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Der Israelit · 1904-11-14 · Heft 90 (14.11.1904) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 90 (14.11.1904)
Date
1904-11-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1916 scheiben imb begab sich sodann nach der DebrianSkastraße. Die Einwohner dieser Straße erkannten unter den Räubern mehrere ihrer Nachbarn wieder. Unter den 50—70 Mann, die die Bande noch zählte, gab es nur wenige oder gar keine Reservisten. Auch hier wurden die armseligsten Häuser verwüstet und sechs Laden ausgeplündert, desgleichen das Atelier des Malers Lapidus und mehrere Schmieden. Ein vorübergehender Jude erhielt einen Gewichtstein an den Kopf und erlitt einen Schädelbruch: er liegt sterbend im Hospital. Einige, die ihre Güter vertheidigten, wurden leicht verwundet. Die Juden der Gegend kennen den Namen des Mannes, der den tödtlichen Wurf that und die Namen vieler Plünderer. Einer Wittwe glückte es, von einem der Räuber ihre Habe zurückzuerhalten. Im Quartier Skolniha leistete man einen gewissen Widerstand; auch dort rührten die Plünderer nichts an. Um 6 Uhr Abends begab sich eine jüdische Deputation zum Gouverneur. Dieser versprach, daß im oberen Stadttheil alles ruhig sein solle, den Einwohnern der unteren Straßen sei er nicht günstig, weil es dort verdächtige junge Leute gäbe. Er soll geäußert haben, er habe nicht die Absicht, die Einwohner dieser Straßen zu schützen. Auf der Rückkehr sah die Deputation einen kleinen Haufen, verschieden, wie es scheint, von dem größeren, wie er ruhig, ohne daß wer ihn hinderte, den Konfektionsladen von Eharai im Theatergebäude ausplünderte. Um 9 Uhr Abends sahen mehrere Einwohner der oberen Stockwerke in den Häusern der Wietrannoiastraße. wie man in dem Laden des Efros bei Licht arbeitete und Stücke Tuch in den Hof einer Kirche warf; als man die Plünderer störte, ergriffen sie die Flucht. In den: genannten Hofe wurde vom Sonntag bis Mittwoch trotz aller Bitten feiucrlct Untersuchung vorgcnommen. Montag Morgen autorisirte die Polizei die Kaufleute, die Läden zu offnen, alles würde ruhig sein, da man entsprechende Befehle bekommen hätte. Als die Händler erwiderten, daß die Plünderung am Abend vorher in den äußeren Quartieren fortgedauert habe, trotz des Versprechens, das der Gouverneur der Deputation gegeben hatte, antworteten die Polizeibeamten, daß sie damals noch keine Instruktionen erhalten hätten. Die Läden wurden am Montag nicht geöffnet. Die Kaufleute versichern. daß der Polizeichef ihnen vorgeschlagen habe, ihm eine Gratifikation für sein Eintreten zu bewilligen. Sie hätten es alle abgelehnt. Montag und Dienstag ereigneten sich keinerlei Unruhen, obwohl gerade an diesen Tagen die Reservisten der umliegenden Distrikts in der Stadt anlangten: nur in einigen vereinzelten Fällen wurden noch Fenster eingeworfen. Am Montag brachte die Zeitung „Mohilelvskia Wiedomosti" die' Mittheilung, daß die Reservisten in den Hauptstraßen um Trinkgeld gebettelt hätten. Diese Notiz verschwieg die Plünderung und die Mißhandlungen in den äußeren Quartieren. Die Einwohner der Debrianskastraße erzählen, daß die Polizei ein Protokoll ihrer Aussagen ausgenommen, aber keinerlei Untersuchung bei den von ihnen bezeichneten Räubern veranlaßte. Man zählt einige Dutzend Verwundete, im Krankenharls liegt nur ein Schwerverwundeter. Die christliche Bevölkerrrng ist tief unwillig darüber, daß man die unschuldigen Reservisten, die jede Sympathie verdienen, für dir Unruhen verantwortlich macht; die Juden stnd ohne Ausnahme derselben Meinung. Feuilleton. irjam. historische Erzählung aus dem ^.Jahrhundert. von xwltzuv srrvn. l8 XL Kapitel. Eine starke Gährung machte sich zur damaligen Zeit in Deutschland bemerkbar, die zu jenen schrecklichen Metzeleien, den sogenannten Bauernkriegen führten. Der schon lange gehegte Groll der geknechteten und gedrückten Bauern gegen den Gutsadel und das Mönchwesen sollte sich in schrecklicher Weise Luft machen. Was die Ritter nicht erreichen konnten, das hofften die Bauern mittels der neuen Lehre Luthers von der evangelischen Freiheit zu erlangen. Prediger standen in Süddeutschland auf, die den Freiheitsdrang der Bauern noch steigerten, und als ihre Zwingherren immer neue Steuern und Abgaben erfanden, die die armen Bauern kaum erschwingen konnten, brach der Aufstand in seiner ganzen Gewalt los. Bauernhaufen durchzogen sengend und plündernd das Land, mit den Gutsherren und Geistlichen, deren sie habhaft werden konnten, schreckliche Abrechnung haltend. Immer weiter verbreitete sich die Bewegung; auch nach dem nördlichen Deutschland und den Rhein hinauf zogen mordende Bauernbanden. So kam es, daß, nachdem Rabbi Schlaume zwei Tage von Mainz abgereift war. er plötzlich, am Abend des zweiten Tages, auf einen großen, bewaffneten Bauernhaufen stieß. Der Haufen mochte 200 Mann stark sein, ihre Waffen, die zum großen Theil aus Sensen und Hellebarden bestanden, waren auf einen großen Haufen gestapelt, die Bauern selbst lagen in kleinen Häuflein um ein Feuer auf dem Felde, theilweise mit Abkochen von Speisen beschäftigt, wahrend andere wieder bei einem Würfelspiel zechend zusammen lagen. Auch Wachen hatten die aufrührerischen Bauer» ausgestellt, und gerne wäre der Rabbi umgekehrt, wen»

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