Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 90 (14.11.1904)
- Date
- 1904-11-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1912 sofort die Strafe folgt, nro nwolcsr® no5J p iox 51 rmh oixri 2$ xte p ^5 .mno Weil nicht sofort das Urtheil gefällt und vollstreckt wird, darum wagen die Menschen, Böses zu thun. Begreifen denn diese Menschen nicht, daß Gott nicht sofort strafen darf, wenn Er Sein Geschenk an die Menschbeit, die Freiheit des Willens und Handelns, nicht illusorisch machen will? Welcher Mensch würde noch sündigen, wenn er sehen würde, daß jeder Sünder sofort bestraft wird? Welcher Mensch würde es wagen, gegen den göttlichen Willen zu bandeln, wenn er wüßte, daß ihn die Strafe sofort erreichen werde? rs n “psix narr '2 px mcrr» re# t»ix ran Gingen Deine Feinde. Gott, sofort zu Grunde, dann verschwänden alle Uebelthäter. Und was für ein Verdienst wäre es da, die Gebote Gottes zu erfüllen? Hätte denn der Mensch eine Wahl? Wäre da nicht die menschliche Freiheit gleich der Freiheit des Sträflings, dem man die Fesseln abgenommen, den man aber bei der geringsten Bewegung niederschießt? Siehe yi new xo'n iox no'b jt o 9 ft 11X01 nxo ixi" iox L'pdx Daß der Sünder hundert Jahre Böses übt und immer Nachsicht erfährt, geschieht ja nur aus dem Grunde, daß ich die belohnen kann, die Gott fürchten. Sie verdienten ja keinen Lohn, wenn ihre ganze Gottesfurcht nur eine Furcht vor der unmittelbar auf die Sünde folgenden Strafe wäre, wenn ihre ganze Gottesfurcht nichts anderes wäre, als das sklavische Zittern vor den Hieben tines grausamen Aufsehers, als das menschenunwürdige Beben vor der grausamen Härte eines allen milderen Regungen unzugänglichen Gebieters. Die Nachsicht. die ich mit dem Sünder habe, ist nur eine Folge meiner Liebe zu meinen Frommen, ist nur eine Begleiterin der Freiheit. Lasset Euch aber durch diese Nachsicht nicht täuschen. Diese Nachsicht übe ich nur hinieden, wo Menschen weilen, dessen freien Dienst ich wünsche, diese Nachsicht ist kein endgültiger Verzicht, kein endgültiges Verzeihen. Lasset Euch auch durch die andere Wahrnehmung, daß es den Gerechten nicht immer nach Verdienst gebt, nicht beirren. Auch das vorzeitige Belohnen würde die Freiheit trüben und würde einen Krämergeist großzieben, den ich aus dem Verhältnitz der Menschen zu Mir ganz ausgeschieden sehen will. Frei soll der Mensch Gott dienen, frei und obn; niedriges Interesse und Gott weiß schon zu rechter Zeit zu lohnen, v'pbx i» 2701251 2D2N.1 IOX. Die Handlungen der Klugen, sie sind in Gottes Hand. Und lohnt Er nicht hienieden. so wartet der Gerechten ein desto größerer Lohn im Jenseits, in» nw noy i»i rix ' 7105271 J1X 21X7! XXW xd IOX ’feo 22 *» J23 2^51 NX 23 ij«3 15 oxio 2'pbx .105 iox. Alles hat Gott zur rechten Zeit gemacht. Alles thut Gott zur rechten Zeit, auch die uns ewig verhüllte Zukunft hat Er in's Menschenherz gepflanzt, ohne die der Mensch den Sinn der Handlungen Gottes niemals verstünde. Ohne diesen Gedanken" der Ewigkeit, ohne den Glauben an ein jeneitiges ewiges Leben stünde der Mensch vor Räthseln, >ie sein Verstand nicht lösen, sein Geist nicht erfassen önnte. „Nun ich jedoch weiß, daß Alles, was Gott Hut obivb "'i' xn in Zukunft Wirklichkeit, daß der Sinn aller Handlungen in Zukunft offenbar und klar wird," erkenne ich auch i'3vbv ixi"0 .105 o'pbxTn. daß Gott nur darum die Welt in einer uns unverständlichen Weise leitet, daß wir Ihn in Wahrheit ehrfürchten. daß wir Ihn ehrfürchten, nicht aber Seine Strafe fürchten, oder Seinen Lohn erwarten sollen. Der Prophet Jesaias, als er von dem Volke die Klage hört 11210 13202 'pbxvl '12 '211 711223, daß sein Weg vor Gott verborgen und sein Recht an Gott vorübergeht. antwortet dem klagenden Jißroel 25w xirt '1 2^5 «pbx 2520 xb 2X Wahrlich, du könntest es wissen, selbst wenn du es nicht gehört hättest. Gott ist ein Gott der Ewigkeit! Scheint es dir auch zuweilen, daß dir Unrecht geschieht, glaubst du auch häufig, daß Gott sich um dein Recht nicht kümmere, so wisse, daß Gott ein Gott der Ewigkeit, daß Sein Walten nur derjenige begreifen kann, der eine Ewigkeit zu überschauen vermag. Was dir heute als Unrecht, als Unglück erscheint, kann. 8vd specie aeterni gesehen. Recht bezw. Glück sein. Und wie Vieles ist uns heute schon klar geworden, uns, die rückwärts schauen, was unseren Vätern sicherlich unverständlich, räthselhaft. gewesen sein muß. Wie Vieles wird dem Menschen schon nach einigen Togen oder Stunden klar. Wer kennt nicht die schöne Erzählung von Rabbi Akiba, der in tiefer, dunkler Nacht in einer Stadt Nachtherberge suchte, diese ihm aber verweigert ward und er im Walde übernachten mußte. Da kam ein Wind und verlöschte sein Licht, ein Löwe kam und fraß seinen Esel und auch sein Hahn, den er bei sich hatte, kam um's Leben. Rabbi Akiba verstand den Sinn dieser Ereignisse nicht, aber bald erkannte er ihn. Eine wilde Horde kam durch den Wald gezogen, die ihn sicherlich bemerkt hätte, wenn er sein Licht hätte brennen lassen, die auf ihn aufmerksam geworden wäre, wenn sein Esel oder sein Hahn Lebenszeichen von sich gegeben hätten. Am anderen Morgen entdeckte er auch, daß die Stadt, in der ihn kein Mensch ousnehmen wollte, von dieser Horde ganz verwüstet wurde. Da dankte er Gott für seine wunderbare Errettung, die durch eine ganze Verkettung räthselhaster Ereignisse ermöglicht wurde. Wenn es uns aber auch nicht immer gegönnt ist. die Lösung zu finden, wenn wir auch nicht immer Aufklärung erhalten, so liegt dies vielleicht an unserer Kurzlebigkeit — und vielleicht zuweilen an unserer Kurzsichtigkeit. Denn im Grunde genommen ist es ja auch, abgesehen von der ausgleichenden Gerechtigkeit im Jenseits möglich. daß diese Gerechtigkeit als eine dem irdischen » Leben selbst immanente Potenz anzunehmen ist. Tritt