Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-11-10 · Heft 89 (10.11.1904) · page 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 89 (10.11.1904)
Date
1904-11-10
Page
– (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450066--61762-2524675
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1902 Ansicht, daß das Schächten am Besten nicht mit dem Schulamt verbunden wäre. Indem Referent noch eine bessere'Regelung der jüdischen Gemeindeverhältnisse überhaupt wünscht, beantragt er die Bildung einer Kommission aus dem Verein, zur Ausarbeitung einer Denkschrift über die ivünschenswerthe Verbesserung der rechtlichen Lage der jüdischen Religionslehrer als Material für die Staatsregierung und schließt mit den Worten: In der durch Hebung des jüdischen Lehrerstandes bedingten segensreichen Thätigkeit desselben, liegt Juda's Zukunft. An dieses aktuelle, alle Lehrerkreise berührende Referat, schloß sich, wie nicht anders zu erwarten war, eine sehr lebhafte und lang andauernde Debatte. An derselben betheiligen sich die Herren: Dr. Kohn-Ans bach, Wahler-Hörstein, Wechsler-Alzenau. Dppenhcimer-Sulzbiirg, Strauß-Marktbreit, Mannheimer- Dettelbach, Ebrmann-Friedberg. Bamberger - Nürnberg. Freudenberger-Neckendorf, Strauß - Uffenheim, Diugfelder-Ansbacki und Rosenthaler-Frankfurt. Fast alle beklagten die rechtliche Lage der Lehrer, die dringend einer Besserung bedürfe. Bezüglich der Schcchita wurden Stimmen laut, wonach diese geeignet sei. des Ansehen des Lehrers zu schädigen, während dieser Ausfassung von anderer Seite entgegen gehalten wurde, daß die Schechita als cs» rcs6a aufzufassen sei und als solche das Ansehen des Lehrers keineswegs beeinträchtige, vielmehr hebe. Herr Dingfelder- Ansbach empfiehlt ein Zusammenarbeiten des Lehrervereins, der baprischen Rabbinerkonfercnz und des Landesvereins, um Klarheit über die rechtlichen Verhältnisse der jüdischen Lehrer zu gewinnen. Auf Grund des gewonnenen Materials werde sodann, wenn der Zeitpunkt geeignet erscheine, eine Verbesserung der Rechtslage herbeizuführen gesucht. Hierauf wurde folgender, von Herrn Dr. Kohn- Ansbach formulirie Antrag angenommen: „Die Versammlung wählt eine .Kommission von drei Mitgliedern. zur Ausarbeitung einer Denkschrift. Die Verwaltung möge es der Rabbiner-Konferenz anheimgeben. in diese Kommission eine Zahl von drei Herren zu entsenden, welche gemeinsam mit der heute gewählten Kommission alle Schritte unternimmt, die zur rechtlichen, moralischen, sowie sozialen Besserstellung der Lage des Lcbrerstandes nöthig sind." In die .Lehrerkommission wurden gewählt die Herren Goldstein-Heidingsfeld, Mandelbaum-Würzburg und Dingfelder Ansbach, nunmehr zu München. Es war unterdessen zwei Uhr geworden und es folgte das gemeinschaftliche Mahl, das durch verschiedene Toaste in gebundener und ungebundener Rede, ernsten und humoristischen Inhalts, in welchem Genre sich besonders Herr Dppenheimer-Sulzbürg auszeichi'tic, gewürzt wurde. Rach einer einstiindigen Mittagspause wurden die Verhandlungen wieder ausgenommen und Herr B l a t t-Obbach erhielt -das Wort zu seinem Vortrage: „EineBefprechung der S. Müller'schen G e s ch i ch t s b ü che r." Der Referent hatte seine Ausführungen in folgende Thesen zusammengefaßt: Müller's biblische Geschichtsbücher, besonders die „Kleine Bibel", zeichnen sich von anderen Büchern dieser Art vortheilhatt ans: Durch die methodische Anlage in allen Theilen, die den praktischen, erfahrenen Schulmann verräth. I». Durch die meisterhafte Sprache, die trotz ihrer Ausführlichkeit und beständigen Rücksichtnahme auf den kindlichen Gedanken- und Anschauungskreis doch nirgends den eigentlichen Bibeltext verwischt. <*. Durch Aufnahme und geschickte Anordnung der Lehren und Gebote des Pentateuchs, ivelche ein eigenes Religionsbuch überflüssig machen! <t. Durch Anfügung vortrefflich gewählter Bibelsprüche, die den ethischen Gehalt der einzelnen Geschichten klar herausheben. Durch die ausführliche Behandlung der Königsgeschichten. in welche die schönsten Psalmen, das Buch Hiob und fast sämmtliche Propheten mit ihren herrlichsten und eindringlichsten Reden so geschickt eingeflochten sind, daß die Jungen und Alten einen tiefen Einblick auch in diesen, bisher so sehr vernachlässigten. Theil unserer Bibel gewähren. f. Durch diese Vorzüge haben die Müller'schen Geschichtsbücher sogar die Anerkennung namhafter christlicher Pädagogen gefunden, tr. Daß aber auch vom religionsgesetzlichen Standpunkte au? keine ernstlichen Bedenken gegen dieselben geltend gemacht werden können, beweisen die vielen anerkennenden Worte und Empfehlungsschreiben von jüdischen Pädagogen und Rabbinern, selbst orthodoxer Richtung. Auch an diesen Vortrag knüpfte sich eine sehr lebhafte Debatte, die jedoch eine große Gegnerschaft der genannten Geschichtsbücher erfetzn ließ. Herr N eu m a n n - Burgpreppach bemängelte, daß dieselben so häufig die biblische Wahrheit verletzen, was er an Beispielen nachwies. Die Herren Bamberger und St o l l - Nürnberg machten folgende Bedenken geltend: Die Miiller'sche Bibel macht sich in sachlicher Beziehung grober Verstöße schuldig. Beispiel: »Die Vornehmen" in Israel waren über die Wahl Sauls enttäuscht." Tie Fußnote zu Nr. 86 (Ahab) behauptet das Gegentbcil dessen, was die betreffende Bibelstelle besagt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.