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Der Israelit · 1904-12-19 · Heft 100 (19.12.1904) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 100 (19.12.1904)
Date
1904-12-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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45. Jahrgang. tage zu M W des 6» Lktzkl'mzcht'iN ii Matt i A. Von Dr. M Schlestnger, Marburg a. L. Den „Mittheilungen" des Vereins zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit irov entnehmen wir nachstehende Ausführungen: Die nachfolgenden Zeilen wollen eine Ergänzung zu dem in diesen „Mittheilungen", im Juli 1903 unter der Urberschrist „Zur Errichtung eines jüdischen Lehrlingsheims" veröffentlichten Artikel sein und das auf Erfahrungen der Praxis beruhende Ürtheil begründen, daß die Schaffung eines solchen nicht allein von segensreichen Folgen für unsere im kaufmännischen Beiriebe großwerdende Jugend sein werde, sondern auch nicht, so großen Schwierigkeiten finanzieller Natur begegnen wird, wie der Verfasser jenes Artikels es zu befürchten scheint. Es ist dort auf das hiesige „Schüler- und Lehrlingsheim" hingewiesen, welches sich vom ersten Augenblicke seines Entstehens lebhaften Zuspruchs zu erfreuen hatte, ko daß jetzt nach noch nicht vierjährigem Bestehen die Zahl der Zöglinge mehr als 60 beträgt. Sie sind alle, von wenigen Ausnahmen abgesehen, aus kleinen Orten. Städtchen und Dörfern gebürtig, welche den Eltern gar nickt oder nur in ungenügender Weise die Möglichkeit gewähren, ihre Söhne für die spätere Berufsthätigkeit mit Wissen und Fertigkeiten einerseitsmit sittlich-religiöser Bildung andererseits ausznrusten. Das ausgezeichnete Interesse, welches d r Verwaltungs-Vorstand der Hebung und Förderung des ..Heims" andauernd entgegenbringt, seine Bemühungen,' in tveikereü"Kreisen'Derständniß für die Nüth-' Wendigkeit und den Segen eines solchen Instituts zu wecken, hat viel dazu beigetragen, auch nach der finanziellen Seite Sicherheit zu bietem Und doch ist unser „Heim" etwas anderes als das vrojektirie ...Lebrlingsheim". Zu Unrecht ist es in dem angeführten Artikel als „Lehrlings- und Studentenheim" bezeichnet. Sein offizieller Titel iss „Schüler- und Lehrlingsheim". Wenn man will, kann man schon daraus erkennen, daß die Schülerzahl bei - weitem die der Lehrlinge überwiegt. Die erstere ist so sehr in der Ueberzahl. daß die Einrichtungen im wesentlichen d. h. soweit Unterschiede sich gellend machen, für Scküler angepaßt' sind. Man kann mit Bestimmtheit sagen, daß,'wurde in Frankfurt ein Schüler- und Lehrlingsheim errichtet, die Lehrlinge in der Ueberzahl sein wurden. Diese Petschiedenheit Regt in der Natur der Sache. Unter den Lehrlingen haben wir die beiden Gruppen der Handwerks? und Kaufmannslehrlinge getrennt zu betrachten. Für eine Provinzialstadt, wie Marburg, \ kommen als Handwerkslehrlinge fast nur nichtjüdische. Meister in Betracht. (Bon jüdischen Backereien ünbr Metzgereien sehen wir ab.) Nur in vereinzelten Fallen gehen diese nichtjüdischen Meister darauf ein, jüdischen Lehrlingen am Schabbos und Jomtof freizugeben; für' diese wenigen, die sich meist aus Kreisen rekrutirest. welche nicht in der Lage sind, für Logis und Kost in ' Familien die Mittel aufzubringen, ist das „Lehrlings- ' heim" der geeignetste Platz. In Wirklichkeit sind die in unserer Anstalt befindlichen Lehrlinge siimmtlich' Handwerkslehrlinge. In den Waarengeschäften. sowie. in allen kaufmännischen Geschäften überhaupt,. ist in kleineren Städten der Fall noch nicht selten, daß dni' Lehrlingen Kost und Logis von den Prinzipalen int Hause gewährt wird, andernfalls.sind die Ausgaben - für Familien Pension nicht so erheblich, daß nicht der . .' für diese Gruppe in Betracht kommende Interessenten-' kreis sie in vielen Fällen aufzubringen befähigt und bereit ist. ' ' ’ Ganz anders liegen diese Verhältnisse in Groß-, städten wie Frankfurt. Die Zahl der jüdischen Handwerksmeister ist nickt gering, in' den verschiedensten Branchen finden sich solche, Tapezierer, Maler, Buchdrucker. Buchbinder, u. s. w.. aber nur wenige werden Kost und Wohnung bei sich im Hause getvähren., Darf/- man also annehmen, daß schon eine erkleckliche. Zahl, von Handwerkslehrlingen vorhanden ist, für welche ein., ...Heim" Bedürfniß ist, so wird die Errichtung eines solchen für Kaufmannslehrlinge gerade; zur Noth? Wendigkeit, wenn nicht die Gefahren, welche die Großstadt für die der elterlichen Fürsorge, und Berathung - Entbehrenden jpri gen Leute bietet,, zu'immer.' größeren,. Schäden führen soll. .°;V .5,»? i -r' -• Schülerbüm und Lehrlrngsheim stellen / sich also?., die gleiche Aufgabe: Sie wollen ihren ..Zöglingen" gegen geringe Kästen die Möglichkeit, der schulmäßigen,' bezw. beruflichen Ausbildung auch fern von' dem Elternhause geben, sie wollen außerdem in Vertretung, der Ellern und in deren Sinne die religiöse und sittliche Ausbildung fördern und überwachen.' Mas das Schülerheim für die Knaben, gleiches leistet das Lehrlmgshenn für die-Jünglinge Doch.aber wird der-, -Aufbau nnd die Einrichtung,im Einzelnen in dem''einend Landers sein als in dem andern, entsprechend, -drin'. Unterschiede der Lebensalter^- 7,'-? , - - - , Der ErrMung eines-solchen Lehrlingshe.fM-'i^ Frankfurt stellen stch m. E. nicht so große-figgu Ziestes Schwierigkeiten entgegen; freilich stehe .ich damit scheine ich mit dem Verfasser des bez. Artikels in ^Widerspruch zu stehen auf dem Standpunkte, daß

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