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Der Israelit · 1904-11-10 · Heft 89 (10.11.1904) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 89 (10.11.1904)
Date
1904-11-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1887 ihrer Wirksamkeit, ihr thätiges Interesse durch Jahresbeiträge beweisen, dieselben in Rücksicht auf so bedeutende außerordentliche Ausgaben erhöhen, andere sich veranlaßt sehen, der Vorstandschaft in ihrer schweren Aufgabe mit Mitteln zu Hilfe zu kommen. Schriftsteller Salomon Kohn -'7. Prag. Am 6. d. Mts. ist der hiesige Schrift steller Salomon K o h n im Alter von nahezu 80 Jahren gestorben. Er war bis zum Jahre 1873, in welchem er sein Vermögen verlor, Kaufmann gewesen, wandte sich, obschon im 50. Jahre stehend, der Schriftstellerei zu. in welcher er als Ghettoschriftsteller Bedeutendes leistete. Sein Hauptwerk war „Gabriel", das in fast alle lebenden Sprachen übersetzt wurde. Er gehörte viele Jahre hindurch der Prager isr. Gemeinderepräsentanz an, woselbst er die orthodoxe Richtung vertrat. Vabette Fried. (Wir verlieren in dem Heimgegangenen einen der treuesten und ausdauerndsten Freunde unseres Blattes. Ebenso hervorragend als Schilderet jüdischen Lebens rn Vergangenheit und Gegenwart, wie als Gelehrter und Mann der Gottesfurcht, war er als Mensch und Jude, und durchwehte seine Werke ein stets frischer, lebendiger Geist, der den Leser zu allem Guten, Hohen und Edlen anregte. Die besten Erzeugnisse seines Schaffens sind mit Ausnahme von „Gabriel" zuerst im „Israelit" erschienen. Wir nennen nur „David Lob Magdeburger", „Michael" etc. Auch mit dem Begründer dieser Blätter verband ihn innige Freundschaft und war es der Erstere, der ihn. als er sich vom Geschäftsleben zurückzog, veranlaßte, sich wieder der Schriftstellerei zuzuwenden. Salomon Kohn ist nicht gestorben, er lebt in seinen Werken dauernd fort. n'SJWn. Red. d. „Isr.") Neue Juderrkrawalle kn Rußland. Mobilem, Anfang Nov. Ganz Unglaubliches wird wieder über Judenkrawalle in Rußland berichtet. Im Gouvernement Mohilew sind in fünf Orten bedeutende antisemitische Unruhen ausgebrochen, denen wiederum viele Hunderte elender jüdischer Proletarier zum Ovfer gefallen sind. Die Ausschreitungen fanden in der bedeutenden Stadt Mohilew und in den kleineren Orten Bogusnawka, Bychow, Gory-Gorki und Mstislawl am 22. Oktober und den folgenden Tagen statt. Die Krawalle verliefen, soweit jetzt bekannt ist — es muß hervorgehoben werden, daß die russischen Zeitungen sich in tiefstes Schweigen hüllen — etwa folgendermaßen: Die Plünderung der jüdischen Häuser und Laden, der Marktplätze etc. ging von den Reservisten, die bei der jüngst erklärten Mobilmachung eingezogen sind, - aus, zu ihnen gesellte sich allerhand Straßenvobel. Solche Elemente durchzogen lärmend in Haufen die Stadt und zerstörten die armselige Habe der jüdischen Kleinhändler, Handwerker und anderer. Gab man nicht freiwillig, so machten die Herren kurzen Prozeß und mißhandelten die Ueberfallenen. In Mohitew allein liegen über zwanzig Verwundete in Spitälern, über hundert in ihren Wohnungen. Ob es Todte gibt und wie groß die Zahl der Verwundeten in den anderen Unheilstätten, ist zur Zeit noch nicht bekannt. In Mohilew dauerten die Unruhen fast zwei Tage, den 23. und 24. Ruhiger wurde es erst am 24. Rachmittags, iveil man nunmehr die Reservisten in die Kasernen einschlotz. Diese letzten Ausschreitungen lassen sich durch zwei Merkmale charakterisiren: erstens durch die Zurückhaltung der Behörden, die sich nicht die geringste Mühe gaben, den Ausschreitungen entgegenzutreten (die Reservisten konnte man ja wohl, auch bevor sie Hunderte geplündert und mißhandelt haben, in die Kasernen bringen), und zweitens durch die beim Plündern betheiligten Personen: es waren meistens Reservisten, die bei der Mobilmachung eingezogen wurden. Was die Behörden anbetrifft, so schreibt man, daß, als aiu 15. Oktober eine unbedeutende Kundgebung von den jüdischen Arbeitern veranstaltet wurde, der Polizeichef von Mohilelv. Herr Rodionow, folgende folgenschwere Ansnrache an die Inden hielt: ..Bald wird hier mobil gemacht, dann werdet Ihr büßen für Eure Rcvolntionsmacherei. Euer Blut wird fließen in der ganzen Stadt!" Derselbe Rodionow stellte schon im vorigen Jahre den Inden Mohilews ein Blutbad wie in Kischinew und Homel in Aussicht. Doch wurde er von reichen Juden mit 500 Rubel zur Ruhe gebracht. Di: eifrig die russischen Behörden sind, den blinden Haß des Pöbels zu entfachen und zu schüren, sollen folgende Tbatsachcn bekunden, die man ohne Mühe nzit den jüngsten Ausschreitungen gegen die Juden in Zusammenhang bringen kann. In Dioingsk ließ der Polizei-bes während der Mobilmachung Aufrufe an die Laterneuvsähle kleben, in dem die Juden ermanht würden, wenigstens während der Tage der Mobilmachung ihre üblichen Geschäft. Preissteigerungen u. s. w. zu unterlassen-, und dcßgleichen empfingen die'Kreischefs des Gouvernements Witebsk ein Rundschreiben des Gouverneurs, in dein sie aufgefordert werden, den Juden dringende Vorstellungen in eben dem Sinne zu machen. . ... Wenn wir dieser trostlosen .Wirklichkeit die Aeußerungcn des neuen Ministers des Innerer»,' die von der Presse bis in den Himmel gelobt sind, gegen- .übcrstellen. so könnte man glauben, daß die in blindestem Antisemitismus versumpfte Beamtenschaft auf die Direktiven des Fürsten Swiatopolk-Mirsky pfeife. Wie dem auch sei, so muß konstatirt werden, daß die Beamtenschaft die Ansichten und Stimmung der ein-

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