Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 100 (19.12.1904)
- Date
- 1904-12-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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mitte" folgende Apostrophe gerichtet: *86 ist Ihnen jetzt vielfach vorgepredigt worden, was Sie alles zn Weihnachten zu thun haben. 8s ist gut, daß wir es schon so weit gebracht haben, daß sich jede Christin schämt, zu einem Juden hineinzugehen. Die Christen sollen bei Christen einkaufen und die Juden bei den Juden, dann werden wir sehen, wie sich die Geschichte ausgleicht. Jeder muß seinen Nächsten unterstützen und uns Christen sind die Christen die Nächsten. Es ist -in der letzten Zeit eine gewisse Milderung in den Gegensätzen eingetreten. Diese Milderung wird von unseren Gegnern sofort dazu benützt, um unsere Position wenn möglich zu erschüttern. Es bleibt daher nichts anderes übrig, als auf den alten Katechismus züruckzugreifen und wieder jene Reden zu halten, die am Beginne unserer Bewegung gehalten worden sind." Mit dieser Aeußerung haben Sie, Herr. Bürger-; meister. zur vollständigen wirthschaftlichen Trennung zwischen den christlichen und jüdischen Bewohnern dieser Stadt und zur Boykoitirung der letzteren durch die ersteren aufgefordert. Sie haben damit nicht nur gegen die von Ihnen beschworenen Staatsgrundgesetze, die das gleiche Recht aller Staatsbürger gewährleisten. - verstoßen, sondern auch jenen gerichtlichen Entscheidungen zuwidergehandelt, welche den Boykott als strafbar nach 8 302 des St.-G. erklären. Nach unseren Statuten dazu berufen, die auf Verschärfung der konfessionellen und Rassengegensätze gerichteten Bestrebungen zu bekämpfen, bezeichnen wir es als tief bedauerlich, daß der Bürgermeister der Reichshaupt- und Residenzstadt. der Chef der Verwaltungsbehörde erster Instanz, durch die Nichtachtung der Gesetze ein solches Beispiel gibt. Noch bedauerlicher aber ist es, daß Sie. ' Herr Bürgermeister, in Verkennung der Pflichten Mres Ehrenamtes so sehr Parieimann geblieben sind, daß Sie. statt das friedliche Zusammenleben aller Burger dieser Stadk - nnd ^damit die reiche Entfaltung aller; wirthschaftlichen Kräfte der Gesammtbevölkerung zu befördern, Haß und Zwietracht säen und jenen Rassenkampf. der ganz Oesterreich dem wirthschaftlichen Verfalle entgegenführt, in die Reichshauptstadt verpflanzen. Der Boykott ist unter allen Umständen eine verdammenswerthe Waffe im politischen Parteikampfe. Er ist aber auch für den Angreifer nicht minder gefährlich als für den Angegriffenen. Es kann unmöglich zum wirthschaftlichen Gedeihen der Gesammtbevölkerung Wiens beitragen, wenn der zehnte Theil derselben in Nvthstand versetzt, wenn einer Bevolkerungs-' Halle von 160,000 Seelen, die durch ihren Gewerbe- ' fleiß. ihren Patriotismus und nicht zuletzt durch ihre ' .Steuerleistung eine gewichtige Stütze der staatlichen: ynd^ städtischen Wirthschaft geworden ist, die Grund-' lagen der Existenzentzogenwürden^ Würde die von - Ihnen propagierte Absonderung der Christen von de» Juden zur Wahrheit werden, dann würden dies allerdings die mittleren und unteren Schichten det jüdischen Bevölkerung schwer empfinden, es würden aber auch Tausende von christlichen Gewerbetreibenden. Privatbeamten, Lehrern, Handlungsgehilfen. Arbeitern und Dienstboten, die von Juden und bei Jude» Beschäftigung finden, ihres Gewerbes verlustig gehen. Zu innig verwebt und verbunden ist die Thätigkeit und Tüchtigkeit der jüdischen Bevölkerung Wiens mit der allgemeinen ökonomischen Entwicklung dieser Stadt, als daß sie auf das Geheiß eines, wenn, auch noch so machtbewußten Bürgermeisters aus derselben ausgeschaltet werden könnte. Wohl aber ist der von Ihnen erhobene Ruf geeignet, durch die Verschärfung der vorhandenen Gegensätze, durch die Wiederentsachung und Verewigung des Rassen- und Klaffenkampfes den Frieden der Bürgerschaft dauernd zu untergraben und damit das Gesammtwohl der Stadt schwer zu schädigen. Wir protestiren deshalb gegen die . von Ihnen sanktionirte Verhetzung, in der wir eine Nichtachtung der Gesetze, einen Mißbrauch der bürgermeisterlichen Würde und eine Beeinträchtigung der Wohlfährt dieser Stadt erblicken. Genehmigen Herr Bürgermeister den Ausdrück der vollsten Hochachtung welche wir als gute Bürger unter allen Umständen dem Oberhaupte unserer Stadt schulden. W i e N, am 8. Dezember 1904; - Für den Vorstand der Oesterr.-Jsr. Union: Siegmund Mayer, . Wilhelm Anninger, Präsident Vize-Präsident Julius Granichstädten, - Schriftführer. f;J';; -. *•-,!& Mn jHMcher '• ' fionbon. Nachdem im vergangenen Jahre der Lord-Mayor von London und der Mayor des vornehmsten Distrikts, Westminster. Juden gewesen, ist auch in diesem neuen Wahljahr wieder ein jüdischer Mayor gewählt worden und zwar für den Bezirk Hammersmith. (Die Stadt London hat 28 Bezirksbürgermeister.) Der neue Bürgermeister I. M. Levy ist seit der vor 14 Jahren erfolgten Begründung der Hammersmith- und West-Kensington-Synagoge Vorstandsmitglied dieser Gemeinde und einer der eifrigsten Besucher. ihres Gottesdienstes. Er versäumt keinen Gottesdienst. Mr. I. M. Levy ist in seinem Bezirk in allen Kreisen'und' bei den Bekennten aller Konfessionen ßettebt ünd vnehtis. ' - - - ' r v ,<v: