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Der Israelit · 1904-11-10 · Heft 89 (10.11.1904) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 89 (10.11.1904)
Date
1904-11-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1886 viele Psalmen in kurzer Zeit herunter gehaspelt werden", solche Kanzelreden zeigen, daß der tägliche Gottesdienst zwecklos ist und nur noch der Rabbiner einmal in der Woche zu erscheinen es für bequem Und angenehm hält. Es ist leider betrübend, daß mitunter selbst ganz einfältige Menschen, in niedriger Stellung, mit der größten Sicherheit auftreten und Lehren entfalten wollen, die nichts enthalten. Wie würde die Welt sich gestalten, wenn jeder seinem eigenen Verstände nach die Religion wollte neu erdichten. Gehört dazu Weisheit, Vernunft, Einsicht, um etwas zu vernichten? Aufbauen und erhalten ist sehr schwer; einreißen und zu Grunde richten, kann man leicht. Wie kann, wie soll, wie muß man abwehren? Dom Antisemitismus in Ostfriesland. Weener (Ostfriesland), im Nov. Wir können zu unserer Freude Ihnen mittheilen, daß der Antisemitismus, der Sozialismus der Dummen, hier in Ostfriesland nur ganz vereinzelt noch anzutreffen ist. Jene Personen, welche einst in dieser Bewegung besonders stark machten, hat man von sich abgeschüttelt; sie waren auch danach. Dem Schreiber dieser Zeilen sind einige Herren bekannt, die mit Bedauern heute erklären, daß sie sich von Führern, wie Ehren-Leuß, haben beihören lasten. Wenn nun hie und da noch Personen von mehr oder minder horizontaler Vergangenheit ihren Judenhaß in die Erscheinung treten lassen, so ist das nicht sehr sonderbar; aber als bedauerlich muß es erscheinen, wenn Herren mit akademischer Bildung sich an jener Hetze betheiligen, die von Kaiser Friedrich als eine Schmach des Jahrhunderts bezeichnet worden ist. Ein hier ansässiger Arzt, Dr. V., sucht sich fortgesetzt darin zu gefallen, seinem Haß gegen das Judenthum Ausdruck zu geben. Darüber kam es vor Kurzem in einem hiesigen Hotel zwischen Dr. V. und einem hochangesehenen israelitischen Herrn zu einem Streit, in dessen Verlauf sich letzterer durch eine kräftige Ohrfeige schallende Genugthuung verschaffte. Das Ende vom Liede ist ein Strafprozeß, über dessen Ausgang wir berichten werden. Da Dr. V. Sanitätsoffizier ist. so wird sich auch das zuständige Vezirkskommando mit der Angelegenheit zu befassen haben. K. Würzburger Brief. Würzburg. 6. Nov. Am 1. November waren es 25 Jahre, daß - Herr S. Lehmann, früher Lehrer und Cantor zu München-Gladbach, seine Stelle als Cantor und Gemeinde-Sekretär dahier antrat. Sowohl die CultusverwaltuNg als zahlreiche Freunde und Verehrer des Jubilars benutzten diesen Anlaß, der Anerkennung seiner Verdienste und ihrer Theilnahme in Worten und durch passende Geschenke zum Ausdruck zu-^bringen. Bei dieser Gelegenheit zeigte sich, welcher Beliebtheit ob seiner Berufserfiillung, seiner Menschenfreundlichkeit und seines biederen Charakters Herr Lehmann sich zu erfreuen hat. Möge es ihm vergönnt sein, recht lange seine segensreiche Wirksamkeit fortsehen und des schönsten Erfolges fich erfreuen zu können. — Mit dem Vortrage des Herrn Badearztes Dr. P. M ü n z in Kissingen am 26. Okt. über das Thema „Hygiene im jüdischen Sveisegesetz" hat der hiefige jüdische Litteratur-Derein seine Thätigkeit für das laufende Semester wieder begonnen. Vor zahlreichem Publikum verbreitet sich der verehrte Herr Redner in einstündiger, sach- und fachkundiger, zugleich leichtverständlicher Ausführung über das ganze Gebiet der jüdischen Sveisegesehe und wies darin die hygienischen Vortheile und Rücksichten nach. Der Vortrag war ebenso lehrreich als für das religiöse Gefühl fördernd und begeisternd. Reicher Beifall lohnte den trefflichen Redner, welchem noch der Dorsitzend Worte des Dankes und der Anerkennilng hinzufügte. — Den Zöglingen der Lehrerbildungs-Anstalt dahier wurde mit Beginn des neuen Schuljahres eine angenehme Ueberraschung bereitet. Bei ihrem Wied?reintritt nach den Ferien fanden sie ihr liebes Heim in neuem Gewände, indem das Anstaltsgebäude inzwischen einer gründlichen Renovirung unterworfen wurde. Das ganze umfangreiche Gebäude erhielt sowohl nach außen als nach innen in all seinen Räumen einen neuen Anstrich, Verbesserungen bezw. Vervollständigungen in Gas- und Wasserleitung wurden vorgenommen, Defektes neu hWgestellt. das Inventar für Schul- und Haushaltungszwecke vielfach durch Neuanschaffung im zeitgemäßen Stile ersetzt und vermehrt. Verblichenes mit frischem Anstrich versehen, wobei die Anstalts-Synagoge ganz besonders ausgezeichnet worden. so daß das Ganze nunmehr einen sehr angenehmen Eindruck macht und sich in der äußeren Erscheinung als zweckmäßige Einrichtung ähnlich anderen, selbst staatlichen Anstalten, würdig anreihen kann. Daß aber eine solche Metamorphose-'nicht ohne große Geldopfer, ohne große Sorgfalt und verstandnißvolle Hingebung zu bewirken, ist leicht denkbar, und verdient die auf solche Weise woblgelungene Bewerkstelligung durch die Vorstandschast. Herrn Distriktsrabbiner Bamberger, gewiß allseitige Anerkennung, umsomehr aber den Donk der Insassen, der Seminaristen, zu deren körperlichem und geistigem Wähle alles dies geschah. Da aber die Anstalt keinesfalls so viele freie Mittel, als hierzu erforderlich,, an 10,000 Mark, zur Verfügung hat, und der regelmäßige Betrieb derselben aus den laufenden Einnahmen nicht verkürzt werden darf, so erwächst der Vorstandschast mit dieser Neuerung auch die neue Sorge um die Aufbringung dieser Mittel auf dem Wege der freiwilligen Beitrage und Spenden. Mögen daher diejenigen, welche in richtiger Erkcnntniß der Wichtigkeit dieser Anstalt und

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