Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 100 (19.12.1904)
- Date
- 1904-12-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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2l72 In der Regel ein mäßiger fester Pensionspreis zu zahlen ist, und nur in Berücksichtigung besonderer Verhältniffe halbe oder ganze Freistellen zu schaffen sind. Der feste Pensionspreis muß so normirt werden, daß er annä^rnd die Selbstkosten deckt. Daneben muß ein Verein in's Leben gerufen werden, welcher durch Jahresbeiträge feiner Mitglieder, sowie durch freiwillige Spenden den Minderbetrag der Pensionsgelder als die Selbstkosten aufbringt. Meiner Meinung nach würden bei sparsamer Wirtschaft und vorsichtigem Gebühren in Geldausgaben ein jährlicher Betrag von 300 Mark pro Zögling den Interessen der Eltern nicht zu hoch sein, und für die Verwaltung des Heims nicht zu. niedrig, um mit einigen tausend Mark, die aus andern Quellen (Mitglieder-Beiträge, einmalige Spenden) zu beschaffen wären, die Ausgaben bestreiten zu können. Auch im „Schülerheim" sehen sich die Einnahmen aus diesen beiden Faktoren zusammen, den Pensionsgeldern, sowie den Jahresbeiträgen der Mitglieder. Es möge der Vorstand des jüb> ->w-Vereins, den Gedanken, der Errichtung eines „Lehrlingsheims" mit allem Rachdruck verfolgen, die öffentliche Meinung dafür interessiren, und mit vereinten Kräften werden sich die noch vorhandenen Schwierigkeiten beseitigen lassen. Die Versammlung der jüd. Wohtttiätigkeits- Anstalten zu Frankfurt a. M. Mainz, 18. Dez. Die in der vergangenen Woche stattgehabte Versammlung aller großen jüdischin Wohlthätigkeitsanstalten ist fortwährend Gegenstand der Besprechung und findet in der jüdischen Presse die verschiedenartigste Beurteilung. Ein Berliner jüdisches Blatt kann sich nicht genug thun über den Erfolg dieser großen Aktion und schreibt ihr hauptsächlich zu. daß in Zukunft der Zionismus sich an den gegenwärtigen ^tüfgak>'ers7bL^.MgLN''nMrde"«'Zwei andere > jüdische Blätter üben an der Versammlung die denk- ' bar sckärfste Kritik. - Es sei nicht .nurnichts geschehen, man habe im Gegentheil auch beschlossen, in Zukunft nichts zu thun. Diese Blätter kritisiren nach unserem Ermessen sehr mit Unrecht. Denn nicht alles, was geschehen kann und soll ich geeignet, in die weitere Öeffentlichkeit zu dringen d-n. Von Rußland gehen uns Stimmen zu, die es sehr bedauern, daß zu der Versammlung nicht Leute .hinzugezogen worden, welche die inneren ' russischen Zustände aus. eigener Anschauung und Erfahrung kennen' gelernt, hghen und. mit. prat- , tischen Ratschlägen -dienen können. . Diejenigen Herren' aus .Rußlands, die. der. Versammlung, verwohnten, wohnen außerhalb des Ansiedelungsrayons, sie ' haben ihre Studienjahre zum größten Theil im Auslande verbracht und seien deshalb nur wenig geeignet. praktische Reformen in Vorschlag zu bringen.. Verein für jüdische- Geschichte ttiiH! Magdeburg. Herr Dr. H u t h. Privatdozent an der Berliner Universität, hielt einen Vortrag über die „Juden in Turkestan". Der Vortragende wurde durch den stellvertretenden V- «.sitzenden Justizrath C h o y k e, eingefiihrt, der dabei betonte, daß ein Vortrag besonderen Werth habe, wenn er auf Grund vow eigenen Beobachtungen an Ort und Stelle zustande gekommen sei. wie es diesmal der Fall wäre. Dr. Huth ergriff sodann das Wort und führte etwa folgendes aus: Es gibt in Turkestan bocharische und russische Juden. Erstere seien aus Persien eingewandert, wo sie seit uralten Zeiten wohnten, die letzteren stammten aus Polen und Rußland, hätten in Turkestan als Soldaten gedient und sich dann dort dauernd niedergelassen. Sie seien zum Theil Kaufleute, zum Theil Handwerker. Die bvcharischen Juden hätten schöne Gesichtszüge; ihre Kleidung entspreche ihrem Vermögen. Besondere Pracht zeigen sie bei der -Hochzeit. Ihre Wohnhäuser feien billig, einfach, in ihrer inneren Einrichtung denjenigen der eingeborenen Sarten ähnlich, nur daß Männer- und Frauengemächer nicht geschieden seien. Ihre rechtliche und gesellschaftliche Stellung sei in den von Rußland besetzten Gebieten eine gute, in den unabhängigen Khanaten Khiwa und Bochara dagegen eine sehr gedrückte. Sie unterschieden sich dort schon in ihrer Kleidung von den Mohammedanern, mußten sich bei einer Begegnung vor ihnen verneigen und eine Züchtigung ruhig hinnehmen. Auch hätten sie für die Person eine jährliche Judensteuer bis zu 25 Mark und für die vom Auslande bezogenen Maaren doppelten Zoll zu entrichten. Sie kaufen dom Auslande Seide. Amulette und Apothekerwaaren und verkaufen destillierten Schnaps und anderes, was der Muselman aus religiösen Gründen nicht feilbieten dürfe. In ihren Geldgeschäften zeichnen sie sich durch reelle Handhabung ans. Als Handwerker betreiben sie IN^ großeni besonders Seidenfärberei^ Siien sie auch im allgemeinen nicht armso seidoch innig zu wünschew.-daß ihre sollen Verhältnisse besser wurden. Die Ausführungdn.des Vortragenden fanden bei der Zuhörerschaft, die den Saal voll besetzt hielt, eine gute Aufnahme.. Der Versammlungsleiter gab dem Dank des Vereins Ausdrück und forderte dann zur Unterstützung der Bestrebungen des Vereins auf. Ein SHteivrn an Hürgrrrneister De. Lnsges. Wsen. ' Der Vorstand der „Oesterreichisch- Jsraelrtrschen Union" hat an Bürgermeister Dr, Lueger folgendes Schreiben gerichtet: . „Geehrter Herr Bürgermeister! Rach Lberein'- strmmenden Zeitungsberichten haben sie an einsam .4. ,d.,m der Volkshalle des Wiener Rathauses statk. gefundene Versammlung des Vereines .CHrWch^M