Opferritus und ihre sonstigen Maßnahmen eine förmliche und bewußte Opposition gegen jede Art von Mißbrauch des Namens im magischen Sinne verräth und an den Tag legt. Vielmehr muß, wie der Dämonenglaube des Neuen Testaments mittelbar auf Babylonien zurückgeht, so sein Namenspuk und -Zauber auf Aegnvten zurückgeführt werden, die Heimath und Wiege aller Namensbeschwörung und Namenmysterien des Alterthums. Allerdings ist die durch Tradition fortgevflanzte ägyptische Zauberpraxis in den einzelnen Etappen ihres Verlaufes nicht mehr genau zu ermitteln. Aber daß sie bestand und sich fortgepflanzt hat, läßt sich mit größter Bestimmtheit erweisen. Einer der stärksten Beweise hierfür ist die Zauberpraxis der Gnostiker, die noch aus späteren nachchristlichen Jahrhunderten berichtet wird. Auf derselben Verbindungslinie. die von ägyptischer Namenzauberei zu der der Gnostiker führt, liegen nun nach des Verfassers trefflichen Darlegungen auch die von den Aposteln und ihren Nebenbuhlern betriebenen Dämonenaustreibungen und Kranlenheilungen vermittelst des Namens des Stifters. Das ist die Ouintessenz der in diesem ebenso lehrreichen wie interessanten Buche behandelten Materie, dessen Aufstellungen in einzelnen und untergeordneten Punkten in Zukunft vielleicht bestritten und modifizirt werden mögen, dessen Grundgedanke jedoch als gegen jede Anfechtung gesichert, betrachtet werden muß. Schwedt a. O. Dr. I. H o l z e r. Beobachtungen eines Beobachteten. Einiges zur Kritik der Bildung und Erziehung in unseren Lehrerseminaren von A. L u n t o w s k i, Lehrer. Leipzig, Verlag von Walther Röhmann. 1904. Das Schriftchen bildet eiüe einzige, große Anklage gegen das derzeitige System der Lehrerbildung, eine Anklage, die — leider — in gar mannigfaltiger Beziehung nur als zu wahr und berechtigt bezeichnet werden muß. wenn auch vielleicht manche Details zu schroff dargestellt öder zu sehr generalisirt erscheinen. Auch darin geht der Verfasser zu weit, wenn er behauptet, daß nach dieser Richtung hin noch keine Bestrebungen der Lehrerschaft gezielt hätten. Das aber wollen wir dem Verfasser gerne zugestehen, daß mit solcher Offenheit und Entschiedenheit und in solch umfassender Weise noch kaum vorgegangen worden ist. Es wird zunächst die Frage aufgeworfen, ob die Lehrerbildungsanstalten (Präparandie und Seminar) das Elternhaus wirklich so ersetzen, wie sie sollten und in jeder Hinsicht an der Hand von Beispielen und Belegen (Kost, Logis, Krankenvflege, Familienanschluß, Sauberkeit etc.) entschieden verneint. Die weitere Frage: ,.Wer sind die Erzieher unserer Seminaristen?" führt zu sehr herben Urtheilen über einen großen Bruchtheil der Präparanden- und Seminarlehrer, sowohl als Lehrer wie als Erzieher. Verfasser fordert eine vollständige Umgestaltung der Lehrerbildung: das Seminarabgangszeugniß muß zum Studium an der Universität berechtigen. Der Lehrerstand darf sich nur aus intelligenten Jünglingen rekrutiren. Der Seminarist muß Einsicht in die Wirthschaftslehre baben. Auch die „Kunsterziehung" ist gebührend zu berücksichtigen. Die Seminare sind deshalb in die großen Städte zu verlegen. Die Seminaristen sind mit der neueren und neuesten Geschichte. Kunst und Litteratur vertraut zu machen. Zeitungslektüre mutz den Seminaristen gestattet werden. Die Seminarinternate werden entschieden verworfen nebst ihren diversen Hausordnungen etc. Vor lauter Polizeidienstrn kommen die'Seminarlehrer nicht zur „Erziehung." Für die Seminaristen ist ein entsprechender Familienanschluß und Verkehr in besseren Familien entschieden nothwendig. damit der angehende Lehrer sich in der Welt, in der Gesellschaft bewegen könne und nicht als unbeholfener „Schulmeister" dastehe. Wir haben keine Veranlassung, auf die.Ansichten des Verfassers (derselbe ist anscheinend Protestant) über religiöse Erziehung hier näher einzugehen, wenn wir auch nicht verhehlen wollen, daß uns seine Auslassung über „starrorthodoxen" Bibelglauben nicht entspricht. Wir' stimmen ihm aber bei, wenn er verlangt, datz der Neligionslehrer ein Theologe sein müsse, datz religiöse Bildung in unserer Zeit des krassesten Unglaubens, des

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