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Der Israelit · 1904-12-19 · Heft 100 (19.12.1904) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 100 (19.12.1904)
Date
1904-12-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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in allen Schichten der Bevölkerung allgemeiner Achtung und Beliebtheit. Durch sein zuvorkommendes Wesen, seine Gewissenhaftigkeit erwarb er sich gar bald das Vertrauen seiner Mitbürger ohne Unterschied der Konfession und nur ungern sieht man ihn von hier scheiden. Schwer, vermisst ihn auch die jüdische Geineinde, nachdem derselbe seit ca. zwei Jahren ihr erster Vorstand war und sich auch als solcher Verdienste erworben; durch sein -bescheidenes, religiöses Wesen und seinen Rechtlichkeitssinn verstand er den Frieden in der Gemeinde zu erhalten. Möge Herr Dr. Sommer und seine ihm ebenbürtige Gemahlin in ihrem neuen Wirkungskreise das finden, was ihre vielen Freunde und Gönner ihnen wünschen! Für einen der religiösen Richtung angehörenden Arzt dürfte sich in Schwabach vielleicht wieder ein Wirkungskreis finden. Feuilleton. tu den Jahren M s.M In MM a.1685 h. 1687 ürr W-AitttchMg Von 2Jlartu$ Braun. 17 „Was da zu thun ist?" erwiderte Rifka in leidenschaftlicher Erregung. „Weiter nichts, als daß Ihr beide wie brave, jüdische Männer Euere Pflicht thut. Wenn Ihr sie aber nicht thun wollt, so werde ich handeln, wie Ihr Händeln müßtet und Ihr werdet dann ewig die Schmach auf Euch sitzen haben, daß Gott durch ein Weib das Verbrechen an den Tag gebracht hat, weil die Männer eben keine Männer waren." „Rur nicht so hitzig, Rikka," fiel beschwichtigend ihr Mann ein. „Alle Chochmo hast Du noch nicht aufgegessen. Ich kenne Deinen Plan und habe.Dir bereits erklärt, daß ich mit nreiner ganzen Kraft gegen den-' selben bin. Aber theile ihn Herrn Hekscher mit. wenn er mit Dir einverstanden ist. so gebe ich meinen Widerspruch auf und bin auch damit einverstanden." „Mein Mann." sagte Rifka zu Hekscher gewandt, . redet hier von Chochmo, aber darum handelt'- sich hier gar nicht. Ihr Männer seid vielleicht zu große Chachomim, geht deshalb über den Poschut (das Nächstliegende. selbstverständliche) hinweg und überlaßt ihn einer einfachen Frau, wie ich es bin. Also, um es kurz zu sagen, ich meine, das einfachste und Nächstliegende wäre. Ihr ginget zur Ezoh (zum Rath) der Hamburg-.r Bürgerei und theilt mit, was Ihr wisset, und das wa» Ihr nicht wißt, aber stark vermuthet. daß der Lump und seine Frau die Mörder von Ahron Mosessohn sind. Das ist nöthig. um diese Menschen zu überwachen, um sofort eine Haussuchung bei ihnen vornehmen zu tonnen und die frischen Spuren der Unthat noch zu finden, bevor sie bei Seite geschafft sind. Seid Ihr nicht auch der Ansicht?- --- Einen Augenblick schwieg der Angerrdete. Dann nahm er gedankenvoll eine Prise und sagte: „Die Sache, liebe' Frau, will wohl nach allen Seiten hin überlegt sein und wir können uns da nicht genug vor jeder Ileberstürzung hüten. Zunächst handelt es sich um den Klall (die Gesammtheit), da wäre es unrecht und anmaßend, wenn zwei einzelne Männer auf eigene Faust die Schritte von so großer Verantwortung unternehmen, ohne den Parnoffim (Gemeinde- Vorsteher) etwas davon zu sagen." ,So geht denn um Himmelswillen sofort zu. den Parnoffim." rief flehend die überlegene Frau, „damit der heutige Tag nach dem Verbrechen nicht ungenützt verstreicht!" - „Einen Augenblick Geduld. Rifka. und hört mich erst zu Ende," bemerkte Hekscher beruhigend, indem er mit aller Umständlichkeit eine zweite Prise nahm. „Wenn wir jetzt zu den Parnoffim gehen und tragen ihnen die Sache vor: angenommen, dieselben sind ganz mit Euerem Plan, vorzugehen, einverstanden, so werde ich mich dem mit aller Kraft widersetzen. Ueberleat Ihr denn, was Ihr da verlangt? Es liegt auch nicht der Schatten eines Verdachtes, es liegt auch nicht der geringste Anhaltspunkt dafür vor. daß Ahron Mosessohn je in diesem Hause war und gar darin ermordet wurde. Ihr, mit Euerer erhitzten Einbildung, reimt Euch Alles zusammen. Die Leute in der Spelunke mögen zehnmal so schlecht sein, als sie in Wirklichkeit sind, sie mögen auch wohl eines solchen Mordes fähig sein, was wollt Ihr von den Leuten? Sie haben Euch nichts Böses gethan und haben mir nichts Böses gethan. Wir vermutben beide, daß sie Schlimmes gegen uns im Schilde führten, kann man daraufhin Jemanden verklagen oder auch nur verdächtigen?" Rifka seufzte tief auf und wollte etwas entgegnen. Aber Hekscher machte eine abwehrende Handbewegung. ..Ich bin noch nicht zu Ende. Wenn ich ganz sichir wüßte, daß die Leute wirklich den Mosessohn umgebracht haben, würde ich's auch für unverantwortlich halten, eine Anzeige deshalb zu erstatten, wenn ich nicht ganz unanfechtbare Beweise für meine Beschuldigung in Händen hätte. Wißt Ihr denn nicht, daß es unter allen Hamburger Bürgern keine angesehenere Familie gibt, als die des Wirthes zur Schiffergesellsck^st. die im Rath und in der Bürgerschaft die einflußreichsten Mitglieder hat? An dem Rischus möchte ich keinen Theil haben, der sich über alle Juden entladen würde, wenn man eine solche Anklage, erhebe, ohne sie völlig beweisen zu können. Ja. wenn wir selbst die Beweise so vollkommen in Händen hätten, daß man die Mörder fassen und aufhängen würde, so weiß Gott allein, was

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