Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-12-15 · Heft 99 (15.12.1904) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 99 (15.12.1904)
Date
1904-12-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450076--62012-2524751
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

2144 U fU ftefiaM, heu Herrn Majanz wegen Beleidigung vor Gericht zu verklagen. Schlimme Erfahrungen machte der Zeuge auch mit dem Chef der Homeler Gendarmen, Herrn Kolokolow. Er bat ihn um Schuh für die Juden, bekam aber eine ganz eigenthumliche Erklärung zu Horen: »Das ist für euere Demokraten; die vaterlandsliebenden und wohlgesinnten Christen rächen und wehren sich gegen diese." Gelitten haben aber nur völlig rinschuldige Juden. — Von „Demokraten", deren Treiben angeblich den Krawall hervorgerufen und gerechtfertigt haben soll, har auch der Polizeimeister Rajewski am Vorabend der Unruhen gesprochen. Am 11. September 1903 kam Herr Majanz zum Polizeimeister und machte ihn auf verschiedene bedrohliche Symptome aufmerksam; der aber erklärte: „Ja, es sind unter den hiesigen Juden soviel Demokraten, möglich daß etwas passirt; man will sich an eueren Demokraten rächen!" In der Anklageschrift ist bekanntlich nur von einem Rassen- und Konfessionshasse die Rede, während die für die Juden belastenden Zeugen und einige angeklagte Christen von Rache gegen die Demokraten sprechen; als ob die Demokratie Haß und nicht Brüderlichkeit befürwortet! Sprechsaal. Eine Deutung ver Träume Josephs. Joseph träumte zuerst, daß die Garben seines Vaters und seiner Brüder sich vor der seinigen bückten. Vielleicht wollte er damit sagen, daß die Garben es dereinst sein werden, die ihn groß machen. Vor seinen Garben, die er aufgespeichert hielt, mußten sich nicht nur seine Familie, sondern die ganze damals bekannte Welt gewissermaßen verneigen, man mußte sich ihm ..geneigt" machen, wenn man von seinen Garben haben wollte. Aber die Seinen begriffen die Deutung des Traumes nicht und ein weiterer Traum sollte ihnen die Sache klarer machen. Selbst die Sonne mit einigen Planeten verneigte sich vor Joseph. Was will uns dies sagen? Wir sind heute zu der Erkenntniß gelangt, daß die Sonne der alleinige Urquell aller Wärme, aller Bewegung, alles Lebens an unserer Erdoberflachr ist. Wenn die Sonne und die von ihr abhängigen Gestirne Joseph zu Willen sind, so konnte sie ihre Strahlen sieben Jahre lang mit so großer Jntenfivität dem Pharaonenlande geben, daß sich in den Garben soviel Energie aufspeichern konnte, daß für die folgenden sieben Jahre der Hungersnoth. in denen die Sonne ihre Strahlen in nur schwachem Glanze auf Aegypten herniederscheinen ließ, noch überreichlich Borräthe fanden. Seht Ihr. sagte Joseph, daß die Garben sich vor mir verneigen, das ist nur die Folge davon, daß die Sonne mir zu Willen sein wird. Ihr braucht mich also nicht ln Verdacht zu haben, daß ich glaube, ich wäre klüger und besser wie Ihr. es ist einzig und allein die göttliche Fügung, die das Tagesgestirn und in Folge dessen die. Garben mir geneigt machen. Bleicherode. im Tebet. Felix Meyersohn. Keutlleta». GtlMk) in de« Jahre» M > Mil In jftifCri i. INS 1.1117 In |n-3tiln$ui| von Markus Braun.!6 „Was mir unheimlich vorkam, war, daß das Haus, welches mir der Fremde als Gasthaus bezeichnet hatte, vollständig leer war. Nicht nur leer an Menschen. sondern auch an Möbeln. Wir gingen durch mehrere leere Stuben hindurch und kamen nun in ein Zimmer, in dem ein großer Schrank, ein Tisch und zwei Stühle sich befanden. Mein Führer hieß mich auf dem einen Stuhl Platz nehmen, der vor der Thür stand, so daß ich dieselbe im Rücken hatte, was mir bei der ganzen Unheimlichkeit des Orts auch nicht geheuer war. Während mein Mann nun aus. dem Schranke eine Menge Schachteln mit Gold- und Silberwaaren holte und auf den Tisch stellte, ging ein Fremder, in einen Mantel gehüllt, durch das Zimmer, wie Jemand, der im Begriffe ist. das Haus zu verlassen. Er ging und kam einige Male wieder, mich immer scharf fixirend. ohne ein Wort zu sprechen. Dieser Mensch kam mir ganz besonders unheimlich vor. — Das erste und einzige Stück, das mir zum Verkaufe vorgelegt wurde, war eine goldene Kette. „Was.verlangt Ihr für das Loth?" frage ich. „Sechzehn Mark." war die Antwort.. Das war ein Svott preis; ich^hätte gern siebzehn dafür gegeben, sie wäre auch dann Noch billig gewesen, aber um dies den Verkäufer nicht merken zu lassen, bot ich nur fünfzehn Mark. Ich wollte nun die Kette in die Hand nehmen, um sie genauer zu besichtigen. Da ich aber die.ganze- Zeit die eine Hand unter meinem Ueberrocke hatte, um den gekauften Futterstoff festzuhalten. so nahm ich jetzt den Futterstoff hervor, legte ihn auf den Tisch und batte so beide Hände frei. Das. Rabbaußei (meine Herrenl hat mir mit Gottes Hilfe das Leben gerettet. Der Elende, der mich auf der Straße sah. glaubte, ich trage Geld unter meinem Rocke, wie es die Art und Weise der Wechsler ist. ihr Geld so zu tragen. Aeßhalb

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.