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Der Israelit · 1904-11-17 · Heft 91 (17.11.1904) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 91 (17.11.1904)
Date
1904-11-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1937j in Privatwohnungen sachgemäß zu verpflegen, und es waren da modern eingerichtete Krankenhäuser die größten Wohlthäter der Menschheit. Entgegen der früheren Gepflogenheit, daß man an die Hospitäler die Inschrift setzen konnte: Lasciate ogni speranca voi ch’entrate (Beim Eintritt hier laßt alle Hoffnung fahren!) dürfe der Vorstand ruhig an das Portal dieses wohleingerichteten Hauses die Worte schreiben: „Quisisana“ (Hier wird man gesund!). Nunmehr ergriff Herr Provinzialdirektor Geheimrath Freiherr von Gagern das Wort: Auch die Regierung sei mit großem Vergnügen hierhergekommen, um der Einweihung des schönen -Hauses beizuwohnen und sie drücke den Errichtern desselben und allen, die zur Verwirklichung des edlen Planes beigetragen, ihren herzlichen Dank aus. Das fertige Haus sei ein Beweis dafür, daß die Israeliten unserer Stadt stets an erster.Stelle zu finden seien, wo es gelte WohlthLtigkeit in großem Stile zu üben und daß sie nicht engherzig sich absperren, sondern in edler Weitherzigkeit die Thore ihres Krankenhauses Jedem ohne Unterschied des Glaubens öffnen, der hilfeheischend bei ihnen anklopfe. Er empfehle das Werk der Nachahmung. Herr Oberbürgermeister Dr. G a ß n e r rühmte die Opfcrwilligkeit der Stifter und Spender und drückte allen, die sich an dem Liebeswerk betheiligt haben, seine Hochachtung aus. Die Institution möge unter einem glücklichen Stern ihre Tätigkeit beginnen, damit sie denjenigen, die aus einem kampf- und qualvollen Leben hinausflüchten, Hort und Zuflucht sei. Die Stadt Mainz wünsche dem Unternehmen aus tiefstem Herzen Glück. Der erste Vorsteher der israelitischen Gemeinde Mainz. Herr Justizrath Tr. Ferd. Phil. Mayer, gratuliert auf's herzlichste und wünscht immer weiteres Gedeihen und Blühen. Es sei bekannt, daß überall, selbst wo kleine, jüdische Gemeinden bestehen, neben der Pflege des Gottesdienstes und der Lehrtätigkeit, auch in weitestem Maße Wohlthätigkeit geübt und Bedrückten und Sorgenvollen geholfen werde. Neben jedem jüdischen Gotteshause sei auch eine Einrichtung zur Krankenpflege. Er begrüße heute die umfassende Institution, die nicht von der Gemeinde, sondern von einem privaten Kreise geschaffen sei. Er knüpfe an die Worte des Herrn Geheinrratb von Gagern an, daß der neue soziale Gedanke der sei, daß es Aufgabe der Gesell- .schaft ist, neben dem Staate aus eigener Kraft Kranke und Schwache zu stützen und aufzurichten. Herr Bauunternehmer H a u s w a l d dankt für die anerkennenden Worte,.die ihm hier gesagt wurden. Besonderen Dank gebühre der Baukommission, die sich nicht nur die finanzielle Seite, sondern auch jede Einzelheit eifrig habe angelegen sein lassen. Auch Herr Architekt W i r i h dankt für das ihm gespendete Lob. Nachdem die Erschienenen die Anstatt eingehend besichtigt und ihrer hohen Befriedigung Ausdruck verliehen, schloß die würdige Feier. Wenn wir in diesem feierlichen Momente Allen denjenigen, die sich um das neue Spital verdient gemacht, Anerkennung zollen, so darf aber auch ein Mann nicht unerwähnt bleiben, dem es leider nicht mehr der-- gönnt war, die Erstellung der Häuser mit eigenen Augen zu sehen. Es ist dies Herr L. M. L i p p m a n n. s. A., der die letzten Jahre seines fast nur Mizwoth gewidmeten Lebens damit verbracht hat, für das Spital rastlos zu arbeiten, und der noch zwei Stunden, vor. feinem Tode dem Achitekten Aufträge ertheilte. und der. auch dem seligen Herrn Levinger die erste Anregung, zu seinem guten Merle gegeben. Bram auso hoisch letauw. Heute Abend findet der Chinuch ha-bajis in altjüdischer Weise durch Thoralernen Und eine Szudas Mizwah statt. . . Willy Bambu--'N. ' Berlin. 14. Nov. Wie unsere geehrten Leser' bereits aus der vorigen Nummer unseres Blattes ersehen haben werden, hat der in der Ueberschrift Genannte in der Vollkraft seiner Jahre sein arbeitsünd^ verdienstreiches Leben beschlossen. Alle diejenigen, die dem Verstorbenen nahestanden, wissen, daß er sein ganzes Leben in den Dienst des Judenthum§ und insbesondere in den Dienst der Kolonisation und Abwanderung unserer Glaubensgenossen aus dem Osten gestellt hat. Der Heimgegangene entstammte einem' Hause, das dem Judenthum vollständig entfremdet' war. Erst in den Kreisen der Adaß Jisroel-Gemeinde wurde er für das wahre Judenthum gewonnen. Man kann wobl sagen, daß Bambus einer der Vorläufer des Zionismus gewesen ist. Mit Wort- und Schrift, kämptte er für Besiedelung des heiligen Landes, grün-, bete Vereide zur Förderung dieses hohen Zweckes,' stellte seine ganze Arbeitskraft in den Dienst dieses hohen Gedankens. Auch den uns aufgezwungenen Kampf mit dem Antisemitismus machte er als einer derjenigen, die in den ersten Reihen fochten, mit, und viele Schriften zur Abwehr dieser „Schmach des Jahrhunderts" entstammten seiner vielgewandten Feder. I Bambus war eine Arbeitskraft allerersten Ranges, der mit der größten Uneigennützigkeit für die gute Sache, lebte und wirkte. Sein Leichenüegängniß gab Zeugnih von der großen Trauer, die sein Heimgang verursachtem Hervorragende Berliner Persönlichkeiten sprachen an. seinem Grabe herzliche Worte. »Tvattn . Zur Auswanderersrage. Memel, 10. Nov. Noch immer ist die Lage der, , Auswanderer sehr bedauernswerth und es gilt, ihnen ' mit Rath und That beizuflehen, da die meisten von I ihnen in sehr hilfloser Lage sich befinden. Die von dem. I »Hilfsverein der deutschen Juden" beabsichtigte Einbe-

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