Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 90 (14.11.1904)
- Date
- 1904-11-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1917 ihn nicht eine der Wachen von weitem hatte kommen gesehen. Ein Zurück gab es für ihn nicht -mehr, er mußte weiter, wenn er bei den Bauern keinen Verdacht . erregen wollte. Bald hatte er die Wache erreicht, die j ihm drohend ihre langen Hellebarden entgegenstreckten. „Wo kommt Ihr her, und wo wollt Ihr hin?" frug ihn die Wache. „Ich komme von Mainz, und bin auf dem- Wege nach B.. laßt mich jetzt durch, ich muß eilen, um zur rechten Zeit dort hinzukommen." „Oho." entgegnete ihm die Wache, ein gutmüthiger Bauer, von vielleicht 40 Jahren. „Euch können wir gerade gebrauchen, denn wir wollen selbst nach B. und wißen nicht den rechten Weg. kommt einmal mit, zu unserem Haupt mann.'" Der Rabbi athmete freudig auf, als er diese Worte hörte, er hatte sich das Benehmen der Bauern gegen ihn schlimmer ausgemalt! Willig folgte er deshalb der Wache, die ihn zum Hauptmann der Bande führte. Inmitten der Bauern, unter einer hohen Eiche, saßen fünf Männer um einen ausgespannten Mantel, den sie als Tisch gebrauchten, und spielten Würfel. Diese fünf zeichneten sich von den übrigen durch breite rothe Streifen aus, die sie über die Schulter und Brust herabhängen hatten, während ihre übrige Kleidung dasselbe zerfetzte Aussehen hatte wie die der übrigen Bauern. Einer unter ihnen, der durch seine ganz besondere Größe hervorragte, trug noch zum Zeichen seiner Würde einen langen Degen; es war der Hauptmann der Bande, während die übrigen vier Anführer der vier Fähnlein, aus denen die Bande bestand, waren. Zu ihnen wurde der Rabbi geführt. Neugierig schauten die Dauern aus den Ankömmling. Doch als sie sahen, daß ihre Anführer mit ihm sprachen, bekümmerten sie sich nicht weiter um ihn. Aergerlich unterbrachen sich die fünf in ihrem Spiele. „Nun. was gibt's. was ist mit diesem Juden?" frug der Hauvtmann die Wache. „Es ist ein Jude, der nach V. will, und uns also den Weg zeigen kann." antwortete der Angeredete. „Trau ihm nicht. Hauptmann," raunte einer der Unteranfuhrer dem Hauptmann zu, „ich glaube diele Juden halten es immer noch lieber mit den Reichen, als mit uns Bauern." „Hört Jude," redete der Hauptmann jetzt den Rabbi an, „Ihr kommt wohl von Mainz und wollt, wie mir unsere Wache sagte, nach B., wollt Ihr da unser Führer sein, wir wollen nämlich in wenigen Tagen nach einem Gute in der Nähe von B. anfbrechen. Es soll, wie mir gesagt wurde, dem Grafen Gersdorf gehören, und mit dem habe ich noch ein Wörtchen zu reden; sagt, wollt Ihr unser Führer sein, Ihr sollt es nicht bereuen?" „Gerade dortbin geht mein Weg." anwortete der Rabbi, „doch mein Reisezweck bedingt solche Eile, daß ich unmöglich lange auf Euch warten kann, ich will Euch aber den Weg so genau beschreiben, daß Ihr ihn nicht verfehlen könnt." „Nein, das geht nicht, Ihr könnt jetzt unmöglich fort von hier, ha ha. das würde Euch wohl gefallen, wenn ich Euch jetzt ziehen ließe, daß Ihr dem Grafen von unserem Vorhaben benachrichtigen könntet. Nein. Ihr müßt jetzt bei uns bleiben und uns führen, oder.—" er machte mit dem Degen eine solche Bewegung, daß der Rabbi erschreckt zurückfuhr. „Was habt Ihr denn für wichtiges Geschäft mit dem Grafen Gersdorf?" fuhr der Hauptmann fort. Der Rabbi erzählte nun kurz, was ihn nach Mainz geführt hatte, und lachend unterbrach ihn der Hauptmann. als er ihm erzählte, wie sich der Graf seiner Tochter bemächtigt hatte. „Das sieht ihm ähnlich, dem feigen Hund; aber das verspreche ich Euch Alter, wenn Ihr uns gut führt, soll er auch gleichzeitig seinen Lohn für diese That erhalten." „Nicht seine Bestrafung will ich. sondern meine Tochter will ick, wieder haben; die Rache Lberlaffe ich einem höheren Richter." „Beruhigt Euch darüber, Alter, wir werden schon mit diesem Mädchenräuber fertig werden, verlaßt Euch darauf; wir werden Euch besser helfen, als dieser Wisch, den Ihr von dem Pfaffen da bekommen habt. Aber fort gehen können wir Euch nicht lassen. Heda, Bursche, bringe dem Manne etwas zu Essen!" rief jetzt der würdige Anführer dem nächsten der Bauern zu. „Gebt mir, tnenn ich Euch bitten darf, ein Stück Brot und etwas Wasser, mehr brauche ich nicht." bat der Rabbi, indem er sich auf den Boden niederließ. „Ach so." rief der Anführer lachend, „Ihr dürft ja sonst nichts von uns essen, als Wasser und Brot, na, mir soll es recht fein." schloß er gutmüthig. Der Rabbi erhielt das Gewünschte. Doch er aß nur wenig, trotzdem er den ganzen Tag nur wenig zu sich genommen hatte; die Aufregungen der letzten Tage, die unaufhörlich einander gefolgt waren, hatten ihm sehr zuzesetzt. Indessen war die Nacht hereingebrochen, und als sich der Rabbi vergewissern wollte, daß es vollständige Nacht war. erhob er sich, um das Abendgebet zu verrichten. Mit dem Einbruch der Nacht hatten sich auch die tapferen Krieger der Ruhe hingegeben, und die wenigen, die noch nicht schliefen, sahen mit getheilten Gefühlen dem Gebühren des Rabbi zu. Einige mit ehrfurchtsvoller Bewunderung, während andere wieder ihrem Spotte freien Lauf ließen und manchmal laut auslachten. Doch den Greis störte das Alles nicht, und mit Andacht beendete er sein Gebet und legte sich dann, wie die klebrigen, in einen Mantel gehüllt, den ihm einer der Anführer überlassen hatte, zum Schlafe nieder. Doch der Schlaf floh ihn. Allerlei Gedanken durchflogen sein Gehirn, manches Mal glaubte er, er