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Der Israelit · 1904-12-15 · Heft 99 (15.12.1904) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 99 (15.12.1904)
Date
1904-12-15
Page
– (sequence 19)
Language
German
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2LL7 Wie das Spendenverzeichniß ergibt, hat sich auch in diesem Jahre der edle Mohlthätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen und deren hochgeneigtes Interesse für unsere Anstalt in herrlichster Weise gezeigt. Es sei daher allen verehrten Spendern und Spenderinnen inniger, herzlicher Dank ausgesprochen. Mit diesem Dante müssen wir jedoch die gleich innige und herzliche Bitte verbinden: Dieses der Anstalt entgegengebrachte Wohlwollen nicht nur auch für die Zukunft zu erhalten, sondern solches noch zu erhöhen und der Anstalt neue Freunde und Gönner zuzusühren. Folgende Momente berechtigen und ermuthigen uns zu dieser Bitte: Wir haben durch Renovirung des Anftaltsgebäudes, ne"e Einrichtungen etc. erhebliche Ausgaben, die sich auf ca. 10,000 Mt. belaufen dürften. Wir waren für die bis jetzt schon beglichenen Rechnungen in die nothwendige Lage versetzt worden, dem Stammkapitale der Anstalt zirka 4000 Mk. zu entnehmen. Die noch zu begleichenden Rechnungen erfordern die Summe von ca. 6000 Mark. .Hierzu kommen nicht nur die laufenden Ausgaben, sondern auch die Begründung bezw. Vergrößerung der Wittwen- und Pensionskasse. Die für diesen Zweck eingeangenen Spenden haben die gehabten Ausgaben lange nicht gedeckt. Endlich möchten wir gerne der vollberechtigten Anforderung willfahren, die Gehalte unserer Lehrer zu erhöhen. Auch muß bemerkt werden, daß wir bei Aufnahme einer größeren Anzahl von Schülern, als die gegenwärtige ist, veranlaßt tvären, einen Anbau zur Vergrößerung der Lokalitäten Herstellen zu lassen, was natürlich wiederum große Mittel beansprucht. Edle Glaubensgenossen! Bedenken Sie doch, welches große Werk Sie durch die Berücksichtigung unserer Bitte fördern. Die idealen Ziele unserer Anstalt waren seit ihrer Gründung und sind es heute noch. Lehrer heranzubilden, die mit vielem Wissen in der Religionslitteratur eine vollkommen entsprechende.Fachbildung vereinigen. Aber dieses Wissen kann und darf nicht genügen, die Anstalt will auch dafür sorgen, daß das Gelernte auch geübt, mit aller Gewissenhaftigkeit bethätigt wird, die Anstalt soll auch auf die Charakterbildung den größten Einfluß üben. Nicht minder wird mit aller Strenge auf ein sittlich gutes Betragen gesehen, werden die bürgerlichen Pflichten ge-' lehrt und eingeschärft, die Beobachtung derselben für den Lehrer als Vorbild für unerläßlich bezeichnet, wird insbesondere die Liebe und Anhänglichkeit zum Regenten und zur Obrigkeit mit allem Nachdrucke durch Wort und That mit allen Mitteln den Schülern zu Gemüthe geführt. Eine Anstalt, die sich solche Ziele vorsteckt, die ihrem Programme seit ihrem vierzigjährigen Bestehen unbeirrt treu geblieben, hat wohl gerechten Anspruch auf Unterstützung und Mitwirkung, um auch fernerhin ihre Thätigkeit und Wirksamkeit zum Wähle der Einzelnen wie der Gesammtheit in ungestörter Weise entfalten zu können. Es ist wohl unsere Anstalt die einzige in Bayern, aber ihre Leistungen erstrecken sich weit über Bavern's Grenzen hinaus, die in derselben ausgebildeten Lehrer wirken in den größten Städten Deutschlands segensreich. Deßhalb. bitten wir die ehrwürdigen Herren Rabbiner, die verehrten Herren Kultusvorstände und Lehrer, uns in unseren Bestrebungen kräftig zu unterstützen; es leitet uns hierbei einzig und allein das heil. Interesse für eine geeignete heil- und segenbringende Jugendbildung: die Schule ist unsere Hoffnung für die Zukunft und die Lehrer sind. die Förderer und Pfleger dieser Bestrebungen; in ihre Hand ist das Gedeihen und die geistige Entwicklung ganzer Generationen gelegt, und der Ausbildung von Lehrern, die sich dieser ihrer erhabenen Aufgabe bewußt und wahrhaft gerecht zu werden bestrebt sind, ist das Ziel unserer Anstalt. Möge daher jeder in seinem Kreise kräftig Mitwirken zur vollkommenen Erreichung dieses Zieles,- niögen insbesondere die in dieser Anstalt ausgebildeten' Hunderte von Lehrern es nebstdem als eine Ehrenpflicht erachten, sich gegen ihre Bildungsstätte in reiner, edler Absicht dankbar zu zeigen. Alle, die diese Anstalt fördern und unterhalten helfen, können sich des Bewußtseins erfreuen, ein Werk zu unterstützen, das Gott zur Ehre, dem Judenthum zum Heile und der Menschheit zum Wähle gereicht. Verschiedenes aus Pose«. Posen. Zu einer imposanten Kundgebung für den „Hilfsverein der Deutschen Juden" gestaltete sich eine öffentliche Versammlung der hiesigen Gemeinde- Mitglieder, welche eine Anzahl Notablen unserer Gemeinde zum 1. Dezember ich dem großen Apollo-Sjal einberufen hatte. Die Herren James Simon und. Dr. Paul Nathan aus Berlin erstatteten ein ausführliches Referat über «Ziele und Zwecke des Hilfsvereins der Deutschen Juden." Die Versammlung, welche von weit mehr als tausend Personen besucht war, erklärte ihr Einverständniß mit den Ausführungen der Vortragenden, und erklärte sich bereit, die gemeinnützigen Bestrebungen des Hilfsvereins thatkräftig. zu unterstützen. Dies kam in der Versammlung durch zahlreiche Beitrittserklärungen und Zeichnungen deutlich zum Ausdruck. Es wurde die Bildung.eines Provinzial-Komitees mit dem Rechte der Cooptation beschlossen. In dieses Komitee sind vorläufig die Herren Geheimer Kommerzienrath Herz! Schleuer, Israel Friedländer, Direktor N. Hamburger und Rechtsanwalt Placrek gewählt, welche sich auch um das Zustandekommen der Versammlung hervorragend verdient gemacht haben.

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