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Der Israelit · 1904-11-14 · Heft 90 (14.11.1904) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 90 (14.11.1904)
Date
1904-11-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1918 müsse aufbrechen und zum Grafen eilen, um ihn vor dem drohenden Ueberfalle zu warnen. Doch mit was hatte er es verdient! Er, der ihn um sein Lebensglück bringen wollte: der ihm seine Tochter geraubt hatte! Nein, er war nicht verpflichtet, ihn zu warnen, sollten die Ereignisse ihren Lauf nehmen. Und wieder glaubte er. eine Stimme zu vernehmen: „Rabbi Schlauine, eile hin, warne ihn, so lange es noch Zeit ist, Du mutzt es. die Leute, bei denen Du Dich aufhältst, sind gemeine Räuber und Mordbrenner, sie verdienen nicht, daß Du ihnen Treue bewahrst"; und schon war er im Begriff, dieser inneren Stimme zu folgen, da fiel sein Blick auf die um das Lager aufgestellte Machen, die sicherlich scharf auf ihn aufpaßten: es war unmöglich, von hier unbemerkt zu entschlüpfen. Er gab den Gedanken, zu entfliehen, endgiltig auf, und, seine Seele Gott befehlend, schlief er endlich ein. — XU. Die zuletzt beschriebenen Ereignisse spielten wenige. Tage vor der Gerichtssitzung gegen Rüben. ' Wir haben Mirjam verlassen, als sie ihren Fuß in das Gefängnitz setzte, um zu ihrem Geliebten zu gelangen. Aechzend drehte sich der alte Schlüssel in dem Schlosse der Thüre. die Rubens Zelle verschloß, die Thür flog zurück und Mirjam befand sich bei dem Geliebten. Doch wie sah dieser aus! Unbeweglich, wie eine Leiche, das Gesicht kreideweiß, die Augenlider halb geschlossen lag Rüben da, auf einem Haufen Stroh. Und in welchem Raume hatte man den Schwerkranken untergebracht; Die Luft in der Zelle war so dumpf, daß Mirjam fürchtete, ohnmächtig zusammenzubrecben. doch sie hielt fick) mit Gewalt aufrecht, sie mutzte stark bleiben, galt es doch jetzt, ihren Geliebten vom sicheren Untergang zu retten. Fortwährend benetzte sie seine Stirn mit kaltem Wasser, und siehe, der Erfolg blieb nicht aus. Rach langem, bangen Warten schlug der Kranke die Augen auf. Er schien sie nicht zu erkennen, ausdruckslos ruhte fein Blick auf ihr. Wieder schloß er die Augen, um in einen tiefen Schlaf zu verfallen. Doch Mirjam harrte geduldig aus. einmal seine heiße L>tirn und seine Lippen mit Wasser beträufelnd, da wieder sein schlechtes Lager unter ihm ordnend. Da ritz er plötzlich die.Augen weit auf, die vorher so ausdruckslos geblickt hatten, strahlten jetzt in wildem unnatürlichen Feuer, wild ballte er die Hände und fing dann wie wahnsinnig an zu schreien: „Um Gottes Willen, laßt mich los. ich bin ja unschuldig, quält mich nicht weiter, ich sterbe." Ein wildes heißeres Lachen endete seine Worte, ein Lachen, das Mirjam durch Mark und Bein ging, und wie man es nur bei Wahnsinnigen hören konnte. Es war kein Zweifel, er sprach im Fieber und wenn keine Hilfe kam, so war er verloren. Da erhob der Kranke wieder seine Stimme, doch sanfter als vorhin: „O. meine Mirjam, meine Geliebte, was mutz ich erdulden wegen Deiner, wo bist Du?" „Hier bin ich ja. Geliebter," entgegnete sie. sich über ihn beugend. Lauschend hob der Kranke das Haupt, er kannte die Stimme. das Bewußtsein schien ihm allmählich wieoerzukehren. doch schien es ihm noch sehr schwer zu fallen. Mirjam zu erkennen. (Fortsetzung folgt.) Wachen-Kalender. Freitag. 18. Nouember. 10. Kisleiv. Sabbat'Anfang in Mainz u. Frankfurt a. M. 4 Uhr 15 Min. Samstag, 19. November. 11. Kisleiv. an. Sabbat-Ausgang in Mainz u. Frankfurt o. M. 5 Uhr 25 Min. — Berlin 4 Uhr 55 Min. — München 5 Uhr 15 Min. — Stuttgart 5 Ubr 19 Min. — Struhburg 5 Uhr 30 Min. — Posen 4 Uhr 43 Min. — Stettin 4 Uhr 48 Min. — BreSlan 4 Uhr 40 Min. — Nürnberg 5 Uhr 10 Min. — Wien 4 Uhr 58 Min. — Paris 5 Ubr 05 Min. — Prag 5 Uhr 00 Min. Der .Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Slontaga mid Donueratagft, jedesmal in mindestens zwei Bogen- Preis pro Vierteljahr bet der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abormirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Oer Buchhandel verkehr! durch V. Zf. S l ein ach er, Leipzig, Notzplatz J8. — Inserate25 Pfennig die viergespaltene Nrnpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Neclamethcil 75 Pfennig. — Dirccte Francozuscndung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., sür's Ausland 16 Mark, an dte Expedition franco eiufenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1015. Stellensuchede und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende »Kleine AuSgab« deS JSraelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der .Kleinen Ausgabe" längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige das Vierteljahr, indcß ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Nr. »SSL abonnireu Auf Wunsch stunde« wir die Zahlung deS InfertionSbetragS au außer Stelle Befindliche bis «ach Erlangung einer solchen. <*HtiaIt iQauvtbtatl.) Da» $ubentfmnt in seinen tNruud.mgkn. — Rabbiner Dr. Cohn. — Die Schrecken deS Kriege» an der oreukiscu-rulsüchen Greiize. — iUuülsche Reisepässe. - Die Unruhen m Moh.le.v. - Feuilleton: Miriam. (Fortsetzung.) * " preuyicu runucu« Beilage: Zur Ehrenrettung de» Ma.momde«. - NockmalÄ Grm Puckler. - «u» «it-Br-Slan. - Au» dem Bezirk QSnabrmk. — Die Behandlung amerckamschcr Burger. — Lazar Brodsch. — -uc Eidesformel, für Juden. — Eine GedachtniUeier. — PersonaUen^Sckonul^geiu^. statistische Ucberkicht der jüdischen Lehrerkonferenzen in Deutschland. (Fortsetzung). Verantwortliche Redaktion: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition de» ^Sraelit". Schottkratze Nr- 2. Mainz. Druck und StactaQ bit I oh. LttrlhlLen vojduchdruckerei Aetien-Eeseüschast ln Stabfe Hierzu zwei Beilagen.

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