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Der Israelit · 1904-12-19 · Heft 100 (19.12.1904) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 100 (19.12.1904)
Date
1904-12-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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2174 Exzesse gegen die Anden. Wilna. Wie der „Wilenskij Wjestnik" meldet, haben vor wenigen Tagen im Städtchen Rykischli Exzesse gegen die Juden stattgefunden, denen viele Juden samt Hab und Gut zum Opfer fielen. Gegen 200 Reservisten überfielen die jüdischen Krämerladen und vernichteten sie völlig. Hierauf begannen sie die jüdischen Häuser zu demoliren und das Hab und Gut zu plündern. Sie vernichteten alle jüdischen Häuser, drangen sogar in die Synagoge auf der Komaistraße und mißhandelten dort befindliche Glaubensgenossen schwer. In der Stadt wurden viele Juden, welche sich durch die fjlud&t nicht rechtzeitig retten konnten, tödtlich mißhandelt. Die Bemühungen des Polizeiaufsehers Jakowlew, die Ruhe wiederherzustellen, blieben erfolglos und die Plünderer raubten und randalirten nach Herzenslust. Erst durch die Ankunft des Kreispolizeiches Afrossimow twrbe ben Erceffen ein Ende gemacht. Die Roth der gepänderten Juden läßt sich kaum schildern. Die russischen Juden und der Krieg. Konstantinopel. Bis vor wenigen Tagen war es der jüdischen männlichen Bevölkerung jeden Alters in Rußland erlaubt, das Land zu verlassen. Eine Ausnahme wurde nur'in den Gegenden, in welchen mobilisirt wurde, gemacht. Jetzt aber werden weder stellungspflichtige noch der Reserve angehörende Juden hinausgelassen. Da diese Maßregel vorauszusehen war, verließen eine große Anzahl noch nicht eingezogener Männer theils allein, theils mit ihren Familien das Land, um in der Ferne eine neue Heimath zu suchen, soweit in diesem Falle überhaupt von einer solchen gesprochen werden kann. Die Szenen, welche sich beim Einschiffen der Familienväter und der männlichen Mitglieder einer Familie bei der Trennung von ihren Angehörigen in Odessa abgespielt, müssen wirklich ergrnfeEgswelen'seiir,-rvierste^ATgenzeugen schilp dern. Ein großer Theil der Auswanderer hat sich nach Reu-Seeland. Argentinien.und Nord-Amerika gesendet. Von denen, welche Konstantinopel passiert, sind ungefähr hundert Familien hier zurückgeblieben, die die Noth unter der bedürftigen jüdischen Bevölkerung noch vermehren. Sie arbeiten für die Hälfte des bisher schon kärglich genug bemessenen Lohnes und nehmen den bisher Beschäftigten die Arbeit. .Viele haben sich auch auf den Handel geworfen, wieder andere Magazine für ihr.Handwerk oder Gastwirthschaften eröffnet. Trotz der Verweigerung von Pässen gelingt, die Auswanderung mit Hilfe des Rubels immer noch, für den im beiligen Rußland eben alles feil ist. Schlecht ergmg es allerdings drei Militärpflichtigen, welche den Koch eines englischen, den Hafen von Odessa angelaufenen Dampfers bestochen hatten, damit er sie bis nach Konstantinopel mitnehme. Da hier die polizeiliche Kontrolle für abfahrende wie ankomiyende Personen eine sehr scharfe geworden ist. so konnten die Russen das Schiff nicht verlassen. Sie wandten sich an den Kapitän, doch da Niemand russisch sprach, so wurden sie zuerst auf das englische, dann auf das russische Konsulat geführt, von wo sie als Gefangene nach Odessazurückgeschickt wurdem . Daß die Juden sich nicht nur gern der Militär- Pflicht in Rußland zu entziehen suchen, sondern vor allem ihre Einberufung zum Kriegsdienst durch Auswanderung vereiteln, darf bei den russischen Verhältnissen nicht wundernehmen. Bei gerechter Beu.rtheilung der Lage der russischen Juden ist es nur zu natürlich, daß sie weder Liebe zu dem Lande noch selbstlose Hingabe für den Herrscher desselben haben. Von den seitens des neuen Ministers des Innern gemachten Versprechungen, betreffend die ihnen einzuräumenden Freiheiten. halten sie durchaus nichts, da dies eben, wie schon so oft früher, nur Versprechungen bleiben werden, die nur durch die augenblickliche Nothlage des Staates erpreßt sind. Die rothen Flecken von Kischinew lassen sich auch trotz aller schönen Worte nicht so leicht verwischen, und daß in der Judenfrage alles beim alten bleiben wird, haben die noch vor kaum vier Wochen in der Nähe von Warschau und Kiew begangenen Ausschreitungen und Plünderungen bewiesen. Wer die russischen Auswanderer in Galata sah. konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, daß er es hier mit einer von langem Druck befreiten Masse zu thun hatte. „Es lebe die Freiheit!" tönte es zwischen den heimathlichen Liedern in den dichtgesüllten engen Räumen der elenden Schänken. Selbst die Niedergebeugtesten wurden von dem allgemeinen Freudenausbruch mitgeriffen und vergaßen in dem Aufathmen nach so langem, schweren Druck, wenigstens für einige Stunden, das Elend. An merk. der Red. Die Desertation ist vom jüdisch-religiösen Standpunkte aus unter allen Umständen zu verurtheilen; wir können deßhalb den ©fatitymnli,-de4..Herrn.KprrLfpondeytey ^flicht-. vollkommkn theilen. - " vermischtes. Kraka«. <Ein jüdischer Dekan.) Professor Dr. Stern doch wurde zum Dekan der philosophischen Fakultät an der hiesigen Universität gewählt. Professor Dr. Sternbach stammt aus einer sehr achtbaren jüdischen Familie in Drohobyc,. Sowohl der Vater als auch die Großeltern des Professor Stcrnbach t-kleideten die ersten Ehrenämter ut der Drohobvczer Kultusgemeinde und auch der eben auSgezeichnrte jüng^e Sprosse der Famil e hat eine gut jüdische Erziehung genossen. Noms, der. bekannte hcbiäische "Schriftsteller" Angel Fornari ist, 78 Jahre alt. gestorben. .?T)est. Hier soll ein »euer Tempel gebaut werd< des 1000 Männer und 600 Frauensitze aufweisen wti Die Kosten sind auf 600000 Kronen veranschlagt.

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