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Der Israelit · 1904-12-29 · Heft 103-104 (29.12.1904) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 103-104 (29.12.1904)
Date
1904-12-29
Page
– (sequence 18)
Language
German
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2228 ..Ost sprach ich mit B. B. fceöon (nämlich von religiösen Zweifeln), denn nur vor diesem konnte ich über solche Dinge meine Meinung äußern. Dann brachte er vor. wie sehr eine Reform bei dem allmäligen Verfall der Religion nothwendig sei. Ich wußte aber, daß eine Reform, das heißt Auslassung einiger mit dem Ganzen verflochtener Gesetze, das ganze Gesetz aufheben würde. -Wie angenehm mußte mir also ein neues Buch sein, „fiB* im Neunzehn Briefe über das Judenthum, anonym". worin ich eine noch nie gehörte oder geahnte Idee des Judenthums mit überzeugenden Argumenten fand, wie dieses dir beste Religion und zum Heile der Menschen nothwendig ist. Mit gierigen Blicken sah ich die Sätze darin ein, und so abtrünnig ich dem Talmud vorher gewesen, so söhnte dieses Buch mich mit ihm aus, und ich kehrte zu ihm, wie zu einer für untreu gehaltenen, aber treu gefundenen Geliebten zurück, nahm mir vor. ihn womöglich zu ergründen, ihn philosophisch zp erlernen, und, da mir viele weiß machten, ich könne ein sogenannter studirter Rabbiner werden, dessen Wahrheit und Nützlichkeit allen zu zeigen. Sogleich setzte ich mich daran, fing den ersten Folianten jra*o an und das erste Buch Moses, mit großem Vergnügen über jedes nachdenkend, nicht wie über Alterthumsmonumente, sondern wie über ein göttliches, dem Menschen Heil bringendes Buch." „Nach dem Feste wurde Grätz mit den „Neunzehn Briefen des Ben Usiel" beschenkt. Dir Schrift elektristrte ihn auf's neue und gab ihm den Gedanken ein. sich dem Verfasser, der ihm inzwischen bekannt geworden war, als Schüler anzubieten. . „Samson Raphael Hirsch erschien ihm nämlich als das Ideal eines jüdischen Theologen der Gegenwart und als der vertrauenswürdige Lehrer, nach dem er sich gesehnt, um von i;m irgend welche Anleitung oder gar Aufschluß über die mannigfachen, seinen Geist beschäftigenden Fragen zu erhalten. In diesem Sinne schrieb Grätz an den Landrabbiner zu Oldenburg, wobei er aus seiner Gesinnung kein Hehl machte, sondern klar und aufrichtig seine Gemüthslage und seinen Bildungsgang darlegte. Der Schritt hatte Erfolg; nach einiger Zeit lief das folgende Schreiben von H i r s ch ein: '„Mein lieber junger Freund! Ihren gegen mich ausgesprochenen Wunsch erfülle ich gern und mit Freuden nach Kräften. Sie kennen den Spruch der Weisen: p'zb asm men pnb nsn bxv na w und wenn ich daher, wie ich nach Ihrem Briefe gerne voraussehe. die dort ausgesprochene Gesinnung nicht nur augenblickliche Stimmung. . sondern e? wirklich ihr lebendiger Entschluß ist. Thauroh um ihrer selbst Willen zu lernen, sq sind Sir mir von Herzen willkommen, und ich werde Sie b^rn naa bei mir sehen. Eine Bitte habe ich doch vorauszuschicken. Sie haben sich im Feuer des Gefühls ein Ideal vom Verfasser der Briefe entworfen, das weit, weit über die Wirklichkeit ragt. Reduziren Sie daher dieses Bild aus die Hälfte, ja auf das Viertel Ihres Ideals und prüfen Sie sich, ob Sie auch dann noch zu ihm sich hingezogen fühlen. Erwarten Sie keinen schon vollendeten Meister, sondern einen selbst noch im Forschen begriffenen Manu und sagt auch dann Ihr Inneres noch: „Ja", so kommen Sie. Gen« wurde ich es aber sobald als möglich wissen, ob ich Sie nach Peßach zu erwarten habe, weil ich danach ein anderes Verhältniß zu ordnen haben würde. Teilen Sie mir auch, wenn Sie nichts dagegen haben, gefälligst mit. auf welche Weise Sie hier sich Ihre Existenz zu sichern beabsichtigen. Sie werden mir diese Frage, hoffe ich. weder verargen noch mißdeuten. Sie geschieht nur deshalb, weil ich gerne bereit bin. wenn Sie vielleicht dessen bedürfen, zur Erleichterung derselben während Ihres hiesigen Aufenthaltes nach Kräften beizutragen. Sprechen Sie sich daher so offen und ohne Scheu gegen mich aus, wie ich es offen gewagt, diese Frage an Sie zu richten. Es grüßt Sir freundlichst Oldenburg. 26. Dezember 1836." Dieses Schreiben beantwortete Grätz dahin, daß er aus vollem Herzen „Ja" sage, es sei sein höchstes Streben, sich dem wahren Judenthum und seiner Lehre zu widmen, er trage besonderes Begehren, die Lehrmethode des Mannes, den er so sehr bewundere, im Talmudstudium und namenlich in der Halachah kennen zu lernen. Was die Existenzfrage betreffe, so genüge ihm die einfachste Befriedigung der unentbehrlichsten Bedürfnisse, einen kleinen Zuschuß würden ihm die Eltern schon leisten. Daraufhin folgte am 1. Februar 1837 die förmliche Einladung von Hirsch, nach Oldenburg zu kommen. Kost und Wohnung biete er ihm in seinem eigenen Hause an, für die weiteren Bedürfnisse müßten die Eltern sorgen, nach dem Peßachfeste (im Mai) erwarte er sein Eintreffen. „-- — Am 8. Mai trifft ek in Oldenburg em, wo sich eine neue Welt ihm aufthut. Hier trat ihm in Samson Raphael Hirsch eine Persönlichkeit entgegen, zu deren geistiger Ueberlegenheit und sittlicher Hoheit er mit unbedingter Verehrung aufblickte, die all den Erwartungen. mit denen er hergekommen war. auch wirklich entspricht. Hirsch war ein moderner Mensch mit guten, ja vornehmen Formen, obschon er sich jedem geselligen llmgang entzog, zwar klein von Statur, imponirte seine äußere Erscheinung, durch gemessme, würdevolle, die Vertraulichkeit ablehnende Haltung. Mit großen Geistesgaben und seltenen Herzenseigenschaften verband er nicht nur em reiches, theologisches Wissen, sondern auch eine vorzügliche klassische Bildung. Weitausblickende oder tieft Ideen standen ihm nicht gerade zur Verfügung*), «cker er sprühte von origi- **» “**"" **

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