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Der Israelit · 1904-11-07 · Heft 88 (7.11.1904) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 88 (7.11.1904)
Date
1904-11-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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an den Konferenz verschicken. Die Konferenz soll tagen in Frankfurt a. M. Es ist hervorzuheben. daß an der Sitzung des geschäftsführendeu Ausschusses des Hilfsverins der deutschen Juden angesehene Mitglieder anderer großer humanitärer jüdischer Gesellschaften Theil genommen Hoden. Nochmals mag betont werden, dass der nach Frankfurt zu berufenden Konferenz nicht die Aufgabe gestellt ist. die Auswanderung mit Geldmitteln zu unterstützen und damit die Auswanderung voraussichtlich in unübersehbarer Weife zu steigern. Es soll in erster Reihe eine Organisation geschaffen werden, um solche Personen Osteuropas, die ihr Vaterland verlassen wollen, unentgeltlich darüber aufzuklären, unter welchen Bedingungen eine Auswanderung überhaupt nur vortheilhaft erscheinen kann, welche Reiserouten die billigsten sind und um alsdann durch Ueberwachungskomitees längs der Reiseroute die Auswandernden vor Ausbeutung und Uebervortheiluug zu schützen. Ruhestörungen russischer Reservisten. Petersburg, 2. Rov. Die „Ruff. Telegr.- Agent." meldet: In Anbetracht der im Auslande verbreiteten. jedoch stark übertriebenen Gerüchte vor groben Ausschreitungen, die von einberusenen Reservesoldaten in verschiedenen Ortschaften Westrußlands begangen sein sollen, sind wir ermächtigt, mitzutheilen. daß Konflikte zwischen Reservisten und Offizieren nicht stattfanden und daß die russische Intendantur in keiner Weise Grund zu Ausschreitungen gab. Auf obrigkeitlichen Befehl waren an den Einberufungspunkten die Branntweinhandlungen geschloffen worden. Die Reservisten erstanden jedoch für theures Geld heimlich Schnaps bei Juden. In der Trunkenheit gaben die Einberufenen dann ihrer durch den theureu Preis des Branntweins hervorgerufenen Wuth durch Zertrümmerung jüdischer Läden Ausdruck. Die Erbitterung der Christen gegen die Juden wurde in diesen Orten auch dadurch hervorgernfen, daß die letzteren in großer Zahl desertirten. wodurch die christlichen Reservisten gezwungen wurden, die im Heer entstehenden. Lücken auszufüllen. Die Mehrzahl der Deserteure sind Juden und die Woblthätigkeitsgesellschafien in Lemberg erwiesen ihre Fürsorge wicht den Kernruffen. Die von jüdischen Deserteuren verbreitete» Gerüchte, nach denen die Familien der Deserteure strengsten Strafen unterliegen und sogar angeblich nach Sibirien verschickt würden, sind vollkommen aus der Lust gegriffen. . Diese Darstellung der Russischen Telegraphen- - Agentur.-so schreibt die „Frankfurter Zeitung", weicht von den zuerst von ihr verbreiteten Mittheilungen erheblich ab. Danach wurden einige zwanzig staatliche : Branntweinläden verwüstet. Wie es scheint» will man mit dieser nenen Darstellung den ungünstigen Eindruck verwischen, den die gestrigen Meldungen über die Ruhetorungen durch Reservisten im Gouvernement Kiew, außerhalb Rußlands, hervorgerufen haben. Feuilleton. irjam historische Erzählung aus dem 16. Jahrhundert, von Vvltzuv Skevu. i« Man hörte nicht auf ihn, und bald lag er gefesselt auf dem Boden. „Bringt ihn in den Thurm und laßt ihn nach einigen Tagen laufen, wenn er wieder zur Vernunft kommt/ entschied Graf Heinrich. So verfuhr man zur damaligen Zeit mit Wahnsinnigen;; entweder, man sperrte sie wie Verbrecher in das Gefängnis, ein. oder man überließ sie ihrem Schicksal und ließ sie im Lande heimathlos umherstreichen. Die Verhandlung nahm wieder ihren Fortgang. Nochmals richtete.Bauerfeld die Aufforderung an Rüben, seine Schuld osten zu bekennen. Vergebens; wiederholt betheuerte er seine Unschuld. „Ich will sehen, ob Du bei der Tortur ebenfalls . so hartnäckig leugnest." rief jetzt Graf Gersdorf, „man bringe die Folterwerkzeuge." Mit Entsetzen sah jetzt Rüben, wie die Folterwerkzeuge nach einander herbeigeschleppt wurden. Da waren Schrauben, die sogenannten Daumenschrauben, mit denen man den Gefolterten die Finger zerquetschte, ferner der spanische Stiesel, ein im Innern mit scharfen Messern versehener Stiefel, der den unglücklichen Gefangenen die Füße zerfleisHte - und sie für ihr Leben lahm machte. Zuletzt wurden noch eiserne Zangen gebracht, die auf dem Feuer glühend gemacht wurden. „Ich denke, das wird genügen." rief der Graf lachend, „wenn der Jude dann immer noch nicht gesteht, dann können wir ihn laufen lassen." Rüben horte kaum mehr, was der Graf sagte, seine Gedanken weilten anders wo; er dachte an Mirjam. an seinen Oheim, den Rabbi; ein unbeschreibliches Angstgefühl hatte sich feiner bemächtigt. Ihm schauderte, wenn er daran dachte, daß ihm jetzt durch diese entsetzlichen Marterinstrumente die Glieder zerrissen werden sollen, sollte er nicht diese Qualen durch ein Wort ablenken. Lange schwankte er, ob er nicht vor dem Foltern die Schuld, die er nie begangen hatte, bekennen sollte; dann waren ihm doch wenigstens die schrecklichen Schmerzen der Tortur erspart geblieben, denn, verloren war er doch, darüber war er sich längst im Klaren, lind gerade deshalb-wollte er nicht im letzten Augenblick schwach sein, man sollte ihp» nicht

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