Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 89 (10.11.1904)
- Date
- 1904-11-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1892 fettigen wollen, so müssen wir offen sein und dürfen uns der Erwägung nicht verschließen, daß der Hauptgrund, der die Kauflustigen zur Steigerung jener Mizwos bewegt, wohl sehr oft, wie uns die Erfahrung leider lehrt, in der Thatsache zu suchen ist. daß der Jude nach außen hin, seinen Glaubensgenossen gegenüber, gerne ein Beweis seiner günstigen finanziellen Lage geben möchte, was ihm ja durch jenen Vorgang, wie er glaubt, zur Genüge gelungen ist. Während der Jude gerne dieses freiwillige Opfer bringt, sträubt er sich innerlich gegen die Zahlung jeder gesetzmäßig ihm auferlegten Steuer, insoweit, als sie der Kultus - gemeinde zu Gute kommt. Aus alledem erhellt die Verwerflichkeit dieses unzeitgemäßen Brauchs. Ein junger jüdischer Biolin-BirtuoS. Berlin. Herr Paul Schlesinger schreibt in der „Bresl. Ztg.": In einem kleinen Dorf im Kiewer Gouvernement lebte der alte Elman als jüdischer Volksschullehrer in tiefster Armuth. In Elmaus Haus drang nicht die .Kunde einer befreienden Wissenschaft. Hier war ein Schimmer von Kunst. Der Alte spielte ein bischen Violine, und von ihm lernte es der kleine Michel. Bald hatte er gelernt, was der Vater ihm zeigen konnte. Und der muß wohl gefühlt haben, daß in seinem Sohn große Dinge vor sich gingen. Unter großen Opfern brachte er den Jungen nach Odessa auf die kaiserliche Musikschule. Hier machte er ungeheure Fortschritte. Man fing an, von ihm zu sprechen. Durchreisende Künstler ließen sich von dem Kleinen Vorspielen, u. a. auch Professor Auer, — der ihn im Jahre 1902 nach Petersburg kommen ließ. Damals geschah etwas Merkwürdiges. Michel Elman durfte als Jude nicht so ohne weiteres sein Domizil wechseln. Drei Mal erhielt er von der Polizei den Ausweisungsbefehl. Da setzte der Alte es durch, daß in einer Soiree der Knabe vor Plehwe spielte. Zugleich richtete er die flehentliche Bitte an den Minister, dem Kinde nicht die Möglichkeit eines ferneren Studiums zu nehmen. Plehwe hörte den Knaben an und sagte: „Wer so einen Sohn hat, darf in Rußland mit seiner Familie wohnen, wo er will." Diese kleine Geschichte klingt wie eine Legende. Vielleicht ist es auch eine. Aber sie ist so bezeichnend für die Macht des kleinen Michel, der den hartherzigsten Menschen so bewegen kann. .Run genoß der Kleine Auers Unterricht. In immer weitere Kreise drang die Kunde seiner Begabung. Cr wurde der gefeierte Liebling des Petersburger Publikums. Die Salons der besten Gesellschaft öffneten sich ihm. Er spielte vor Fürsten, Großfürsten und Großfürstinnen, und jetzt ist er in Berlin und entzückt alle Welt. Zur Frage der jüdische« Auswanderer. M e m e l. 6. Nov. Am Freitag, den 4. d. Mts., wurden durch die hiesige Polizei mehrere ru„ische jüdische Auswanderer, die sich mittels Dampfschiffes nach Königsberg begeben wollten, in Haft genommen und nach der Kontrollstation Bajohren gebracht, von ivo aus die Auswanderer-Eisenbahnziige bislang abgegangen stnd. Ueber das weitere Schicksal der Auswanderer ist bisher noch nichts bekannt geworden; indessen will es scheinen, als ob die „F r e i z ü g i g - keit" der Auswanderer noch immer in Frage steht, wiewohl in letzter Zeit viel von „Erleichterungen" die Rede war, die durch die Bemühungen der betheiligten Kreise in dieser Sache bewirkt worden wären. Sache der betheiligten Hilfsvereine wird es nun sein, dafür Sorge zutragen, daß diese peinliche Angelegenheit endlich vollständig geregelt würde. Ansschreilungen der Reservisten in Bychowa. W i t e b s k. Dem hier erscheinenden Blatte „Sewernyi Sapadnyi Krai" wird aus Bychow, im Gouvernement Mohilew. geschrieben: Die Mobilisirung der Reservisten ist in unserer Stadt mit der Demolirung vieler Häuser verknüpft gewesen. Die vom Lande eingetroffenen Bauern hatten sich bis zur Sinnlosigkeit betrunken und begannen die ihnen begegnenden Juden zu überfallen. Darauf plünderten die Tumultanten die Buden und schlugen mit Stöcken und Steinen die Fenster ein. Die Bevölkerung versteckte sich in den Wohnungen und Scheunen und auf Böden. Die Unruhestifter drangen ohne Unterschied in die Wohnungen von Juden und Christen und plünderten. Die Plünderung dauerte drei Tage. Die Bevölkerung durchlebte schreckliche Tage. Am dritten Tage entstand an mehreren Stellen Feuer, das beinahe die ganze Stadt einäscherte. Erst beim Anblick des Feuers hörte der Hause mit dem Rauben und Plündern auf. Das halbzerstörte Bychow bietet einen entsetzlichen Anblick. Ein Theil der Häuser und Buden ist durch Feuer zerstört, der andere Theil hat den Anblick eines Dorfes nach einem räuberischen Ueberfall. Die meisten Bewohner haben die Stadt verlassen. Die Zurückgebliebenen halten sich in Kellern und Scheunen versteckt. DaS Glas- und Porzellanlvaaren-Geschüst i« Liberias. Man schreibt aus Liberias (Palästina): Das gekämmte hiesige Geschäft liegt in den Händen von Juden, da Liberias eine fast ganz jüdische Stadt ist. Obwohl viel kleiner als Haifa, besitzt Liberias doch viel bessere und reichhaltiger assortirte Geschäfte. DaS