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Der Israelit · 1904-11-10 · Heft 89 (10.11.1904) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 89 (10.11.1904)
Date
1904-11-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1893 kommt daher, dasj die hiesigen Juden ihre Maaren nur zum kleinsten Therle von dev Haifaer Importeuren beziehen. vielmehr ihre Haupteinlaufe persönlich in Beirut machen, und zwar vorwiegend bei der grasten Firma Orosdi Back in Beirut (Svrien). deren Reisende man in aanz Syrien und Palästina und selbst in abgelegensten Städten antrifst und die chci stimmtlichen kleinen Geschäftsleuten weit und breit in diesen Gegenden als diejenige Firma gilt, von der alles bezogen werden kann. Ganz besonders ist man in Tiberias mit Glasartikeln gut versehen, und zwar mit besseren und feineren Sachen, die schon etwas Luxus darstellen. während in Haifa der Luxus in Glaswaaren sich nur sehr spärlich hervorwagt. Dieser Luxus in den Glasartikeln in Tiberias ist allerdings durchwegs für die Juden berechnet und hat es hauptsächlich mit Verzierungen durch hebräische Inschriften oder jüdischnationale Embleme, wie den Tempel Salomos, den grünenden Stab Aarons und dergleichen zu thun. Eins der nettesten Stucke, die wir hier sahen, war ein Glasuntersatz. bestimmt für Wasser- oder Weingläser und in Form einer Untertasse gehalten, der unter anderen Verzierungen die hebräische Inschrift trug: Für's Passafest snb\ ähnliche Inschriften auch für die anderen jüdischen Feste, auf Glasartikeln an- -ubringen. wäre unter -Umständen für einen Glasfabrikanten eine recht gute Gefchäftssache. Das hebräische Jnschristengebiet auf Glasartikeln wäre sogar sebr ausdehnungsfähig, und es liehen sich auch allerlei Wünsche und Scherzformeln dabei anbringen, bezüglich deren svrachlicher Genauigkeit sich der Fabrikant mit einem des Hebräischen kundigen jüdischen Gelehrten oder einem Universitätsprosessor in Deutschland in Verbindung leben nrüstte. Solche Glasartikel, vor allen Dingen Wasser- und Weingläser. Karaffen und Zierartikel der Glas-Industrie nach Palästina anzubieten. würde zweifellos Erfolg haben, loeil die Juden, di? in Palästina ansässig sind, nicht nur hebräische Schrift lesen und verstehen, sondern meist vollständig von Kind auf Hebräisch sprechen können. Ausserdem aber würbe der Absatz unter den europäischen Juden gleichfalls in Betracht zu ziehen sein. Das Anbringen von Vokalen kann man sich bei diesen hebräischen Inschriften ersparen, da die Juden obne Vokale zu lesen gewöhnt sind und auch die jüdischen Zeitungen vokallos erscheinen. Papst PiuS Der Zehnte n«d Die Inden. Rom. 3. Nov. Alle Welt weih, in welch' gutem Verhältnisse Papst Pius der Zehnte mit der Paduaer hochangesehenen jüdischen Familie Romanin-Jacur steht. Dieses gute Einvernehmen rührt voch von der Zeit her. wo Papst Pius der Zehnte auf einem der Güter der Familie Romanin-Jacur, in Salzano, ein Dezennium hindurch Pfarrer war und, wie er sich oft äußerte. in den Nomanin-Jacurs die Juden ehren und schätzen lernte. Vor kurzer Zeit besuchte Dr. Romanin-Jacur den Papst in Rom, wo ihm die selten grosse Ehre zu Theil wurde, dass er stch neben den Papst setzen musste und fast eine Stunde hindurch über die verschiedensten Dinge kcnferiren durste. Zum Andenken an die angenehm verbrachte Stunde überreichte der Papst Herrn Doktor Nomanin-Jacur seine Photograhie in grossem Format, nachdem er vorerst noch eine eigenhändige Widmung darauf angebracht hatte. Sprechfaul. Hamburg, 6. November. In Nr. 36 des „Israelit" vom 6. Mai c. findet sich, ausser meinem Eingesandt noch ein anderer, , unzweifelhaft von autoritativer Seite Ihnen zugegangener Artikel, über die Stellung des hiesigen Oberrabbinats und der unter diesen resortirenden Mohelimkcrporation zu den Misch- und modernen Proselytenehen und deren Abkömmlingen, als Abwehr gegen einen diesbezüglichen Angriff der „Allgem. Zeit, des Judenthums". Wie berechtigt die bisherige ablehnende Haltung unserer Kultusbehörden diesen Treibhaus¬ und Liebesproselyten und deren Kindern gegenüber gewesen, zeigt ein kurioser Vorfall, der sich jetzt vollzieht. Ein hiesiger Rechtsanwalt, Sohn leidlich frommer Eltern, heirathete vor etwa zehn Jahren ein solches Kunst Produkt eines hiesigen Tempelpredigers. Der daraus resultirende erstgeborene Sohn wurde nach Ablehnung der hiesigen Mohelim von einem aus der Nachbarschaft gegen anständige Bezahlung importirten Mohel ..g e m a l l t". was mit den nachgeboxenen Kindern geschehen, ist mir nicht bekannt. Nachdem nun kürzlich der fromme Vater gestorben, beeilt sich der pietätvolle Sohn, seine Familie (?) ..schmadden" zu lassen. Das Judentbum hat keine Veranlassung, darüber zu trauern. - Wenn ich vorhin von der bisherigen Ablehnung sprach, so geschah dieses mit Aussicht auf die auf diesem Gebiete neuerdings gemachte Konzession. Der Sachverhalt ist folgender. Ein hiesiger jüdischer Mann heirathete in zweiter Ehe eine sogenannte Berliner Proselytin, die ihm einen Sohn gebar, dessen beantragte Beschneidung abgelehnt wurde. Auf wiederholtes Bitten jedoch willigte man. ein unter der Bedingung, da man die Mutter als Jüdin nicht anerkennen wollte, daß der Knabe gls u . gemallt" werde.. Die Mohelim wollten sich jedoch hierauf nicht einlassen. nur einer derselben, ein tolerant denkender Herr, fand sich nach einigem Strauben hierzu bereit. Ob er damit eine rwkv gethan hat, lasse ich

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