Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 90 (14.11.1904)
- Date
- 1904-11-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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45. Jahrgang. Meikage zu Jß 90 des Lsraelit." Zm khlk»ltlt>liis )ts M«iiiil»iiKs.') von!4abbiner Dk. MÜNZ, Bereut. Vor siebenhundert Jahren ist einer jener großen Weisen, weiche die Augen der Menschheit erleuchtet haben, von diesem Erdenthal geschieden. Am 42. Te^ zeinbcr 1204 ist Rabbi Moses den Maimon (Maimonides) aus dem Zeitlichen in die Ewigkeit gegangen. Der 12. Dezember 1904 ist darum ein ernster stimmungsvoller Gedenktag in der Geistesgeschichte der Menschheit, zumal aber in der Geistesgeschichte des jüdischen Volkes. Die Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur rrugen sich mit der Absicht, bei dieser Gelegenheit eine Denkschrift über das Leben und Wirken des Maimonides heraus zugeben und haben Herrn Professor Page! mit der Abfassung derfclbcn betraut. Professor Pagel hat nun, ivie er versichert, „hinreichend Veranlassung genommen, die Duellen über Maimonides Wirken zu studiren, um möglichst neues Material für seine Be.- urtheilung herbeizubringen". Aber dennoch ist er bedauerlicher Weife in den alten Jrrthum verfallen und spricht in einem Vortrag, den er jüngst in der Versammlung der deutschen Naturforscher und Aerzte gehalten, von der Möglichkeit, „daß Maimonides zeitweise dem Islam angehört habe". 0. Beilage der „BreSlauer Zeitung" vom 24. September 4904). Wird denn diese lächerliche Legende vom Scheinübertritt des Maimonides garnicht zu zerstören sein! Wie oft wurde schon diese falsche Annahme widerlegt. Zuletzt bat ein berukenec Meister, mein, hochverehrter Lehrer, Professor Dr. Berliner, in dieser Frage das Wvrt ergriffen, und das gelammte Material für die Ehrenrettung.^des Maimonides zur Darstellung gebracht. (Nr. 6 der „Isr. Monatsschrift" vom 44. Juli 4904.) Mit mustergiltiger Gründlichkeit und Klarheit führt Professor Berliner den Nachweis, daß die Behauptung von Maimunis Scheinübertritt jeder historischen Grundlage entbehrt und in das Reich der Legende zu verweisen ist. Die von Berliner angeführten Gründe lassen sich in folgende vier Punkte zusammenfassen: o, fließe, cM.Her,hj§.HerleWidung.flammt,-. Maimonides habe zur Zeit der Gefahr dem Islam sich zugewandt, ist der Bericht des arabischen Schrifsstzjlers..Al-K.isti <.bei .Eastri..in der Bibliotheka -Arabl Hispania l Ä4). Dieser Bericht enthält aber offen¬ *) Tic Herausgeber der jüdischen Blätter - werde» ersucht, dieser Abhandlung eine möglichst wette Verbreitung zu geben. bar viele Entstellungen und Unwahrheiten und ist auch im Punkte dieser Anklage tendenziös gehalten. Wichtiger für uns sind die Worte des arabischen Arztes und Geschichtsschreibers Jbn Abu-Osaibia, der mit dem Sohne Maimunis eng befreundet war. Dieser . berichtet in seiner Geschichte der Aerzte unter anderem über Maimonides: „Man sagt, Musa ben Main.on habe sich zum Islam bekannt, als er in Magreb (Spanien) war." Da bleibt von der Thatsache, von der Al-Kifti zu erzählen weiß, nur ein mattes „Man sagt" zurück, ein Gerücht, das bei näherer Betrachtung des Zusammenhanges jede belastende Kraft verliert. 2. Maimonides schreibt in seinem Gesetzeswerke Iad Hachasatä (Hilchot Jeffode Hathöra 6. 4). „Alles Gesagte (daß man nämlich einzelne Gebote übertreten darf, wenn man bei ihrer Ausübung getödtet werden soll) findet nur Anwendung, so lange keine allgemeine Verfolgung stattfindet. Findet aber eine allgemeine Verfolgung statt und hat, wie zur Zeit des Nebukaduczar, ein grausamer König befohlen, daß Israel seine Religion oder auch nur eines ihrer Gebote verlassen soll, so niuß man als Märtyrer den Tod erdulden und darf keines der Gebote übertreten." Ist es denkbar, daß Maimonides diese Worte niedergeschrieben hätte, wenn er vor seiner Einwanderung in Egypten das Judenthum verleugnet und unter der Maske des Islam gelebt hätte? Rein, Maimonides war ein Mann von unverbrüchlicher Wahrheitsliebe: Theorie und Praxis waren in seiner Person auf das innigste verbunden, sein eigenes Leben war der treueste Ausdruck dessen, wa§ er lehrte und schrieb. ttöbrsßens'l/at l'n'U ein tsüll'stlges Geschick'den Bericht erhalten, in dein Maimonides seine Auswanderung aus Spanien, sowie sein? Reise nach Alexandrien schildert. Diesen Bericht schließt er mit den Worten: w' nizalti min Ha-Sch'mad. „und so entging ich der zum Üebertritt zwingenden Verfolgung." Diese Worte sagen deutlich genug, daß Maimonides nur so lange im Lande der Unduldsamkeit sich äufhielt, als er unbehelligt die Vorschriften des JudenthumS ausüben konnte, daß er aber, als der Glaubensdruck zunahm, den Wanderstab ergriff und einen andern Wohnort aussuchte. 3. Es ist bekannt, wie heftig und nachhaltig der Kampf wüthete, den das Werk „More Re^uchim" des Maimonides innerhalb derJudenheik hergMeMvorcn hatte. In der Erhrtjsrüna 'tyf ,M.rez.tesHyM von den'Gegnern der freien philosophischen' iLdrschrML über 44e' philosophischen Schriften'des MajinonioiZ - der Bann ausgesprochen. Einige überfromme Eiferer setzten sich sogar mit den Dominikanermönchen in Ver- * bmdung und ließen die philosophischen Schriften des