Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 101-102 (22.12.1904)
- Date
- 1904-12-22
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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2206 überragt. Das U ist wieder eine Kombination beider Hände, die eine gestreckt, die andere, am Ballen anliegend, oben mit eingebogenen Fingern. Das zeigt eine tiefere Kniebenge, als das und läßt den Knaben ein Buch hoch halten; das p (Schluß-z) weist das aufwärts gehaltene Buch bei gerader, schwach zurüögebogener Stellung bes Körpers. Das fl präsentirt sich in der alten fl (r)-Stellung auf dem Podium mit einem großen, abwärts gehaltenen Springstab. fl und fl ähneln wieder dem fl, beim fl natürlich mit dem Ballen und am Boden vorgespreizien Händen. Das fl Leigt wieder die fl-Stellung auf dem Podium mit hängenden Armen und einwärts gebogenen Händen, beim Znatürlich mit dem Ballen, beim p (Schluß-f) ohne Podium. Auch das fl (Schluß-ch) zeigt ähnliche Form wie das s, selbstredend ohne deffen innere Ergänzungen. Die ganze, hier in kurzen Zügen geschilderte Entwicklung und Veranschaulichung der Buchstabenformen wirkt in ihrer Originalität geradezu hinreißend und muß auf den ersten Blick gewinnen. Welch' weite Perspektive. 'eröffnet sie dem denkenden Pädagogen! Im lustigen Spiel wird der Nnterrichtszweck erreicht, bei aller Einfachheit die reichste Abwechslung, keine theueren Anschaffungsmittel, ein wenig Phantbaste und alles läßt sich entwickeln. Dabei braucht sich kein Lehrer sklavisch an die hier gebotenen Formen zu halten, der Entwicklung der Individualität bleibt freiester Spielraum, die Idee ist das Maßgebende, die äußere Form kann sich der Lehrer bilden. Kein langweiliges, ermüdendes Dozieren! Bewegung, Leben im Ganzen! Bon sachkundiger Seite wurde schon oft die Anregung gegeben, im Unterricht hie und da einige Minuten zu pausiren und um die geistige Anstrengung durch irgend welche angemessene körperliche Thotigkeit zu paralysitrn, einige turnerische Uebungen vornehmen zu lasten. Theoretisch machte sich das sa recht gut! In der Praxis, war aber nach diesen Uebungen immer wieder auch erst eine gewisse Zeit der Sammlung, der Konzentrirung nöthig. bis die alte Aufmerksamkeit für den Unterricht zurückkehrte und es ging viel Zeit für den Unterricht verloren. Hier haben wir Bewegung, turnerische Uebungen und Stellungen im Unterricht oder besser noch als Unterricht und es wird, absolut nicht gefühlt, daß ein fremdes Kontagium eingedrungen wäre. Es ist einheitlich, konzentrirt. Haben wir nun ein Bild davon' gewonnen, wie die Gabel'sche Äethode die Buchstaben lehrt, so wird uns ' das Mittel zur Uebung des Zusammenlesens der Buchstaben in einem weiteren „Spielzeug" weitere Ueberraschung bereiten. Es ist dies das Leserad, oder wie es Kollege Gabel einmal nennt, des Kindes liebes Spielrädchen. Schon auf der zweiten Seite der Fibel, nachdem die Kinder nur die Buchstaben fl,'," " und — (r, i, ci, c, u. ö) kennen, erscheint das erste Rädchen. Auf der fünften Seite der Fibel tritt uns das Leserädchen schon etwas komplizirt entgegen, indem noch ein äußerer Kreis mit Konsonanten hinzugekommen ist. Diese Form der drei konzentrischen Kreise bleibt nur im Prinzip die gleiche, nur durch die Mehrung der Buchstaben wird die Figur komplizirter. So zeigt das letzte Buchstabenrädchen der Fibel, nach beendigter Durchnahme sämmtlicher Buchstaben, im Mittelpunkte das fr im zweiten Kreis die Vokale. Halbvokale und das Sch'wa (:) und im äußeren Ring 35 Konsonanten. Ueber Bedeutung und Verwendung des Buchstabenrades läßt sich Gabel in seinem Leitfaden folgendermaßen aus: „Während das Kind durch die bis nun in Gebrauch stehende Lehrmethode sowohl im Lesebuch als an der Wandtafel bei jeder neuen Zusammensetzung der Buchstaben von einem für dasselbe beinahe unentwirrbaren Räthsel steht, verbindet es „spielend" und mit Leichtigkeit die im Mittelpunkte des Rades befindlichen Mitlaute mit den an den Bogenenden angebrachten Selbstlauten. Die im äußeren Kreis befindlichen Mitlaute bienen dazu, damit das Kind nach Verbindung oer im Mittelpunkte stehenden Mitlaute mit den am Ende des Bogens befindlichen Selbstlauten wieder in Bogenform zu den äußeren Buchstaben gelangen soll. Diese gefällige Form des Rades übt auf die naive Kinderseele einen wohlthätigen Einfluß aus. Es erwartet mit Ungeduld die Lesestunde, in der es mit feinem beliebten „Rädchen" spielen wird können. Beim Lesen der Buchstaben im Rade hat der Lehrer die einzelnen Worte durch das Kind auch nach rückwärts lesen zu lassen, z. B. (der Lehrer weist auf das „fr " im Mittelpunkte. das am Ende des Bogens und das außerhalb des Kreises befindliche „fl" fl fl fl jetzt wieder nach rückwärts frfrfr"""flflfl Rach zwei bis drei Stunden hat das Kind an dieses Vorgehen schon so sehr sich gewöhnt, daß es später selbst das Mort heraus sucht, das der Lehrer ihm angibt." Nun muß ich allerdings gestehen, daß ja wohl das Buchstabenrädchen in dieser komplizirten Form nicht recht meinem Geschmacke entsprechen will. Ein ganz hübsches Spielzeug mag es ja sein, namentlich für die erste Zeit, da die Zahl der behandelten Buchstaben noch klein ist und es auch durch ein „lebendes Rad", bezw. Nachbildung der kreisförmigen Anordnung durch entsprechende Aufstellung der Buchstabenkinder Abwechslung finden kann. Ob es einen praktischen Werth hat, ob es rascher zum Ziele führt und dabei leichter fällt als andere Leseapparate, möchte ich noch nicht behaupten. da meine „Theorie" noch nicht durch „Praxis" erhärtet ist, meine Elementarklaffe zu weit vorgeschritten ist. um mit derselben die Probe aufs Exempel zu machen. (Schluß folgt.) Verantwortliche Medaetion: v«car Lehmann in Mainz. — Erveditton de» .RStacOt", Gch»«stratze Nr. 2.Maim. Druck und Verlag der Iah. Wirth'schen HofbuchdruckereMctien^LeMchaft in Main»