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Der Israelit · 1904-12-15 · Heft 99 (15.12.1904) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 99 (15.12.1904)
Date
1904-12-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Pariser Brief. Paris. 11. Dez. Wie Ihnen bereits die Zeitnngen gemeldet haben, ist der nationalistisch-antisemitisckc Abgeo'dncte Syveton gestorben, und zwar am Vorabend seines Prozesses in Folge seines Angriffs auf den ehemaligen Kriegsminister Ander-. Der Tod Syv:- ton's ist einer Asphvrie durch Stickstoffgas zuzuschreiben. lind wissen Sie. was die gutcn Antisemiten, Drumont an der Spitze, zu behaupten wagen? Da Snveton sich vorgenommen habe, während seines Prozesses das in Frankreich herrschende Juden- und Freimaurerregiment bloszüstellen, so hätten-ihn die Juden und die Freimaurer am Vorabende dieses für sie so verhängnisvollen Prozesses aus Furcht vor den bevor Menden Enthüllungen, einfach beseitigt.- Und ganz gerührt schreiben ste alle:-A l’a.<sassin!‘ Welch' eine schmutzige und lächerliche Bande! Sie. wissen sehr ttzoHk, .st-je tief, gleichgültig Herr Syveton sowohl den Juden ^ls guch.den Freimaurern war. Aber sie wollen doch nickst eine/Gelegenheit, dummes und albernes Zeug zu sckwatzen. Vorbeigehen lassen., ohne sie reichlich anszunuhen. Bekanntlich ist Zola auf ähnlich? Weise wie Svveton gestorben. Hat denn etwa damals jemand behauptet, die Nationalisten und Antisemiten hätten ihn vergiftet?' Aber diese Herren schleudern solche anonymen Verleumdungen und lächerlichen Verdächtigungen. in die Welt hinaus, in der Hoffnung, der Thoren Geschleckt damit zu überzeugen. Für diese Leute.und ihre Kundschaft ist Blech Trumpf! De gnstibus et coloribus non est dispufandum! Herr Jean Reville. Professor an der hiesigen Ecole des.Haute Etudes, ein sehr angesehener und bekannter Neliaionsbistoriker. der sich vorzugsweise mif der Geschichte des Judaismus beschäftigt, hat heute im Mus^e Gnimet. dieser ehrwürdigen und fruchtbaren Stätte archäologischer Forschung, einen hochinteressanten Vortrag über die jüdischen Propheten gehalten. Während christliche Gelebrte stch die allergrößte Mühe geben, das Wesen der Propheten, die eine unendliche Menge von Poeste und Philosophie enthalten, zu begreifen, kennen gewisse 'Juden so.schleckt ihre eiaenen Schätze. Ich muß dabei an einen bekannten jüdischen Referendar denken', der mit einer unverkennbaren Eitelkeit eingestanden hat, nie eine Bibel geöffnet zu haben. Kurz, darauf sagt derselbe Herr im Lause der Konversation: „Ich muß zu meiner Schande einqestehen, Gustav Freytag's „Soll und Haben" nicht zu kennen." Also dieser junge Mann, der fast stolz daraus ist, keine blasse Ahnung von der Bibel zu haben/schamt sich, einen wenn auch recht lesenswerthen Roman nicht zu kennen. Eine ganz verkehrte Anschauungsweise' Es ist wirklich Zeit, daß *5änberS Wrbe! Pi. Der Krawall-Prozetz. . Home!, 4. Dez. Eine eingehende und ergreifende Aussage machte der Homeler Rabbiner Majanz. Während geistliche Personen anderer Kon-' fessionen von der Eidesleistung durch das Gesetz befreit. sind, wurde Herr Majanz.— der übrigens die Moskauer Universität absolvirt hat — vom Vorsitzenden vereidigt.. Die Vernehmung dieses Zeugen dauerte am 2. Dezember ununterbrochen vier Stunden lang. Er konstatirte die Unthätigkeit des Militärs und der Polizei und brandmarkte die eigenthiimlich? Rolle des Polizeileutnants Tschernolußki, der die Bauern .zum Krawall ermuthigtc. Gegen diesen Beamten ist seitens der Juden im Verwaltungswege ivegen einer ganzen Reihe gesetzwidriger Handlungen eine Klage angestrengt worden. Der Gouverneur von Mohilew, Herr v. Klingenberg, dessen treuer Diener Tschernolußki war, hat die Klage nicht berücksichtigt, so daß die Klageführer sich an eine höhere Instanz, das Ministerium des Inner.', wenden mußten. Tschernolußki sollte mit einer Patrouille das Eindringen der Kra-xallmacher in das Innere der Stadt verhindern; er that dies in merkwürdiger Weise, indem er den wüthenden Leuten erklärte, daß im Eentrum die Christen von den aufständigen Juden geschlachtet würden und er müsse ihnen daher in ihrem eigenen Interesse abrathen, hin- ,zugehen, um nickt auch dasselbe Schicksal zu erleiden. Herr Majanz und einige Aer.zte, die dem Polizeileutnant Tschernolußki persönlich bekannt waren, gingen auf ihn zu und baten. etwas. wirksamer die Juden zu beschützen, er schrie ihnen aber nur zu: „Geht auseinander: es ist ein jüdischer Aufstand; ich werde auf euch gleich schießen!" In derselben Zeit sah aber derselbe Polizeibeamte ruhig zu, wie Massen der Excedenten die Juden mißhandelten. In seiner nächsten Nähe wurde ein Jude — Gom.— arg z»gerichtet; röchelnd kroch er zu Tschernolußkis Füßen und flehte ihn um Schutz an, bekam aber von demselben einen Schlag. Ein anderer Jude — Kewisch — wurde vor den Augen des Leutnants ermordet;, letzterer trat an die Leiche, heran, befahl eine Droschke-zu. holen und den Unglücklichen in? Krankenhaus zu brinaen. Als der Zeuge Majanz, der dje Scene vom Balkon sah. ihn darauf aufmerksam machte, daß die Mörder, sich ruhig entfernten, und er — der Polizeileutnant — keine Miene machte, dieselben zu verhaften, schrie.er: „Gehen Sie in Jbre Synagoge; Sie haben mir keine Anweisung zu machen." Der Leutnant, spazierte qm Schauplatze der Ereignisse in Gesellschaft von zwei ckristlicken Damen umher und unterhielt sich mit ihnen. Ferner bekundet Herr Majanz, daß er den Vorgesetzten Tschernolußkis in besten Anwesenheit gesagt habe: „Er (Tschernolußii) wirkte nicht, wie ein Polizeibeamter, sondern wie ein Räuber und ist der eigentliche Mörder des Kewisch." Herr Tschernolußki hat nicht den Muth

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