Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 101-102 (22.12.1904)
- Date
- 1904-12-22
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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Central-Organ für das orthodoxe Judeothüm. IkEer für die israet. Schule.^ 22.Der.wo-t.] MtzTMZ.'ßnihgn mW.Me,WL. l^r.»r. ' *- Ter llckmA in äcr AiineytsrklEe und Kr ZllöelWeo Mch. von Leopold AnfSnger—Dt emmrlsüo'rf/ Vor einiger Zeit erschienen in den verschiedensten jüdischen Zeitschriften längere Artikel über eine neue Methode des Unterrichts in der Elementarklasse, erfunden von einem jüdischen Kollegen, dem Kommunallehrer Julius Gabel in Budapest, deren Lob in den höchsten Tönen gesungen wurde, und von der man sich eine vollständige Umwälzung auf dem Gebiete des Elementarunterrichts versprach. Ich gestehe, daß ich anfänglich jenen Lobeshymnen kühl bis an's Herz hinan, ziemlich skeptisch gegenüberstand; da trotz der reichen Lobeserhebungen in oll jenen Artikeln auch kein Sterbenswörtlein über die Sache selbst, ihr „Was" und „Wie" zu finden war, machte diese, vielleicht unbeabsichtigte Geheimniskrämerei stutzig und auch der als Kernpunkt des Verdienstes gerühmte Umstand, daß die Kinder in wenigen Stunden erlernen, wozu sie sonst Jahre brauchen, konnte den Pädagogen nur irritiren, denn nicht die Schnelligkeit des Vorwärtsschreitens, sondern die Tiefgründigkeit des Erworbenen ist das Wesentliche im Unterricht. Dennoch hielt ich es für meine Pflicht, ganz abgesehen von den zahlreichen Anerkennungen, die Methode näher kennen zu lernen; ist es doch angezeigt, daß der Lehrer in stetem Kontakt, mit allen neuen Errungenschaften seiner pädagogischen Wissenschaft bleibe. So ließ ich mir denn die neue, jüdische Lesefibel nach der Methode des Herrn Gabel kommen und auch den Leitfaden zu derselben und — schon jetzt sei es gesagt — ich war gar bald aus einem Pessimisten ein Ovtimist, aus einem Skeptiker ein Bewunderer geworden. Ist doch die neue Methode so einfach und natürlich, daß man sie einem Kolumbusei vergleichen möchte. Schon .77. das Mottowort des Umschlags der beiden Büchlein: „Nicht schnell, sondern leicht", sprach mir agL der Seele und entkräftete das eingangs angeführte Argument, denn nicht dem schnellen Dorwärtsschreiten d«S kleinen Schülers will die Methode dienen und dyS Wort reden, nicht soll der kleine Weltbürger, nachdem er in wenigen Stunden das Jahrespensum bewältigt hat, zum Pensum der nächsten Klasse weiterschreilen, nein, die Zeitersparniß im Unterricht soll dazu dienert.' dem kleinen Menschen Zeit zu geben zu Lust und Spiel und körperlicher Entwicklung und Kräftigung -u imd Kr Unterricht nach der Methode Gabel wird ihm' selbst zum lieben, bald zum liebsten Spiele. Das toäf aber der wesentlichste Zweck, den Herr Gabel anstrebte, und eS ist ihm gelungen. Ehe ich nun in die Besprechung der Methode eintrete. will ich bemerken, daß ich in vorliegender Arbeit zunächst nur die Methode in ihrer Anwendung aus den jüdischen Leseunterricht im Auge habe, daß dieser jedoch bereits ein ABC-Buch vorausgegangen ist, sd daß daS 2'---Büchlein, die jüdische Fibel, nur eiäie TranSferirrrng jener Grundsätze auf diese Material darstellt; mit Erlaubniß der verehrlichen Redaktion?' werde ich 3*3 auch jenes ABC- Buch später zum Gegenstand einer Erörterung in diesen Blattern machen. ^5 Die Fibel beginnt mit dem Konsonanten r, dem auf der ersten Seite die Vokale * 1, eh ühoö augereiht sind. Sehr bezeichnend nennt Gabel die erste Unterrichtsstunde „das erste Spiels Lassos wir nun Herrn Gabel selbst sprechen: „Gleich beim'ersten Erscheinen der Kinder in der Schule sorge der 'Lehrer da-