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Der Israelit · 1904-12-29 · Heft 103-104 (29.12.1904) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 103-104 (29.12.1904)
Date
1904-12-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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2214 Krieg mit seinen Greuel noch lange, so dürsten peinliche Ueberraschungen, von denen die jüngsten 70 Reservistenunruhen schon ein Vorspiel gaben, wohl nicht ansbleiben. Hat doch schon allein der plötzliche Ausbruch des russisch-japanischen Krieges im letzten Februar manchem Optimisten unter unseren Glaubensgenossen ein Vermögen gekostet. Allein eine halbe Milliarde hat schon die jetzt auf dem Grunde des gelben Meeres bereits ruhende Flotte gekostet, weitere Milliarden wird der Krieg noch fordern; wenn aber dann die russischen Agenten dem europäischen Markte bald mit Anleiheforderungen nahen und der jüdischen Bankwelt wieder Sand in die Augen streuen, — dann sollten wir dieses Mal wenigstens uns ernst und stolz in unserem eigenen Interesse und zum Heile des jüdischen Namens an Kischinew und Hömel erinnern. Jetzt oder nie muß diese zum Bankerott führende Wirtschaft, muß das System der Plehwe und Pobjedenoszew. das den Ruin des Landes bedeutet und das den Zaren umgarnt, stürzen! Bisher war Amerika das einzige Land, dessen Abgeordnetenhaus wiederholt seine Sympathien für die verfolgten Israeliten in Rußland kräftig geäußert hat. Während sich im preußischen Landtag schon jetzt eine Befürchtung äußerte, der neue deutsche Handelsvertrag mit Rußland könnte am Ende die jüdischen reisenden Kaufleute aus Deutschland den christlichen gleichstellen, bat die neue Botschaft des wiedergewählten Präsidenten Noosevelt verkündet, er werde ohne Unterlaß darauf dringen, daß jeder Amerikaner, „gleichviel welchen Glaubens oder welcher Rasse" dieselbe Deweaungssreibeit im Zarenreiche erhalte, wenn er keinen sittlichen Anstoß gäbe. Roosedelt hat in seiner Botschaft alle gesunden und anständigen Einwanderer auch ferner noch drüben willkommen geheißen. eine sehr wichtige Kundgebung für die immer noch andauerde Auswanderung aus Rußland und Rumänien. Während es siatisiisch amtlich festgestellt ist, daß aus denr Zarenreich ebensoviel Thorsten, wie Juden alljährlich auswandern, hoben Rumänien allein in den letzten sechs Jahren über -"0.000 Juden verlassen. Im letzten Jahre betrug die Zahl der jüdischen Emigranten nach Nordamerika nach einer Schätzung mindestens 95.000. von denen 80.000 allein in Newyork landeten. Die Einwanderung jüdischer Emigranten in England soll sich alljährlich auf etwa 2300 bis 3000 Köpfe belaufen; es wäre aber nur in unserem eigensten Interesse. wenn darunter nur gesunde Elemente wären und keine Schnorrer. Will die britische Regierung, deren letzte Fremdenbill ia nicht über die zweite Lesung hinausgelangte, einen solchen Gesetzesvorschlag, der unter ..nnllarriradle aliens“ nur ungeeignete Elemente vergebt, wjes h»isit. jetzt wieder einbnngen, so könnte auch uns diese Einwander,rngskommission nur recht *\ Smmlfrfien hatderCzor ein Manifest erlassen, nach wachem einige Erleichterungen zu erwarte» lind- Reo. - sein. Würde doch dadurch endlich der jetzigen Fremdenhetze und der Chamberlain'schen Agitation die Spitze abgebrochen. Leider haben sich im vergangenen Jahre die Unruhen, die gegen die in den walisischen Stahlwerken beschäftigten jüdischen Arbeiter gerichtet waren, erneuert. Verlangte doch sogar ein Mitglied des englischen Unterhauses die Austreibung der 1200 jüdischen Polen, die im Schweiße ihres Angesichtes in den schottischen Kohlengruben thätig waren. Doch das sind einzelne Ausnahmen! Erst kürzlich konnte in diesem Blatte dafür, daß die britische Regierung an ihren verfassungsgemäßen Grundsätzen streng festhält, der Beweis an einem Beispiel von vier jüdischen Brüdern in hohen Staatsämtern erbracht werden. Nachdem ein gläubiger Israelit, Sir Matthew Nathan, im vergangenen Jahre den wichtigen Posten eines Gouverneurs von Hongkong erhalten hatte, ist dieser Tage sein Bruder Robert Nathan zum Leiter des Sekretariats des Königs von Indien, ernannt worden, also für einen der höchsten dortigen Posten, nachdem er bereits früher Minister gewesen war. Als hier noch nicht erwähnt, sei nachgetragen, daß Sir Matthew Nathan früher (er ist jetzt 43 Jahre alt) zum Militärattache der englischen Botschaft in Berlin bestimmt war, daß aber die deutsche Reichsregierung ihn nicht acceptirte, wie es beißt, nur weil er Jude ist. Der Krieg im fernen Osten dauert leider fort, aber er ist allen Rückschrittlern und Antisemiten ein warnendes Menetekel: möchte diese Flammenschrift für Recht und Gerechtigkeit allenthalben im kommenden Jahre beherzigt werden!• Die Chalukah im heiligen Lande.*) Amsterdam, 25. Dez. In Nr. 95 dieses Blattes hat Herr Dr. Friedemann es versucht, mit einigen von oben beruntergeschleuderten „es ist nicht wahr" (einmal hieß es wahr zu sein) unsere Behauptungen in Nr. 92 d. Bl. als Unwahrheiten zu nichte zu machen. r!I: Das daselbst unter Nr. 1 und 4 Angeführte kann, weil uns nicht berührend, unbeachtet gelassen werden. Mit Bezug aber auf Dr. Friedemann's weitere Erklärungen unter Nr. 2 und 3 möchten wir in erster Reihe darauf Hinweisen, daß die Bertheilung der für die Holl.-Deutsche Gemeinde bestimmten Gelder von uns selbst besorgt wird, dagegen die Bertheilung der aus unserer Sammlung den anderen Gemeinden Palästina'? zugewiesenen Beträge den resp. Vorstehern dieser Gemeinden überlassen bleibt. Wenn nun Dr. Friedemann schreibt: „Es ist nicht wahr, daß aus der Amsterdamer Chaluka nur Bedürftige unterstützt werden," so kann das entweder auf die Unterstützten der Holl.-Deutschen Gemeinde oder auf die der anderen Gemeinden gehen. . . •) Wir «eben die Erwiederung der nicht deutschen Herren fo wieder wie sie uns zugegangen. Red. d. „Qftr.*

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