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Der Israelit · 1904-12-22 · Heft 101-102 (22.12.1904) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 101-102 (22.12.1904)
Date
1904-12-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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biäfutirt worden, und die Skeptiker haben ebenfalls Zweifel geäußert, ob der russische Jude zu einem Lande ziehen werde, das in der jüdischen Leidensgeschichte ein mit Blut- und Rauchflecken verziertes Blatt sich geschrieben hat. Jedenfalls stellt die Idee und ihre Behandlung den Nachkommen unserer Dränger ein schönes Zeugniß aus von Aorurtheilslosigkeit und vraktischem Verstand, und darum mag sie registrirt werden: ihr Urheber weilt jetzt in Staatsdiensten in Brasilien, wird aber in einigen Monaten heimlehren und will dann an die Arbeit gehen. Ich fuhr zwei Tage und eine Nacht mit einem portugiesischen Herrn allein im Coupc» und gerieth mit ihm in intimere Gespräche, sodaß er mir seine Karte gab. In solchen Fällen füge ich der Nennung meines Namens die Bemerkung an, daß ich Jude sei: denn es giebt Nichtjuden, die einen so gringen Scharfblick haben, daß sie meinen Stamm, trotz meines eigentlich unverkennbaren semitischen Aussehens, nicht erkennen, und natürlich möchte ich ihnen in ihrem und meinem Interesse die etwa folgende Enttäuschung ersparen, sich mit einem Juden eingelassen zu haben. Im Lande der Inquisition kam's aber anders: mein Gegenüber sprang, sichtlich aus's Angenehmste überrascht, auf. schüttelte mir unter Ausdrücken aufrichtig warmer Berehrung für mein Volk die Hand und sprach seine Freude aus, sich noch einen Tag lang mit einem Juden — und gar noch mit einem deutschen Juden — unterhalten zu können. — Denn die deutschen Juden gerade sind es. denen der Portugiese ganz besondere Gunst entgegenbringt. Zu meiner — begreiflichen — Verblüffung erfuhr ich das bei dieser und erfuhr es auch bei späteren Gelegenheiten. Liffaboner Juden und Christen haben mir versichert, daß Banken und private Großkapitalisten zu einem deutschen Juden das größte Zutrauen haben und ihm mit größter Bereitwilligkeit Gelder und Kredit gewähren für ein seriöses Unternehmen, für das sie einem Portugiesen die Unterstützung versagen würden. Ein Portgiese aus altern reichen und angesehenen Adelsgeschlechte erzählte mir, daß er lange Jahre einen deutschen Juden im Bureau als Disponenten hatte, dem er am Sabbat und an den jüdischen Festtagen Dispens gegeben habe! Die Mittheilung wird den Leserkreis gerade dieser Blätter interessiren. wenn ich auch orthodoxen jungen Leuten keineswegs rathen möchte, etwa nun auf's Gerathewohl nach Lissabon zu gehen. Die Gemeinde in Lissabon zählt rund 400 Seelen, wovon vielleicht ein Fünftel gesetzestreu lebt. Die Gemeinde-Institutionen sind gut. die Schrchitah scheint musterhaft zu sein, und auch ein ganz ungewöhnlich ruverlässiars Kosibaus ist vorhanden (r. Aurea 73 IN; vorherige Anmeldung erforderlich).. Feuilleton. Der HMburger DGelmr) in de» Jahre» W i. M itr jMifön i. IM i. M )n M 3(itrrdjiu| von Markus Brau«. is Die Herren sahen ein. daß zur Zeit nicht viel zu sehen und zu hören war, und daß ein längeres Verweilen nur Argwohn erregen könnte. Sie verabschiedeten sich deshalb und versprachen wiederzukommen. — Sie gingen einige Stunden später zum zweiten Male hin. Das Haus war wiederum verschlossen und wurde erst nach mehrmaligem Klopfen durch die Magd geöffnet. — Der Erfolg war derselbe. Sie hatten zwar jetzt Gelegenheit, die der Thüre nächste Stube zu betreten; aber außer der leeren Oede des ausgeräumten Zimmers konnte ihr suchender Blick nichts Auffälliges finden. „Den dritten Besuch," sagte Hekscher zu seinem Begleiter. „müßt Ihr allein machen. Die Dienstmagd wird jedenfalls ihren Leuten sagen, daß ich wegen der Goldtvaaren des Fremden gekommen bin, der am Mittwoch da war. Zudem ist es auffallend, wenn wir, die doch zwei Konkurrenten sind, immer zusammen in das Haus kommen. Es ist besser, Ihr geht das nächste Mal allein und je nach dem Berichte, den Ihr mitbringt, werden wir sehen, was nachher zu thun ist." „Es ist Eref Schabbos; ich weiß wirklich nicht, ob ich heute noch einmal den Weg machen kann," entgegnete Osterode. „Die Freitage sind jetzt sehr lang." bemerkte Hekscher, „heute ist er noch etwas länger als sonst, denn Ihr könnt heute wegen des Tischo-be-Ab kein Bad nehmen und Eueren Bart nicht scheeren. Aber was brauche ich da viel zu reden. Euere Rifka, Gott laß sie gesund und stark sein, wird Euch schon treiben." Und so war es auch. Die energische Frau ruhte und rastete nicht, bis ihr Mann Nachmittags noch einmal seinen Besuch wiederholte. Diesmal traf er die Frau zu Hause. „Was geht denn vor. daß Ihr einem das Haus geradezu einlauft?" fragte in grober Weise die Wirthin. „Die Magd sagt mir. Ihr seid schon zwei Mal heute in aller Frühe dagewesen, und fragt nach einem Manne, der am Mittwoch hier gewesen sein soll. Hier war Nie. mand." Daß die Magd diese nur so beifällig hingeworfene Bemerkung Hekschers in den Vordergrund ihres Be-, richts gestellt und daß die Wirthin in erster Reihe diese» Punkt aufgriff, um ihn so energisch zu bestreiten, war allerdings ein wichtiges Moment, das auch einem

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