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Der Israelit · 1904-12-19 · Heft 100 (19.12.1904) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 100 (19.12.1904)
Date
1904-12-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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das für Folgen für uns Iehudim in Hamburg haben kann. Das lohnt sich doch, die Sache einmal ruhig zu überlegen, bevor man spornstreichs zur Behörd: spring ' „Seid Ihr jetzt fertig?" fragte Rifka in krankhafter Erregung. „So hört mich nur für wenige Augenblicke an. Hat der Rath nicht selber um Aufklärung über den Mord ersucht und hundert Dukaten und Verschwiegenheit versprochen? Wenn Ihr nun — was ja selbstverständlich ist — den Rathsherrn erklärt. Ihr verzichtet auf das Geld, aber Ihr bittet um so mehr um die versprochene Verschwiegenheit, was wäre dann für uns zu befürchten?" Bei dieser Frage mutzten beide Männer, so ernst auch die Situation war. unwillkürlich lächeln. „Wie magst Du auch nur so reden?'' entgegnete Lipmann seiner Frau. „Gibt's denn bei diesen Leuten einen Siod (Geheimnißr? Unsere Feinde sind doch unsere Richter, unsere» Richter sind unsere Feinde. Du hörst doch, daß die Familie ihre Verzweigungen bis tief hinein in den Rath und die Bürgerschaft hat und aus deren Verschwiegenheit sollten wir rechnen?" Zu Hekscher gewandt fuhr er fort: „Was Ihr meiner Frau da gesagt habt, das alles Hab', ich ihr schon auf dem Weg hierher gesagt. Aber es hilft nichts. Die Frauen sind und bleiben doch, was unsere Chachomim sagen, ein Volk apvart für sich." ° „Wenn Ihr nicht geht." erwiderte sie trotzig, „so gehe ick von hier direkt zu den Parnossim, um dies: wenigstens in Kenntniß zu setzen. Ich könnte die Verantwortung nicht ertragen, durch mein Schweigen bewirkt zu haben, daß eine solche Unthat unvergolten geübt werden konntet - „Liebe Frau," entgegnete in Ruhe, aber mit eiserner Festigkeit ihr Gatte. „Du wirst mich jetzt nach Hause begleiten und keinen Schritt in der Sache thun, ohne' mein Wissen und meine Zustimmung. Was geschehenkann und geschehen mutz, werden wir, Reb Samuel Hekscher und ich in die rechten Wege leiten." Das ist keins..Sache-sibr Frgu^ - '. s': Nachdem sich die beiden Männer verabredet hatten) nach'dem Abendgebet noch einmal zusammen zu kommen« begaben sich Lipmann Osterode und seine. Frau nach' Hause. VIII. Als Abends Hekscher und Osterode wieder zusammen kamen, leitete ersterer die Unterhaltung mit einer Bemerkung über Fvau Rifka . ei»».' ** [ „Vor Euerer Frau)" sagte er, „habe ich Derech Erez (Hochachtung). Ich habe immer gewußt, daß sie eine Esches Chajil (wackeres Weib) ist; aber wie sie heute sich der-Sache so warm und beredt angenommen hat, das hat mich freudig überrascht. Fast meine ich, wir wären ihr zu schroff entgegengetreten." „Seid mauchel, Reb Samuel," entgegnete Osterode, „es sind lauter Deworim betelim (müßiges Gerede), bloßes Frauengeschwätz, für das ich keinen: Schilling gebe. Daß der Sohn des Wirthes zur Schiffergesellschaft ein Roscho ist, haben wir ohne meine Frau gewußt. Daß er mich und Euch in seine > Netze ziehen wollte, war uns nichts Neues. Daß Ahroy. Mosessohn seit gestern vermißt wird, haben wir auch nicht erst durch meine Frau erfahren. Was hat sie eigentlich mechadesch gewesen (neues producirt)? Nichts als Spinnengewebe ohne Halt und Band, ich kann darin nichts besonderes finden." , „Nun da will ich Euch doch etwas sagen, was wir nur Euerer Frau verdanken!" entgegnete Hekscher. . „Und das wäre?" fragte Osterode. „Das wäre? Daß wir beide hier zusammensitzen um gemeinschaftlich nachzudenken, was in der Sachen von uns geschehen könne. Ich glaube, das ist eine mittelbare oder vielleicht auch eine unmittelbare Folge des eifrigen Interesses, das Euere tapfere Frau für den dunklen Fall an den Tag legt." „Ja. das ist vielleicht wahr, aber was wird aus unseren Berathungen viel Ersprießliches erfolgen können?" „Wir werden jedenfalls noch einige einsichtige, gottesfürchtige Männer in's' Vertrauen ziehen," entgcgnete Hekscher, „und mit ihnen die Sache berathen. Wenn aber gottesfürchtige Männer sich mit einander besprechen, sagte der Nowi (Prophet), wenn es auch nur Worte sind, die sie wechseln, wenn sie zur guten That zunächst auch nichts als die bloße Absicht mitbringen und der große Trotz geht kopfschüttelnd an diesen sich berathenden Männern vorüber, ohne Notiz.', von ihnen zu nehmen. Gott achtet auf sie und ist ihren Bestrebungen nahe. Er bucht das, was Gottesfürchtige ' anstreben, selbst wenn ihnen für den Augenblick jeder. Erfolg abgeht. An dieses Prophetenwort-knüpfen, ja die Weisen gerade.die trostvolle Wahrheit:' Wyln man eine gute That wirklich thun möchte, aber, die äußeren : ' Hindernisse sind stärker als der schwache, gute Wille, daß ßoli‘ dann die 'reine Absicht fiir. dieguteThat.. rechnet."' ' ' " ** , „Ihr habt Recht. Reh Samuel, so wollen' wir's < machen." entgegnete Osterode. „Aber damit die theuere Zeit nicht ungenutzt vorüber geht, meine ich).Ivir beide sollten morgen Früh in das Haus gehen und zwar zu-> sammen. Wir schützen irgend ein Geschäft vor; viel- ' leicht können wir irgend-etwas erfahren, öder gav selber etwas wahnrehmen."rvas auf eine Spur führen^ könnte.":- ' , 7 - . ' , .' „Das kann keinesfalls etwas schaden," entgegnete Hekscher. „Ich habe zwar ein heimliches Grauen über die Schwelle dieses verhangnißvollen Hauses auch, nurden Fuß zu setzen. Aber im Begriff für eine so große Mizwo iljaiig zu sein, furchte ich nichts Böses."

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