Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 101-102 (22.12.1904)
- Date
- 1904-12-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Meilen hinter den Hunnen oder in der Türkei oder um ' die nächste Straßenecke schlagen; er macht diese Äon-! vulsionen nur in seiner Zeitung mit. Blut. Feuer, Pulverdampf und Bonrben hat er nur in der Form! von Druckerschwärze auf Löschpapier gesehen. Er schlägt sie alle über einen Leisten und legt sie mit der Zeitung blasirt zur Seite. Das war in alter Zeit nicht so. Da ergriff eine solche Unthat jeden halbwegs gesitteten Menschen; sie ergriff, wenn, wie in unserem Falle, an einem Juden verübt, am tiefsten die jüdische Gemeinschaft in allen ihren Gliedern. Aber die Art und Weise, wie sich diese j Ergriffenheit äußerte, war auch charakteristisch. Je mehr gerade die Juden unter der Gewalt, Rohheit und Rechtlosigkeit der Zeit zu leiden hatten, je mehr sie von den Menschen zu fürchten und je weniger sie von ihnen zu hoffen hatten, um so vertrauensvoller stellten sie ihr gebeugtes, verkümmertes Recht, und die von ihnen verübte Gewalt, der göttlichen Vergeltung anheim. Sie rächten sich nie. sie trugen kein noch so rohes Unrecht , grollend nach, sie wußten, daß ihr Annehmer lebt und! daß ihm kein Aufschrei der Gedrückten, Verkürzten entgeht. Diese Bitte um die göttliche Vergeltung schützte sie vor Bitterkeit, das nannten sie: Rekomo. Unsere Zeit hat superklug zu handeln vermeint, indem sie diese Bitte vielfach aus den Gebeten merzte, damitz sie nicht so intolerant erschienen! Die Intoleranten, die es draußen keinem verzeihen, es ein ganzes Leben lang nachtragen möchten, wenn z. B. einer an ihnen vorüber ginge ohne den Hut zum Gruße zu ziehen, diese Intoleranten blieben sich nur konsequent, wenn sie auch unsere heiligen Gebetbücher ihre Intoleranz fühlen ließen und sie in die Zwangsjacke ihrer Toleranz steckten. Von dieser modernen Weisheit hatte man in jenen ' Jahrhunderten, in welche uns unsere Erzählung fuhrt, noch nichts gekostet. Man gab sich keiner Illusion dar- ' über hin, daß der Vermißte nicht mehr am Leben sei,! man wußte auch, daß das theuere Leben durch die Ergreifung des Mörders nicht wieder zu erlangen ist, aber eine solche Unthat -durfte nicht ungeracht, nicht ungesühnt bleiben: Nekomo. so lautete die allgemeine Losung, mit welcher die schwachen friedliebenden Juden sich auf die Suche nach dem Mörder stürzten.' Dieses bei allen Mitgliedern der Hamburger Gemeinde vorhandene Streben, hatte bei Rifka Osterode! eine das gewöhnliche Maß weit überschrittene Tiefe erreicht. War es ihr frommer, gottergebener Sinn, war es ihr gutes, mitleidiges Herz, das sie den Verlust der unglücklichen Wiitwe und ihrer vier vaterlosen Waisen, in der ganzen Größe Mitempfinden ließ, waren es die äußeren Beziehungen, die sie mit den von ihr. vermutheten Mördern persönlich in Verbindung gebracht hatten, der Gedanke an den geschehenen Mord und seine; Sühne ließ sie Tag und Nacht nicht zur Ruhe kommen. Als gar ihr Mann kurz vor Eintritt des Schabbos von seinem letzten Besuche und der Unterredung mit der Wirthin berichtete. kannte ihre Aufregung keine Grenzen mehr. (Fortsetzung folgt.) ZMung lies HnisckU in Rr. 90. N22 gleich Sohn Binjamins 222 gleich Wagen. Unter den Einsendern der richtigen Lösungen wurde geloost und erhielt der Gewinner Herr Lehrer L Spier aus Langeaschirralbach, ein Werk auS unserem, Verlage gratis und franco! zugesandt. Ter .Israelit" erscheint wörhentlicli «welmal, Hon tags mid Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Breis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bcstellaeld. Ausland entsprechend höher. Mau abonnirt aanzjährlich. halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Dnchhaudrl verkehr! durch V. Zf. Sk rrnnchrr, Teipxra, DoMatz )S. — Inserate25 Pfennig die viergcspaltene Nonparcillezcile oder deren Raum. 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