Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 88 (7.11.1904)
- Date
- 1904-11-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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der Thora gehabt hätten, würden sie schriftlich und nicht mündlich übermittelt worden sein. Ferner bedenke man, daß es unter den rabbinischen Bestimmungen auch solche gibt, die ihre Entstehung einem Ereignisse zu verdanken haben, das zur Prüfung und Läuterung Israels von Gott gesandt wurde, das also nicht vor der Zeit seiner Wirksamkeit enthüllt werden konnte. Welchen Sinn hätte die Heldenthat der Hasmonäer gehabt, hätte die Thora vorher bereits gesagt, daß es eine Ehanuka, ein Siegesfest gefeiert werden würde. Welchen Sinn hätte Hamans Auftreten gehabt, hätte die Thora vorher gesagt. daß, da der Stolz des Tyrannen mit einer schmahlicben Niederlage enden würde, Purim gehalten werden müsse?*) Und zum Schluffe: Würde uns die ganze Thora auf einmal, in trockenen Lehrsätzen gegeben worden sein, sie wäre längst nicht mehr, weil Juden nicht mehr wären. — Nie und nimmer hätte das Judenthum vermocht, dem fanatischen Haffe, der feindseligen Tücke seiner mächtigen Bekämpfer Widerstand entgegenzusehen, wenn es keine Lehrbäuser gehabt hätte, wo es sich Geilt und Gemüth, Gefühls- und Gedankenleben mit dem milden Feuer seiner Wissenschaft erfrischen und durchwärmen hätte können. Geschändet und geächtet, heimath- und bodenlos, wie es war, hätte es sich in mittelpunktslose Atome aufgelöst, es wäre längst von der Schaubühne der Geschichte verschwunden, wenn es keinen gemeinsamen geistigen Boden gehabt hätte, wenn nicht das Band der Thora es als einheitliches Ganzes umschlungen hätte. Während draußen das Schwert rasselte, die Völker gegen einander Vernichtungskriege führten, saß Jakob in seinem Lehrhause und war nur darauf bedacht. das Licht des Geistes zu erhalten; während draußen mörderische Schlachten geliefert, die Wahl- Plätze mit Leichen besät wurden, um weitere Bodenstrecken zu erringen und ihre Bewohner zu untersochen —- saß Jakob in seinem Lehrhause, um die Bodenstrecken seines Wissens, seiner Erkenntniß, zu erweitern und erntete unblutige, geräuschlose Lorbeeren. Während draußen der finstere Haß die Geister umnachtete — Sittenroheit und Barbarei Orgien feierten — saß Jakob in seinem Lehrhause, erhellte es mit dem Lichte der Thora, gerade dadurch, daß er über das ominösr Ei, das nicht gelegt wurde, brütete. — Und dieses Verhalten, das er bekundete, daß er unentwegt an seinem Standpunkte festhielt und inmitten einer Welt von stttlicher Entartung geläuterte Religiosität, Reinheit der Sitten und Lebensheiligkeit lehrte und pflegte — dieses Verhalten, um dessentwillen er früher so hart Gehandelt wurde, flößte schließlich seinen grimmigsten Gegnern Achtung ein und sie *) Brgl- Jkarim. 3,23. schloffen Frieden; und das Geschick, daß JSrael zuerst wegen der Thora bekämpft, dann aber gerckde wegen derselben Thora anerkannt und geachtet werden wird, dieses Geschick wurde schon beim Berge Sinai angedeutet. Donner rollten. Blitze zischten, die Natur schien aus ihren Fugen gerissen zu sein — der Tag aber., wo das Volk die Lehre bekam, war Sabbat, der Tag der Ruhe, des Friedens.*) Wegen der Thora, die das Volk durch das Labyrinth der Zeiten führt, wird so mancher Sturm, ent- , fesselt werden — das Ende aber wird Frieden sein! Ei« UrlheU des DerwaltungSgerlÄtthsfein iüdische» Vereinssache«. Wien. 3. Nov. Es bestehen .in Oesterreich mehrere hundert israelitische Humanitätsvereine mit dem Zweck, in verschiedenen Formen Almosen zu vertheilen. Ist es einem solchen Vereine gelungen, durch sorgfältige Verwaltung sich einen Reservefonds für künftige Zeiten zu ersparen, dann trat schon oft an dieselben die Pflicht heran, von seinem den Aermsten «jjJ* widmeten Vermögen einen Theil an den Staatsschatz in Form des Gebühren Aeqnivalents abzugeben. Diese im Gesetze begründete Verpflichtung besteht jedoch nicht unbedingt und ist es nur der llnbeholfenheit mancher Vereinsverwaltungen zuznschreiben, wenn diese Vereine bjsher die Befreiung vom Gebühren-Aequivalente nicht erwirkt haben. Der Verwaltungsgerichtshof sowohl als auch das Finanzministerium haben die hochherzige Ansicht ausgesprochen. daß auch die Humanitären Vereine den Anspruch auf die Befreiung erheben können, wenn nach den Statuten das Vermögen des Vereins dauernd dem Vereinszwecke gewidmet wird und demselben nicht entfremdet werden darf. Um eine diesbezügliche Entscheidung des Verwaltnngsgetichtshoses zu erwirken, hat der Verein „Hachnusas Kalah" in Krakau eine Beschwerde bei dem Verwaltunzsgerichtshofe etngebracht, welcher das nachstehende Urtheil^datirt Wien, 14. September 1904, gefällt hat. ..Der k. k. VerwaltungSgerichtshos hat unter dem Vorsitze des 1!. zweiten Präsidenten Dr. Freiherr» von Lemayrr über die Beschwerde des Verein- ,Hachnusas Kalah" in Krakau gegen die Entscheidung des t. k. Finanzministeriums vom 3. Dez. 1963. Lei!, ein Gebührenäqnivalent, nach der am 14. Sept. 1904 durchgeführten öffentlichen, mündlichen Äerhandlütig. und zwar nach Anhörung des Vortrages des Steteren*' ten, sowie der Ausführungen des Dr. Julian Peiper,. Advokaten in Krakau, in Vertretung der Beschwerde, und der Gegenaussuhrungen der t k. Mimsierial-Dize, •) Traetat Sabbat. 86.