Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 90 (14.11.1904)
- Date
- 1904-11-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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45. Jchrg-ms. Jfö j)04 Ei» Kentrak-Hrgan für das orihodo^e Zudenthum. Begründet von Dr. tTcIjmanu in fötaitt}. Mantag, de« 6. SiSlew 5665. 14. November 1904« Lss LiidkiithM io fciurn taDpp. Von Dr. Hermann Klein. (Svttsetzlmg*). Mainz, im Marcheschwan. Die überkommenen Beweise für die Unsterblichkeit der Seele sind, wie die für das Dasein Gottes, theils metaphysisch. theils moralisch. Die metaphysischen bauen sich auf die Voraussetzung auf, daß das Materielle Erscheinung, nämlich eines Immateriellen, ist uno das Letztere seinem Wesen nach nicht vergehen kann, ruiü irx Weil die Seele ein Theil der Gottheit ist, das Göttliche im Menschen, ist sie unsterblich. Auch der Kern des von Plato aufgestellten Beweises: Die Seele ist ihrem Wesen nach den «Ideen" verwandt, (schon deshalb, weil sie der Jdeenerkenntnitz fähig ist), und mutz demnach auch an der Unvergängl'.ckkeit und Ewigkeit der Ideen Tbeil haben, lätzt sich, im Grunde genommen, bei der weiteren Ausführung auf diesen Gedanken zurückführen. Die moralischen Betveise, wie sie in neuerer Zeit, zuerst namentlich bei M e n d e l s o h n und bei Kant, hervorgetreten ünd. gründen sich auf die Thatsacke. datz das Streben nach ethischer Vervollkommnung im Leben nickt zum Ziele gelangt. und datz eine Erreichung des Ideals detzhalb in einem fortgesetzten Dasein möglich sein müsse. Auf die hier zunächst herantretende Frage, warum es denn nicht bei einer theilweisen Erreichung sein Bewenden haben könne und solle, haben sie die Antwort, datz die sittliche Vollkommenheit ein höchster Werth sei, den als Illusion anzusehen der Vernunft ihrem Wesen nach unmöglich sei. Eine Ergänzung des von dieser Seite kommenden Arguments bildet der Schluß von der Unabgeschlossen- *) Berg!. Nr. 84 dieser Blätter. heit der dem Menschen beschiedenen Erkenntnitz auf die Nothwendigkeit eines künftigen Daseins, worin dem Bedürfnitz nach Erkenntnitz eine unbegrenzte weitere Bethätigung zu Theil werde. Diesen Beweisen verwandt ist der Beweis, der sich auf die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit der Vergeltung stützt. Denn im Leben bemerken wir häufig, datz die gute That nicht immer ihren Lohn und die böse nicht immer ihre Strafe findet. Diese scheinbare Ungerechtigkeit, durch die sich die Menschen verführen lassen, wie dies der weise König seinen Zeitgenossen vorhält, weist daraus hin, datz ein Ausgleich in einem fortgesetzten Leben getroffen wird, rxv c’pnjr «" vtk pxn bv ntryj -.em bzn vr> nryca cn6.x txv nwi em o'penn rmoa on6n San nt c:t? '?.nv.x o'pnstn» Der tveise rlönig will hier durchaus nicht, wie so Viele meinen, Gott einen Vorwurf aus Seiner Ungerechtigkeit machen, er ist kein gefesselter Prometheus, der sich in einer götterfeindlichen Pose gefiele, sondern er klagt vielmehr über die Kurzsichtigkeit seiner Zeitgenossen, die sich durch einen Schein trügen lassen. Es geschieht Thörichtes auf Erden, so klagt er, weil die Menschen sehen, datz es dem -Gerechten schlecht und dem Schlechten gut ergehe, darum geschieht von ihnen, von den Menschen Th'örichtes und Eitles, bin nt c;p vrotc Wie thöricht sind doch diese Menschen! Sie begreifen nicht, datz das Gute, das Gott den dw> erweist, nur vorübergehend ist, datz es nur wie der Schatten ist, der den Menschen nur solange begleitet, als hier auf Erden wallet, ihn aber sofort verlätzt, wenn die Seele die irdische Hülle abgestreift, S« L'v' ~p& »6t ysnS "cp »6 ata c’p-K '&bo kv wk ‘».x Wirklich gut wird es dem Frevler nickt ergehen, denn nicht lange wahren seine Tage und sein Glück ist ja nur b« wie der Schatten, der nur so lange da ist, als er selbst ein körperliches Dasein führt, — weil er nicht Gott . gefürchtet« Wie thöricht sind doch die Menschen, die darum Böses thun, wett sie zuweilen wahrnehmen, daß der Sünde nicht