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Der Israelit · 1904-12-22 · Heft 101-102 (22.12.1904) · page 30

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 101-102 (22.12.1904)
Date
1904-12-22
Page
– (sequence 30)
Language
German
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i. . > r T *'• v; werden kann; der eine Umstand söhnt unS nicht nur mit der gedruckten Predigt aus, sondern laßt sie unS sogar mit freudiger Spannung begrüßen, wenn es sich, wie in unserem stalle, um einen Autor handelt, der die homiletische Litteratur mit seinen vielfachen originellen und immer hochinteressanten Beiträgen bereits so wesentlich bereichert hat. Die neueste Leistung des genialen Kanzelredners schließt sich, was die edle, schlichte Einfachheit der Sprache, die Tiefe der Gedanken, die Innigkeit der Empfindung und die vollendete Form jeder einzelnen Predigt betrifft, den uns bereits bekannten, zum Theil schon in zweiter Auflage erschienenen Publikationen des Verfassers ebenbürtig an. Was sie von den früheren Veröffentlichungen unterscheidet, ist weniger die Behandlung des Gegenstandes als der Gegenstand der Behandlung^ Dieser, das bekannte Gebet Rabbi Rechunjoh's. zeigt mit jedem Worte den dunkel mystischen Zug. der durch das Ganze geht und den kabbalistischen Untergrund, chlf dem es ruht. Es bietet daher dem bloßen einfachen Wortverständniß keine geringe Schwierigkeit. Die ungezwungene Art lind Weise der Uebersetzung. und Erklärung dieses Gebets und die homiletische Verwerthung seiner einzelnen Sätze für die Tischrifeste bekunden eine Meisterschaft in der Handhabung, dieses schwierigen Stoffes, daß man über der Ausarbeitung und kunstvollen Darstellung seine Sprödigkeit ganz ver- . gißt, i Und trotz dieser künstlichen Vollendung ist die! ganze Denk- und Vortragsweise so ungekünstelt, einfach schlicht, und gedankenvoll tief zugleich, daß sich diese Predigten in der so reichen Predigtlitteratur als klassisches Unikum erheben.. 77 Sir werden, gewiß leicht mrd rasch die Herzen, der Leser gewinnen, wie sie diejenigen der Hörer ohne Zweifel, erobert haben. — Der Reinertrag ist für eine arme Braut bestimmt. . .»j _ _ Hirsch^ Samson Raphael. Gesammelte Schriften. Herausgegeben von Justizrath Dr. Raph.tali Hirsch. Zweiter Band. 477 Seiten. Preis geh. 4.50 Mk., geb. 5.50 Mk. Frankfurt a. M. I. Kauffmann, 1904, Tiefste Wehmuth ergriff uns, als uns im Herbst dieses Jahres der zweite Band der obengenannten Schriften zuging. War doch nur kurze Zeit seitdem verflossen, daß wir Gelegenheit hatten, den verehrten Herausgeber in voller Kraft inmitten seiner gottgesegneten ,Thätigkeit und erfolggekrönten Wirksamkeit zu erblicken. Es war dies bei der Generalversammlung her »Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums" als Justizrath Hirsch mit dem ihm eigenen Feuereifer die Ziele des Vereins vertrat und einen Bericht über die mannigfachen Dienste, die er - - X ihm kurz vorher geleistet, abstattete. Bon den vielen Denkmälern aere xereuius die sich der Heimgegangene Herausgeber gesetzt hat. ist wahrlich das vorliegende nicht das kleinste. Hat uns schön der erste Band die geistig bedeutendsten Aufsätze des großen Frankfurter Rabbinen. die im alten „Jeschurun* niedergelegt sind, geliefert, so zeigt uns dieser zweite Band nicht minder werthvolle Beiträge aus der Feder des großen Religionsphilosophen. Drei Hauptabschnitte sind es, die das Werk wiedergibt: Betrachtungen zum jüdischen Kalenderjahr, Vermischte Abhandlungen (Einleitung zum Propheten Jesaias; zum jüdischen Gemeindeleben). Angefügt sind noch vier, auch heute noch hochaktuelle Arbeiten: Wie gewinnen wir das Leben für unsere Wissenschaft? Einige Andeutungen über den hebräischen Unterricht als allgemeines Bildungselement. Von den Beziehungen der allgemeinen Bildungselemente zu der speziell jüdischen Bildung und und die jüdische Wegzehrung. Ein näheres Eingehen auf die einzelnen Abschnitte können wir uns wohl ersparen. Jedes Lob würde hier nur eine Einschränkung bedeuten. Man nehme das Werk selbst zur Hand und erfreue sich an den tiefen Gedanken und an dem hohen Flug hes Geistes. Ein Verzeichniß sinnverwandter Stellen in anderen Werken des Verfassers ist angefügt. Die äußere Ausstattung ist dem inneren Werke würdig. ytPVP verfaßt von wrn "i an »\svq d*qi s"-» Herausgegeben und zu beziehen durch Sr. Ehrwürden Herrn Bezirksrabbiner W. C o h n - Csorna. (Eom. Sopran, Ungarn). Es gehört wohl nicht zu den alltäglichen Erscheinungen, daß homiletische Betrachtungen auch bei den Großmeistern der Halachah rückhaltlose Anerkennung fänden und mit wortreichem Lob bedacht würden. Es ist das ganz begreiflich. — Das leichtfertige, ungereimte, mitunter sogar geschmacklose Verfahren, das auf dem Gebiete homiletischer Versuche nicht selten Platz greift; das grundlose Verrenken der eindeutigsten und lichtvollsten Schriftverse und der Agadahstellen im Talmud; das willkürliche Zusammenwürfeln und unbegründete Jneinanderfügen mannigfaltiger, verschiedengearteter Sentenzen — das alles muß bei einem Manne, dem Sachlichkeit und Klarheit. Ernst und Gewissenhaftigkeit als die vornehmsten Voraussetzungen aller Derstandesbethätigung gelten, nur ein Gefühl unliebsamer Enttäuschung, wenn nicht des Unbehagens auslösen. — Wenn nun das vorliegend« homiletische Werk einem y, dt» die glänzendste Approbation abringen konnte, so hat es in der That seine individuellen Züge, die es über das Durchschnittsmaß homiletischer Geisteserzeugniffe hinausheben. Es ist der Geist des D*2oa, der durch das Buch hindurchzieht und ihm das Gepräge aufdruckt. WaS

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