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Der Israelit · 1904-12-15 · Heft 99 (15.12.1904) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 99 (15.12.1904)
Date
1904-12-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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lockte er mich in fein Haus, um mich zu ermorden und mir so mein Geld abzunehmen. Das sah ich dem Zweiten im Mantel an, der immer noch ein- und aus . ging und ganz merkwürdig drein schaute, als er das vermuthete Geld in Nockfutter verwandelt sah. Auch derjenige, der miöh in's Haus geschleppt hatte, konnte seine Enttäuschung kaum unterdrücken, besonders, als er meine Kleidung unter dem nun aufgeknöpften Rocke sah; denn dieser merkte man es an, daß ihr Besitzer kein Geldmann ist. In ihrem Mißmuthe, den beide kaum unterdrücken konnten, fragte mein Partner den Fremden: „Der Jud' -will mir fünfzehn Mark für das Loth Gold dieser Kette geben, kann ich sie dafür lassen? Ich habe sechszehn verlangt." „Wenn Ihr mir das nöthige Vertrauen schenkt," antwortete der Fremde, „so zahle ich Euch sechszehn und eine halbe Mark." Mit diesen Worten'verließ der Fremde das Haus, der andere packte feine Sachen wieder zusammen und sagte: „Mit dem Geschäfte ist's nichts." „Hat der Herr vielleicht Silber zu verschachern?" fragte ich.. „Gewiß," lautete die Antwort, „aber wer mir mein Gold abkauft, bekommt auch mein Silber." Bei diesen Worten trat die Wirthin in's Zimme", während mein Führer das Haus verließ. Ich nahm meinen Futterstoff wieder unter den Rock und da ich sah, daß viel Gold und Silber hier im Hause war. fragte ich die Wirthin, ob sie nicht vielleicht etwas zu verkaufen habe." „Wir verkaufen nur alles auf einmal und dazu gehört viel Geld. An Leute, die wir nicht kennen, geben wir nur gegen baar. Wenn Ihr also bei uns etwas kaufen wollt, so müßt Ihr viel Geld mitbringen. Dann läßt sich schon manches gute Geschäft bei uns machen, denn hier im Hause verkehren viel hohe Herren." „Jetzt hatte ich genug; ich verließ das Haus und in Entfernung von einigen Straßen traf ich meinen Führer wieder und zwar, um in der Richtung nach seinem Hause zurückzukehren. Ich fragte ihn. ob er mir nicht wenigstens die eine Kette überlassen wollte, ich würde ihm gerne ein höheres Angebot machen." „Die Kette ist ein Geschenk für meine Frau; ich habe sie ihr versprochen und kann sie deßhalb gar nicht verkaufen." So trennten wir uns. — Das ist also gestern mir paffirt. — Wer sagt uns, daß Ahron Mosessohn nicht einem ähnlichen Plan zum Opfer gefallen ist?" Hekscher's Zuhörerschaft war von diesen Mittheilungen enttäuscht. So wichtig auch das geschilderte Vorkommniß für die Betreffenden selbst sein mochte, so interessant es auch sonst für jeden anderen war. in diesem Augenblicke, wo das Interesse aller von dem Verschwinden Mosessohn's in Anspruch genommen war. durfte nur dasjenige auf Theiluahme rechnen^ was mit dem Ereigniß in irgend welcher Beziehung stand. Dieser Zusammenhang war hier aber nur in der Dermuthung Hekscher's vorhanden. Sie ließen also den Erzähler stehen und gingen ihrer Wege, bis auf Lipmau Oslerrode. Dieser sagte ° zu Herscher, als sie beide allein waren, eS fei ganz gut, daß sich die anderen verlaufen hätten. Er sei in der Lage, den Verdacht gegen dieses gefährliche Haus und seine Einwohner noch zu begründen; er möge nur einmal mit in seine Wohnung kommen. Hekscher erwiderte; er sei gern dazu bereit, aber er habe sich jetzt schon eine Stunde über die gewöhnliche Zeit verplaudert. Die Frauen seien jetzt — und nicht mit Unrecht — ängstlicher als sonst, wenn man nicht zur rechten Zeit zu Haus ist; er werde aber sofort nach Tisch kommen. VII. Reb Samuel Hekscher hatte noch kaum sein fru- ' gales Mittagsmahl erledigt und war eben im Begriff das Tischgebet zu sprechen, als Lipmann Osterode mit ' seiner Frau Rifka eintrat. Lipmann Osterode hatte sich nämlich erinnert, daß ihm seine Frau vor einigen Wochen von einer ganz ähnlichen Geschichte erzählt hatte. Sie war ihm aber nicht mehr in allen Einzelheiten genau erinnerlich, deshalb wollte er zuerst sich noch einmal bei seiner Frau befragen. Daher hatte er Helscher zu einem Besuch eingeladen und jede Aeußerung bis dahin' verschoben. Als aber Lipmann Osterode seiner wackeren Frau die Mittheilungen Hekschers erzählt hatte, duldete eS sie nicht länger in ihrem Hause. Sie eilte mit ihrem Manne in fliegender Eile zu Hekscher und erzählte ihm folgendes: „Vor einigen Wochen ist eine Weibsperson zu mir gekommen und sagte, ein hoher Offizier habe für 600 bis 700 Rthlr. Goldwaaren zu verkaufen. Menu mein .. Mann sie kaufen wolle, so solle er diesen Betrag, mitbringen und in ihr Hops kommen. Sie bezeichnete ihr Haus als dasselbe, in dem auch gestern das Geschäft abgeschlossen werden sollte. Ich sagte ihr, wenn mein Mann nach Hause komme, wolle ich es ihm sagen. Sie übergab mir dann eine goldene Kette, auf die sie einige Thaler leihen wollte; die Kette war vielleicht das Dreifache des Betrages werth, den sie dagegen wünschte. - Ich gab ihr also das Geld und sie ließ die Kette bei mir. Gestern hat sie die Kette zwischen 11 und 12 Uhr ein-- gelöst. — Erinnert Ihr Euch vielleicht noch, wie die Kette ausgesehen hat, die Euch gestern in dem Hause zum Kauf angeboten wurde?" fragte die kluge, energische Frau Herrn Hekscher. „Ob ich mich erinnere?" entgegnete dieser. „Abwalen könnte ich sie. Sie hatte zehn Ringe, von denen \ jeder ein viertel Loth wog. Die Kette wog aber mehr

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