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Der Israelit · 1904-12-19 · Heft 100 (19.12.1904) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 100 (19.12.1904)
Date
1904-12-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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der Gnade Sie und Ihre Glaubensgenossen vor unverschuldeter Geringschätzung schützen und vor unverdienter Verachtung bewahren möge", und Sie haben die Veranlassung zu diesem Gesuche aus einer öffentlich bekannt gemachten Verordnung des Justizministers über die unpassenden Umschreibungen des Namens Jude, und in welcher zugleich an eine frühere und nicht gehörig beachtete Verordnung wegen jüdischer Vornamen erinnert wurde, welche meine Ordre vom 19. Jüni zu Grunde lag, entnommen. In dieser Ordre habe ich den Ministerien und Behörden anbefohlen, in ihren Berichten sich' wenn von Juden die Rede sei, der modernen vielfältigen Umschreibungen dieser Bezeichnung zu enthalten, und wenn hieraus Geringschätzung und Verächtlichkeit in Hinsicht auf Juden gefolgert werden sollte, so kann dabei nur böser Wille oder Jrrthum zu Grunde liegen, indem ich nichts anderes beabsichtigt habe, als diejenige Bezeichnung, welche in allen Gesetzen und auch in dem letzteren über die bürgerlichen Verhältnisse der Juden vom 11. März 1812 ausgenommen worden ist, für die alleinrichtige zu halten,, mithin auch für diejenige, deren sich die Ministerien und Behörden zu bedienen haben. Sie werden hieraus meine Absicht, den gesetzlich bestehenden Zustanh der Juden aufrecht zu erhalten, und hieraus also auch entnehmen. daß es gar keines erneuerten Wortes der Gnade und Beruhigung bedarf. Eine vorurtheilsfrei unternommene Vergleichung der jetzigen und der früheren Zeiten in Bezug auf die Verhältnisse der Juden im Preußischen Staate kann wohl nur zum Vortheil der ersteren ausschlagen, und treue Erfüllung der Unterthanen- und Bürgerpflichten wird, zu welcher-Religion sich auch die Einzelnen bekennen, von mir nach wie vor stets anerkannt werden. Ick verstatte Ihnen, von dieser Ordre jeden beliebigen Gebrauch zu machen." Berlin. 15. Oktober 1836. Friedrich Wilhelm. Mehr Schuh fLr uusere auswanverden Brüder'. Aus Ostpreußen. Die durch den Krieg gesteigerte Nothlage unserer unglücklichen, russischen Glaubensgenossen veranlaßt bekanntlich seit längerer Zeit ein massenhaftes Auswandern derselben, und spielten sich an den'Grenzorten vielfach Szenen ab. die wohl dazu angethan waren. Mitleid und Erbarmen zu erregen. In Tilsit hat nun eine Anzahl opferwilliger, edler Menschenfreunde eine Veranstaltung-getroffen, um den durchziehenden Unglücklichen eine Unterkunft zu schaffen, wo sie Rath und Hülfe finden und -davor bewahr! werden, in die Hände räuberischer Agenten zu fallen, die ihre geringen Baarmittel durch unberech- - tigte Anforderungen schmälern. Sonntag, den 11. Dr- , zcmber, wurde die Einweihung der bereits in Benutzung genommenen Herberge <dle in der kurzen Zeit bereits 125 Gäste hatte) gefeiert, und es waren verschiedene Mitglieder des Schutzkomitees aus de» benachbarten Städten geladen, um sich von der Nützlichkeit der getroffenen Anordnungen zu überfiihren, um event. auch anderswo ähnliche Vorkehrungen in's Leben zu rufen. Die zweite Etage einer größeren Hauses ist gemiethet und zur Herberge eingerichtet worden, dir außer einem Bureau, in welchem die Herren des Vorstandes die Reisenden empfangen, ihre Angaben buchen und ihre Verhältnisse prüft«, drei große Schlafräume enthält, welche etwa 35 Betten und noch eine größere Anzahl von Bettpucken enthalten. Die Betten sind je zwei und zwei übereinander gestellt und sauber ausgestaltet, ein großer Theil der ganzen Einrichtung ist großmüthigen Spenden zu verdanken. Hinter dem Hauptschlafraum, in welchem auch ein langer Speisetisch Platz hat, befindet sich Wohnung und Küche des Herbergvaters, welcher mit seiner Familie dir vollständige Versorgung des Etablissements übernommen hat, und zwar war Sonntag zur Einweihung ein Freiessen gewährt worden, welches uns. Gelegenheit bot, der guten und sauberen rituellen Bespeisung von - etwa 42 Personen zuzusehen. Vorher cröffnete der Vorsitzende des Tilsiter, Schutzkomitee, Herr Justizrath Cohn, die Feier mit kurzen begrüßenden Worten, denen sich eine längere Rede des Herrn Rabbiners Dr. Ehrlich und ein Dank des Herrn Rabbiner Dr. Vogelstein -Königsberg anschloß. Später fand ein Diner der Tilsiter Mitglieder des Komitees und der geladenen Gäste statt, bei welchem Herr Rabbiner Dr. Beermann - Insterburg das hier begonnene Werk der Menschenliebe pries, und es wurde noch verschiedentlich betont, daß es sich ohne jeden persönlichen Ehrgeiz nur darum handebe, die armen, verfolgten Glaubensbrüder zu schützen und ihnen eine gastliche Aufnahme, sowie treue Berathung zu schaffen. . - - ' Synagogen-Feler IrrHrllenthak. Hellenthal, 13. Dez. In der Gemeinde Hellenthal-Blumenthal wurde vor Jahresfrist von 25 Familien eine prächtige Synagoge erbaut. Seit dieftr Zeit hob und besserte sich das religiöse Interesse hiesiger Gemeinde, so daß wir fpo nzv sogar eine Seferftier begehen konnten. Die Familie Abr. Kaufmann Wittwe schenkte für die hiesige Synagoge ein neues prächtiges Seftr (von der Firma Hofmann-Franksurt a. M.).. Hierfür arrangirte der Gemeindevorstand (Herrn. Rothschild, E. Kaufmann, C. Katz und Rosenbaum) eine große« Synagogenfeier. - . .jj Mit den alten Seforim wurde die neue durch «inen Fesszug der ganzen Gemeinde mit Musik zur Synagoge gebracht. Hierselbst sang der Chor: Boruch

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