Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 91 (17.11.1904)
- Date
- 1904-11-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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45. Jahrgang. M 91. Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Dr. Drhurann in Dtttirrz. «am«#*»«* h,„ S. aiSlcto 5665» D»««,rstag, de« 17. N»v»mbe» Iv«4. AkkkffWg Ks iltilm NWK ifMüfa' nirä ÖfAdBOlnfN in Mz. Mainz, 15. Nov. Viele unserer geehrten Leser werden es wohl kaum glauben wollen, die uralte heilige Gemeinde Magenza, die schon im frühesten Mittelalter eine hervorragende Rolle in der Geschickte der deutschen Juden spielte, oder sagen wir lieber, das moderne jüdische Mainz mit seinen, allen möglichen Zwecken dienenden Wohlfahrt»? einrichtungen, die Fonds von Hundcrttauscnden besitzen, dies selbe Mainz hatte bis zum heutigen Tage kein jüdisches Spital. Wohl besitzen wir Krcmkenvcreme in großer Zahl, die hilfreich und edel jedem erkrankten Glaubensgenossen zur Seite stehen, aber sie alle waren nicht im Stande, ein Krankenhaus, wie es bedeutend kleinere Gemeinden wie Mainz ihr eigen nennen, zu ersetzen. Worin lag der Grund dieser merkwürdigen Erscheinung? Zunächst an der hier seit Menschengedenken grassirenden ungeheuren Affimilationswuth. Unter keinen Umständen sollte das Trennende, das was mns von Andersgläubigen unterscheidet, betont werden und so wollte man selber in dem Zustande, in dem sogar nach Heine die Religion anfangt, nämlich wenn die Gesundheit aufhört, kein jüdisches Krankenhaus. Auf «ine Anfrage der Baronin Hirsch, die geneigt war, für ein hiesiges Spital eine größere Summe zu geben, erwiderte ein Hauptassimilant, daß für ein jüdisches Spital hier kein Bediirfniß sei, denn auf Wunsch würde jeder im städtischen Hospital rituell verpflegt werden. Der Herr Assimilant vergaß aber dabei zu bemerken, daß der Chefarzt gar häufig den Einlaß außerhalb zubereiteter Speisen verwehrte und das mit gutem Grunde, denn die Speisen kamen oft kalt und verdorben nach halbstündigem Wege im Spital an. Der Herr Assimilant vergaß ferner zu bemerken, daß das allgemeine Mainzer Svital, entsprechend der Mehrzahl der hiesigen Bevölkerung, einen vorwiegend katholischen Charakter trägt und daß Kranke und Sterbende es in ihren schwersten Stunden oft hart empfanden. Tag und Nacht von den Emblemen einer ihnen fremden Religion umgeben zu sein. . .Das hat sich nun unter dem Beistände-des Allgütigen geändert. Seit heute haben wir ein jüdisches Spitals und. ein jüdisches Pfründnerhaus. Die ersten Anregungen hierzu liegen weit zurück. Bereits vor chreiundzierzig Jahren erließen wackere hiesige Männer in den Lokalblättern einen Aufruf, der zur Gründung eines Spitals aufforderte, aber die Zeitverhältnisse ließen es nicht zu, daß die Spenden ln so ausreichendem Maße flössen, als es für ein solches Werk erforderlich war. Auch ein Versuch zu Beginn der achtziger Jahre ein Spital zu errichten, führte nicht zu dem gewünschten Resultate. Erst als Herr D. E. Levmger f. A. mit einer größeren Kapitalsumme den Grundstock legte, da fanden sich auch andere, die bereitwillig größere Mittel zur Verfügung stellten. Wir nennen nur Professor Leser-Heidelberg, Frau Emil Simon hier. Frau Nordmann-Würzburg, M. F. Adler bier, Frau Hax Schreiber hier. Machen wir zunächst einmal durch die neuen Anstalten einen .kleinen Rundgang. In freier, gesunder Lage erheben sich inmitten ausgedehnter Gartenanlagen. in der „Gonsenheim» Hohl" zwei neue frenndliche Gebäude: .Das neue Svital und das damit verbundene PfründnerhauS. Sämmtliche Räume des Krankenhauses, das gegenwärtig zur Aufnahme von 20 Patienten eingerichtet ift, im Nothfall aber dis zu 40, Kranken Mnthmey kann,, sind weit und luftig, und.in ge-