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Der Israelit · 1904-11-14 · Heft 90 (14.11.1904) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 90 (14.11.1904)
Date
1904-11-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1820 AkaimonideS öffentlich verbrennen. Keiner dieser Gegner hat aber je gegen Maimonides den Vorwurf erhoben, daß er zum Scheine den Islam angenommen habe. Die Verfolger hätten aber sicherlich nicht verfehlt, auf diesen wunden Punkt in dem Charakter Maimunis hinzuweisen, wenn er in seiner Jugend dem Muhamedanismus gehuldigt hätte. Aber mehr als das. Einer der heftigsten Gegner des Maimonides war der gelehrte Arzt Juda Alfacha aus Toledo. Aus allen Arsenalen schafft er Waffen herbei, um die Tendenz des More Nebuchim zu bekämpfen. Und dieser unerbittliche Gegner schreibt in einem Briefe an den französischen Gelehrten David Kimchi folgende charakteristischen Worte: „Aber bei alledem ist es unsere Pflicht, die Ehre des Rabbi Moses s. A. zu schonen und einzugestehen, daß er in seine: Zeit gleich jenem trefflichen Manne (dem Propheten Daniel) wirkte. Er besaß in allen Wissenschaften die umfassendsten Kenntnisse und, was noch mehr zu bedeuten hat, seine moralischen Eigenschaften, seine Tugenden waren groß und Verehrungswerth. Die Lehre Gottes thronte in seinem Innern und sprach sich majestätisch in seinem Wesen aus. Er war ein Musterbild der Menschheit. Man suchte die Thora aus seinem Munde, denn er war ein Gesandter Gottes. Nach ihm stand seinesgleichen nicht mehr auf. So müssen wir ihn zum Guten beurtheilen und seine Bestrebungen nicht verdächtigen." Das Auge des Gegners ist scharf. Unmöglich hätte dieselbe Hand, die zum feindlichen Streich ausholte, diese Worte geschrieben, wenn auch nur der leiseste Schatten auf die Charakterfestigkeit und Glaubenstreue des Maimonides gefallen wäre. 4. Eine förmliche Bekehrung zur muhamedanischen Religion wurde überhaupt nicht verlangt. Nur diejenigen waren vom Tode bedroht, die im Lande blieben und öffentlich dem Glauben der fanatischen Bevölkerung zuwider handelten. Tausende flohen nach dem nördlichen Spanien, das unter christlicher Herrschaft stand. Zu denjenigen, die ihre Heimath verließen. gehörte auch sicherlich Maimonides. Nach einem alten Berichte ließ er sich zunächst in Almeria, der festen und reichen Küssenstadt Andalusiens, nieder. Später wanderte Maimonides, um sich den immer weiter vordringenven Religionsverfolgungen zu entziehen, nach Nordafrika aus und ließ sich in Fes nieder. Wie Berliner, so haben noch viele andere hervorragende Gelehrte die Grundlosigkeit jener hartnäckigen Anklage gegen Maimonides nachgewiesen. Wir nennen nur die Namen: Lebrecht, Derenburg. Rappoport. Jost. Zunz. Halberstamm und Steinschneider. Hinweg also ein für allemal mit der Beschuldigung. die das Andenken unseres großen und gefeierten Lehrers. Moses ben Maimonides, verunglimpft! Rein und lauter wie seine Lehre ist auch sein Charakter. Blank und fleckenlos ist sein Ehrenschild. Nochmal- Graf Pückler. Berlin. 11. Nov. In der Strafsache gegen den Grafen Pückler ist auf Grund der §§ 94.102 Str.- P.-O. und 110,111,130. 74 und 49 Str.-G.-B. eine polizeiliche Durchsuchung der Wohn- und Geschäftsräume des Buchdruckereibesitzers Hermann Mitsching. Bcrnauerstraße. nach Beweismitteln vorgenommen worden. Es wurden dabei die Reden des Grafen Pückler beschlagnahmt, die als Flugblätter gedruckt sind und die Ueberschrift tragen: „Die Luden und die Stadt Berlin". „Die Juden in Spanien" und „Der Ruin des Handwerkerstandes". Durch die neueste Verfügung des Berliner Polizeipräsidiums wurde Pückler nun verboten, fernerhin seine Reden zu halten. AuS Alt-Breslau. Prof. Dr. Ludw. Geiger veröffentlicht in der „Brest. Zeit." alte Aufzeichnungen über das Breslauer Leben vor hundert Jahren, denen wir Folgendes entnehmen: In einer Korrespondenz wurde von einem Testament des Grafen S—f auf S. berichtet, in dem dasjenige Kind auf die Hälfte seines Erbtheils gesetzt wurde. das mit „Spielern, Theaterpersonen. Juden oder christlichen Mäklern, Rabulisten oder Schreibern und mit Mystikern umgeht". Der Korrespondent hatte sich besonders über das Hereinziehcn der Schauspieler in diese Gesellschaft ereifert; der Redakteur der „Zeitung für die elegante Welt" fügte daher eine Anmerkung hinzu, in der es hieß: „Juden, so geradehin genannt, dürften doch wohl auf dieselbe Ausnahme Anspruch zu machen haben. Aber es scheint aus anderen Berichten in Breslau nicht." Man muß diese Bemerkung doch eher als judenfreundlich charakterisiren, denn als feindlich. Ueberhaupt war der Ton der „Eleganten" den Juden günstig, wie aus einem größeren Artikel hervorgeht, in dem die Anklage des Wuchers zurückgewiesen wurde, und an dessen Schluß es hieß: „Auch in Breslau werden unter den Juden Männer angetroffen, welche die Hochachtung jedes Biedermanns verdienten." Trotzdem erregte jene oben gedruckte Bemerkung des Herausgebers Spazier in Breslau großen Unwillen. Um dies zu verstehen, muß man sich daran erinnern, daß gerade damals die Juden sehr empfindlich waren gegen jede publizistische Aeußerung. und daß durch die Schriften des Berliners Grattenauer, der auch in Breslau Gesinnungsgenossen fand, eine hochgradige Erregung hervorgerufen war. Ein Mitglied der Breslauer Judengemeinde veröffentlichte daher im „Freimütigen" einen Brief an Spazier mit der Drohung, ihn vor seiner Behörde zur Rechenschaft zu ziehen, wenn er jene Bemerkung nicht zurücknähme. Spazier selbst, ob nach geschehener Aufforderung oder nicht, bleibe d

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