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Der Israelit · 1904-12-22 · Heft 101-102 (22.12.1904) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 101-102 (22.12.1904)
Date
1904-12-22
Page
– (sequence 26)
Language
German
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2204 für, daß die Kleinen 10—15 Minuten miteinander spielen sollen. Der Lehrer macht sie aufmerksam, daß sie sich ihre Namen, die hebräischen oder anderssprachigen, gegenseitig sagen sollen. In solcher Weise hat das Kind nach dem Spiele 20—30 Begriffe mit sich in die Schule gebracht; ein jedes Kind kennt den Namen seines Spielgenosien. (Natürlich ist hier nur von solchen Kindern die Rede, die sich bis dahin nicht gekannt.) Nachdem nun die Kinder in den Bänken Platz genommen, sucht der Lehrer aus dem Aufnahmsprotokoll einen solchen Namen heraus, welcher mit dem nöthigen Buchstaben beginnt. Der Lehrer ruft einen dieser Knaben zu sich und es beginnt folgendes Zwiegespräch, woraus sich dann das kurze Lautiren des ersten Buchstaben ergibt: Wie heißt Du, mein Kind? Reüben, Rudolf (Rachel, Rosa!) Sprich deinen Namen so aus: r r r r r udolf! Geschieht.? (ZUr Klasse gewendet.) Nun Kinder, sprecht auch ihr den Namen so aus. wie euer Kamerad ihn gesprochen: rrrrrüdolf! (Zum Kinde gewendet): Siehst du. mein Kind, ich werde dich von nun an kurzweg nur so nennen: ttr. Wie werde ich dich nennen? rrrrr. Sagt nun auch ihr Kinder, wie werde ich dieses Kind hier nennen? rrrrr. Gehe, mein Kind, wieder auf deinen Platz. Das Kind geht auf seinen Platz zurück, wobei die ganze Klasse dem neuen rrr-Kameraden neugierig nachblickt. Ein ähnliches Gespräch unterhält der Lehrer mit dem anderen Kinde." Herr Gabel gedenkt hier auch der Möglichkeit, es könne an Kindern mit entsprechend verwendbarem Namen fehlen und will derselben abhelfen, indem er dem Kinde, unter Berufung auf dessen angebliche Aehnlichkeit mit einem lieben Freunde dessen Namen für den Unterrichtszweck ertheilt. ' oder auch, wie später beim Privatunterrichte ausgeführt wird, die Familienangehörigen in den Kreis der Namen zieht, bezw. auch Gegenstände verwendet. Dies sind natürlich Nothbehelfe, denn die thatsächliche Verwendung des Kindes ist das beste, wie die spätere Darstellung des Vuchstabennamens zeigen wird. Das Lautiren hat 3—4 Minuten in Anspruch genommen. Nuy setzt der Lehrer die Zusammenfassung mit den lebenden,Buchstaben fort. (Zu bemerken ist. daß der Lehrer jede Gelegenheit benütze, die lebenden Buchstaben an ihre Namen zu erinnern, z. B. rrr sitze ordentlich, irr, sieh her, rrr geh zur Thür, öffne sie!) rrrr und iiii kommt nun hierher zu mir! Die zwei Kinder verlassen ihre Plätze, stellen sich vor dem Lehrer auf, mit. dem Gesicht zur Klasse gewendet. Sie stehen ungefähr einen halben Meter von einander entfernt. 7-: Nun gebet ach. Kinder, ich lege die Spitze meines Zeigefingers auf rrrr's Kopf, aber sehet genau hin. so lange ihr meinen Finger dort sehet, saget fortwährend dessen Namen rrrr! Ihr dürft aber nicht innehalten, nur dann erst, wenn ich meinen Finger von seinem Kopfe herunternehme! Der Lehrer hält bald längere, bald kürzere Zeit den Finger am Kopfe des Kindes und eben in solchem Maße betonen die Kinder den Namen des lebenden Buchstaben. In derselben Weise verfährt der Lehrer mit dem iiii-Buchstaben. Und nun fahre ich mit meinem Finger in der Lust von rrr's Kopf auf den des in. Aber gebet dabei genau Acht, Kinder, daß ihr den Namen des in nicht eher aussprechet, bis ich seinen Kopf berührt habe. Die Kinder sehen auch hier mit Neugierde auf den Finger des Lehrers,- wann derselbe iii's Kopf berührt. Der Lehrer beschreibt einen Bogen in der Luft, wahrend er auf iii's Kopf kommt, bleibt aber inmitten einige Mal stehen, beginnt von Neuem, bis er endlich die Kinder auf iii's Kopf hinübergelockt hat. Nach 2—3 maliger Uebung spricht die ganze Klaffe mit genauer Fertigkeit: .„r—i". Und nun, Kinder, gehen wir wieder vom Kopf d:s iii zum rrr zurück. Sollten einzelne Kinder statt zu binden ri — hacken, also r i sprechen, so möge es eben der Lehrer korrigiren, natürlich stets in kindlicher Weise. „Ebenso verfährt der Lehrer beim dritten Buchstaben, z. B. s (Samuel, Salomon, Sarah)." Interessant ist es, daß dies dritte Kind nach den Erfahrungen des Herrn Gabel oft schon bei der Frage nach seinem Namen nun nur dessen gewünschten, ersten Buchstaben angibt. Der Lehrer macht nun die Kinder aufmerksam, daß auch das dritte Kind berührt werde, 'sie also nicht beim zweiten stocken dürsten und es wird nun ohne Hinderniß gelesen r i s und ebenso s i r also mit jüdischen Buchstaben und Die Methode des Buchstabenverbindens ist ja bekannt und daß im Jüdischen die Vokale über oder unter den Konsonanten stehen, macht weiter keine großen Schwierigkeiten. Ueberblicken wir nochmals die Art der Einübung der Vuchstabennamen. so erscheint uns alles so einfach, daß es eben in seiner Einfachheit fesselt. Das lebende Kind als Buchstabe! Ein Kinderspiel, — ein spielender Unterricht, aber nichts weniger als Spielerei! Welcher Fortschritt gegen alle früheren Methoden. Ob wir nun Anschauungsbilder hernahmen, die Worte lautiren und den gewünschten Buchstaben firiren ließen, ob wir nach neueren, bezw. erneuerten methodischen Winken nicht mit Bildern zu Buchstaben, sondern mit Buchstaben als Bilder arbeiteten (vgl. Adler's Buchstabenbilder). ein Mangel blieb immerhin, denn wenn es zum Zusammenlesen der einzelnen Buchstaben kam. war es doch schwierig und oft unthunlich, die ursprünglichen Bilder immer wieder heranzuziehen, was alles bei der Methode Gabel sich ganz logisch und natürlich

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