Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 103-104 (29.12.1904)
- Date
- 1904-12-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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die nunmehr Dahingeschiedene mit ihrem Manne gegründet hatte, muß eingestehen, daß dies eine wahre Stätte der Frömmigkeit und Wohlthätigkeit gewesen ist. Bei dem Hesped. den Herr Zadok Kahn. Oberrabbiner von Frankreich, für unseren unvergeßlichen Freund und Genossen, Herrn Dr. Th. Klein, hielt, erwähnte er auch, daß der Verblichene nur durch den Beistand seiner edlen Frau seinen segensreichen Wirkungskreis so weit hatte ausdehnen können. Bei dieser Gelegenheit hatte der Oberrabbiner der theueren Dahingeschiedenen folgende ehrende Worte gewidmet: «Frau Klein war für ihren Gemahl die kostbare Stütze, die die heilige Schrift '~::2 np nennt. Vereint durch eine seltene Zärtlichkeit, beherrschte sie auch die gleiche Gesinnung in Bezug auf wahre Frömmigkeit und ihre grenzenlose Wohlthätigkeit. Sie bot das Beispiel eines unbefleckten Lebenswandels. gerecht, fromm, thätig und ergeben, geehrt durch die Liebe aller Guten und Frommen. Das treue Festhalten an unseren heiligen Ueberlieferungen machte ihr Haus zu einem echt jüdischen. Ebenso hat sie ihren Kindern eine vorzügliche Erziehung zu Theil werden lassen." — Ihre Beerdigung kann denn auch als eine der größten, die je hier stattgefunden, bezeichnet werden, da circa 5000 Personen an derselben Theil nahmen. Am Grabe schilderte Herr Oberrabbiner Dreyfus in rührenden Worten der herzlichsten Freundschaft die Thaten und edlen Eigenschaften dieser ungewöhnlichen Frau, während Herr Rabbiner W e i s k o v f in von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Worten ihre treue Pflichterfüllung und §ege Menschenliebe rühmte. Möge auf den tieftrauernden Söhnen der Dahingeschiedenen das Sechus ihrer edlen Ellern ruhen, mögen sie Trost finden in dem Gedanken, daß ihre geliebten Eltern s. A. sich hienieden ein dauerndes Denkmal errichtet und daß Viele mit ihnen fühlen in der Trauer um die Edlen, die nun in vbw den Lohn empfangen, der Derer harrt, die ihre Schuldigkeit ' auf Erdemgothan. E d m r n d Moritz." vermischtes. Berlin,. 15. Dez. Die Maßnahmen, welche die verschiedenen jüdischen Organisationen in Bezug auf eine durchgreifende Regelung aller Auswanderungsangelegenheiten zu treffen. haben, können, um entsprechend wirksam zu sein, einer gewissen Einheitlichkeit nicht entbehren. Damit nun die notwendige Uebereinstimmung ermöglicht, der Zusammen» Hang zwischen den örtlich so weit getrennten Organisationen herbeigesührt und dauernd aufrecht erbalten werde, erschien es zweckmäßig, durch ein periodisch erscheinendes «Korrefpodcnzblatt" den erforderlichen Meinungsaustausch zu erleichtern. DaS Korrespondenzblatt. das heute in seiner ersten Nummer erschien, wird so oit ausgegeben werden, wie da3.Bedürfniß sich einstellt, Mittheilungen an die Komitees, Vertrauensleute und Vereine weiterzugeben, und es wird nur an diese versandt. Darüber hinaus ist es für die Oeffentlichlrit nicht bestimmt. . Der Haklblirger DGelmrd in de» Jahre» M i. 5417 in jüijici l IN» i. M In in- Zeiirchmt von Markus Brau». 19 «Lieber Lipman." sagte sie, «Du hast mir verboten einen Schritt in der Sache zu thun und ich weiß, daß ich als Frau in erster Reihe verpflichtet bin, den Willen meines Mannes zu respettiren. Aber wenn Du etwas verlangst, was gegen Gottes Gesetz ist, dann brauche ich Dir. nein, dann darf ich Dir nicht folgen. Ich krage Dich: Sind wir denn nicht verpflichtet, jeden jüdischen Mann und jedes jüdische Wciö mu diesen blutdürstigen Menschen zu warnen? Was vorgestern geschehen ist. kann doch heute, kann morgen und jeden Tag wieder geschehen. Tragen wir denn durch unser feiges, sundliches Schweigen nicht vor Gott die Verantwortung für jeden Mord, den wir hätten verhüten können. Sollen wir denn gar nicht ein bischen wenigstens auf Gottes Beistand rechnen, der uns schon so oft vor dem Rischuß unserer Feinde geschützt hat, und uns ihnen nicht preisgeben wird, wenn wir unsere Pflicht thun und den Mörder entlarven, damit Nekomo an ihm geübt wird?"' „Ich verspreche Dir ganz sicher," erwiederte der Gatte, «morgen gemeinsam mit Reb Samuel Hekscher noch einige Männer, besonders Parnosim in's Vertrauen zu ziehen und mit ihnen die geeigneten Schritte zu überlegen. Heute war es nicht möglich, da ich fast den ganzen Tag mit der Angelegenheit verbrachte. Morgen aber hat jeder Zeit, da wollen wir mit Gottes Hilfe schon zu einem Entschlüsse' kommen. Rege nur Du Dich nicht unnützer Weise auf, und sei überzeugt, daß die Sache 'bei uns' in guten Händen liegt." Rifka seufzte tief auf, und sah unverwandten Blickes zum Fenster hinaus auf die durch die Straße wogende Menge. — Lipman Osterode ging zum Empfang des Schabbos in Schul. Als er nach etwa anderthalb Stunden wieder nach Hause kam, stand Rifka noch immer am Fenster und schaute so unverwandten Blickes auf die Vorübergehenden, daß sie fast die Heimkehr ihres Gatten überhört hätte. «Was hast Du nur. Rifka?" fragte dieser besorgt, «Du stehst ja noch auf demselben Fleck, wie vorhin und blickst unter die Menschen, die da vorbeiziehen, als ob Du etwas dort suchtest: was ist mit Dir?" . Der besorgte Gatte glaubte wirklich, daß die Aufregung und Ueberreizung der letzten Tage der Frau zu Kopfe gestiegen sei. Diese riß sich darauf gewaltsam vom Fenster los, rief ihrem Mann den Schabbos-