Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 91 (17.11.1904)
- Date
- 1904-11-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2449986-2450068--61798-2524713- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1936 ballen. Die eisernen Bettstellen mit den geschmeidigen Patentmatrahen sind weiß lackirt, ebenso die Nachttischchen. die mit Glasplatten versetzen sind, um daS leider so beliebte aber verbotene Einschmuageln und Verbergen von Speisen und Getränken zu verhindern. In allen Räumen ist Kalt- und Warmwasserleitung. Gas- und elektrisches Licht und Linoleumbelag. Für die pflegenden Schwestern und das Dienstpersonal sind nett ausgestattete Zimmer vorhanden und auch das Sprechzimmer des leitenden Arztes. Dr. H e ß d ö r - fer. ist mit Geschmack eingerichtet. Es ist mit der Apotbeke direkt verbunden und birgt außerdem die vollkommensten elektrischen Einrichtungen zu Heilzwecken. Besondere Sorgfalt ließ man dem großen Operationssaal angedeihcn. Don zwei Seiten aus wird er durch Oberlicht erbellt. Die Desinfektionsapparate und Spülvorrichtungen sind so eingerichtet, d^-ß der Arzt zu.ihrer Bedienung die Hände nicht braucht. Daß die Badezimmer und die Klosets mit den neuesten hvgienischen Einrichtungen versehen sind, versteht sich von selbst. Rach der Straße zu befinden sich die Wohnräume, während die Krankenzimmer auf den Garten hinausgehen und namentlich von den oberen Stockwerken einen prachtvollen Rundblick über die ganze Stadt bieten. Aufnahme in das Spital sinden Kranke jeder Konfession, und jeder ist berechtigt. seinen eigenen Arzt zu bestimmen, sowohl zur einfachen Bebandlung, wie bei einer etwa nöthig werdenden Operation. Die Verköstigung ist streng rituell. Wie bereit? bemerkt, ist mit dem Spital gleichzeitig ein Piründnerhaus verbunden, das aus einer früheren Villa in überaus praktischer und wohnlicher Weise hergerichtet wurde. Es dient zur Aufnahme von 9 bis 12 Pfründnern lind hat sehr nett eingerichtete Zimmer für Einzelne, wie auch für alte Ehepaare. Alle Möbel sind sehr geschmackvoll und in modernen Formen gehalten, jedes Zimmer hübsch tapeziert und mit elektrischem Läutewerk versehen, und auch hier sind Bettstelle und Nachttisch weiß gestrichen. Die Verköstigung geschieht vom Spital ans. Ein Schuppen, der in den Gartenanlagen sehr versteckt liegt, birgt den Desinfektionsraum, die Waschküche und die Todtenlammer. Etwaige Beerdigungen geschehen von der hinten angrenzenden Wallstraste aus und können weder von den Einwohnern des Spitals und des Pfründnerhauses, noch von der Gonsenbeimerskraße aus bemerkt werden. Die Kosten für die ganze Anlage mit der Einrichtung betrugen 170,000 Mark. Nach den Plänen des Arckit. Wirth. der mit aufopferungsvoller Thätigkeit und hoher Intelligenz den Bau leitete, wurde die Ausführung von dem Bauunternehmer Hauswald tzewerkstelligt. An der inneren Ausstattung betheiligten sich die hiesigen Möbelfirmen Jourdan. Fischer ' Nachs. Ünb G r ü n f e l d. Die Gasbeleuchtung wurde von Üer Firma Zulauf u. Ko., die elektrische Leitung' von' der ElektrizitLtsgesellschast Henry Hirsch auSgeführt. die Anstreicher- und Malerartzeilen erfolgten durch den Tünckermeister Mofes Loeb A s n e s. Bor einer kleinen Anzahl von Geladenen wurde die Anstalt heute mit einer äußerst würdigen Feier eröffnet. Als Vertreter der Regierung waren erschienen: Dom Großherzoglichen Ministerium in Darmstadt. Abtheilung für Medizinalwesen. Herr Getz. Regierungsrath Dr. Neidhardt. Herr Medizinalrath Dr. Hauser, beide aus Darmstadt und Herr Kreisarzt Medizinalrath Dr. B a l s e r aus Mainz, ferner Herr Geh.-Rath Provinzialdirektor Freiherr von G a g e r n und die Herren Regierungsräthe Dr. Heinrich und Dr. Merk, sowie Herr Kreisamtmann Dr. Gaßner. Die städtischen Behörden waren vertreten durch Herrn Oberbürgermeister Dr. G a ß n e r und Herrn Bürgermeister Dr. Schmidt. Ferner bemerkten wir die beiden Herren Rabbinen Dr. Bon di und Dr. Salfeld. die Vorstände der verschiedenen israelitischen Motzlthätigkeitsvereine und der Rhenus-Loae. die Vorsitzenden der israelitischen Religionsgemeinde und der Religionsgesellschaft, des kaufmännischen Vereins, sowie die Chefärzte des Rochus- und Vinzenzhospitals, Herrn Medizinalrath Dr. R e i f i n g e r und Herrn Medizinalrath Dr. Vierling, sowie den Chefarzt der chirurg. Abtheilung. Herrn Dr. N e u m a n n, eine größere Anzahl hiesiger Aerzte und Mitglieder der Familie Levinger. Der Vorsitzende des Hofpitalverems, Herr Eduard Simon, er'öffnete die Feier mit einer kernigen Ansprache. Er begrüßte die Geladenen und führte aus. daß schon vor 43 Jahren der Gedanke aufgetaucht sei. ein jüdisches Hospital zu errichten, daß es aber erst der heutigen Generation gelungen sei, denselben zur Ausführung zu bringen. Er betonte, daß hier kein Uni-rschied nach Rang und Stand, zwischen Reick und Arm gelte, keine Gegenüberstellung von religiösen Richtungen. aber auch — trotz der konfessionellen Bestimmung —• keine engherzige konfessionelle Abgrenzung. Er empfahl die Anstalten dem Schutze und Wohlwollen der staatlichen und städtischen Behörden, sowie der ganzen Mainzer Bevölkerung. Der Chefarzt des neuen Hospitals. Herr Dr. Heßdörser. führte aus, wie sehr das Krankenhaus dazu geeignet sei. eine längst fühlbare Lucke auszufüllen. Er dankte der Verwaltung, daß ste ihm das Ehrencr»t übertragen und ihn durch Bewilligung der Mittel in die Lage gesetzt hätte, namentlich den Operationssaal ans das Modernste einrurichten. Er dankte ferner den Herren Medizinalrath Dr. Reistnqer, Kreisarzt Medizin alrattz Dr. Balser und Dr, Neumaun, die ihm mit Rattz und Thai zur Seit« standen. Herr Geh. Regierungsrattz Dr. Neidhardt würdigte die Bedeutung der Hospitäler in heutiger Zeit. Bei dem großen Fortschritt der Wissenschaft, er erinnere an die Antisepiik, sei es kaum möglich. Kranke i i