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Der Israelit · 1904-12-15 · Heft 99 (15.12.1904) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 99 (15.12.1904)
Date
1904-12-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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2140 zehnte zu, dessen erste Halste mit dem 45. Jahre schlicht und dessen zweite mit dem 46. Jahre beginnt. Diese wenigen Voraussetzungen dürften genügen, um die gesteigerte Bedeutsamkeit zu würdigen, welche diesen Wahrheiten innewohnt, wenn sie über den Einzelnen hinausgehend sich uns an einem Organ zur Er-' wagung darbieten, das, wie der „Israelit", sich in den Dienst der jüdischen Gesammtheit stellt. Die ewigen Wahrheiten des orthodoxen Judenthums zum Zweck ihrer Verwirklichung zur Kenntniß und Anerkenntniß zu bringen, war das Hochziel, das sich der ..Israelit" bei seiner Gründung gesteckt hat und ist es bis auf den heutigen Tag geblieben. So einfach und selbstverständlich dieses Ziel auch heute scheint, es hat eine Zeit gegeben, in der viele die Köpfe darüber schüttelten, und die Erstrebung, .ja das bloße Aussprechen eines solchen Ziels für nichts weniger als selbstverständlich hielten. Das war vor fünfundvierzig Jahren als der damals noch jugendliche Begründer des „Israelit" auf den Plan trat, und um dieses „Central-Organ des orthodoxen I u d e n t h u m s" die über das weite Erdenrund zerstreuten Gleichgesinnten sammelte. Das orthodoxe Judenthum! Die große Masse seiner Bekenner wußte nichts von einem orthodoxen Judenthum, sie waren Juden sans phrase, wie es ihre Eltern und Großeltern waren. Das „orthodoxe Judenthum" war ursprünglich eine Erfindung von fahnenflüchtigen Abgefallenen des Judenthums, die in Predigten. Zeitschriften und Litteraturvereinen diesen Namen zum Stichblatt für alles Lichtscheue. Bildungsfeindliche und Muckerhafte gestempelt hatten, um das von. den Vätern überlieferte Judenthum mit einem einzigen Worte discreditiren und unter den alten Trödel werfen, sich selber aber mit einem Glorienschein der Aufklärung. Bildung und des Fortschritts umgeben zu können. Diesen, von den Gegnern verfehmten Namen bat der Begründer des „Israelit" für die Bekenner des historischen, gesetzestreuen Judenthums aufgegriffen und hat ihn nach langen, erbitterten Kämpfen zu Ehren gebracht. Er hat die Scheidung der Treugebliebenen von den Abgefallenen ausgesprochen und sie durch den „Israelit" verwirklicht. Während andere jüdische Zeitungen, die im Laufe der fünfundvierzig Jahre entstanden und vergangen sind, ihre Parteilosigkeit. Farblosigkeit und Allgemeinheit nicht laut genug anpreisen konnten, ist der „Israelit" bislang das einzige jüdische Partei-Organ, das sich auch mit seinem Namen, den es an der Stirn trägt, zu dem orthodoxen Judrnthum bekennt, dessen Interesse es vertritt. Man Hai diese, durch die Verhältnisse uns aufgedrungene Scheidung und Sonderung als Separatismus und Streitsucht verdächtigt, man hat dem „Israelit" und seinem Begründer die niedrigsten, unlautersten Motive unterschoben, man hat kein Mittel unversucht gelassen, um das orthodoxe Judenthum und sein Central-Organ in der öffentlichen Meinung herabzu-» würdigen, aber alle diese Bestrebungen haben das Gegentheil dessen bewirkt, was sie bewirken wollten. Wie die Kraft des Magneten mit der Zahl der Gewichte wächst, die sich an ihn hängen, so hat die sieg? reiche Ueberwindung aller dieser Hindernisse und Schwierigkeiten nur dazu beigetragen, den „Israelit" immer bekannter und verbreiteter zu machen. Es ist dies in erster Reihe dem sichtlichen Beistand Gottes zu danken, dessen sich das zu seiner Ehre unternommene Werk von seiner Gründung an bis zum heutigen Tag zu erfreuen hat.» Aber in zweiter Reih:, war cs die geniale Kraft, die sittliche Lauterkeik und der unerschrockene Mannesmuth, mit dem der Herausgeber des „Israelit" seine ganze Persönlichkeit für das heilige Unternehmen in die Wägschale warf. Er hatte noch lange nicht die '0' erreicht, als er den „Israelit" begründete und hatte die."V D' nur um rvenige Jahre überschritten, als ihm die Feder entsank, die -tzr so ruhmvoll für unsere heiligsten Anliegen geführt hatte. Lange vor dem Alter der reifen Geisteskraft spiegelte jedes gesprochene und geschriebene Wort di: tiefe Einsicht seines gottbegnadeten Geistes wieder, sowie die von allseitiger Bildung und reicher Lebenserfahrung getragene zutreffende Beurtheilung aller Verhältnisse. Er führte, wie einst unsere Vorfahren beim Tempelbau. gleichzeitig die Baukelle und die alle Feinde abweisende Waffe mit gleicher Meisterschaft. Dieselbe Feder, welche mit ätzender Schärfe und flammender Entrüstung die Geisteskämpfe gegen die Verächter des überlieferten Judenthums kämpfte, verherrlichte in gemüthvoller Schilderung das jüdische, gottgetrogene Familien- und Gemeindeleben in Vergangenheit und Gegenwart. Dieselbe Hand, welche keine Rücksicht und Nachsicht gegen Abfall und Treubruch kannte, sammelte Hundtrtiausende zur Linderung des Elends unglücklicher Brüder und Schtvestern in allen Theilen der Erde. Als diese seltene, eigengeartete Kraft ihrer irdischen Wirksamkeit entrissen wurde, zitterten wir mit allen zahlreichen Freunden des „Israelit" für diese seine große Lebensthat. Und. wenn wir auch heute noch fort und fort den leider so früh von uns Gegangenen schmerzlich vermissen, so müssen wir es doch in dieser Stunde freudig bekennen, daß die große Zahl der Mit arbeiter mit Erfolg bestrebt war. den schweren Verlust zu ersetzen. Der Leserkreis des „Israelit" hat sich sogar seit'dem Tode seines Begründers mehr als verdoppelt. Wir brauchen heute nur den lichten Spuren zu folgen, die sein großer Geist, uns vorgezeichnet hat. Jedes Jahr, das uns mehr von dem Heimgegangenen trennt, fugt einen Ring mehr in die Reihe der Jahre, die zur rechten Einsicht und zum wahren Lebensplan für die Zukunft führen. Wenn uns auch die n» und

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