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Der Israelit · 1904-11-07 · Heft 88 (7.11.1904) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 88 (7.11.1904)
Date
1904-11-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1873 nachsagen können, er habe sich gefürchtet, und nur deshalb gestanden. Auf Befehl des Grafen traten jetzt zwei Henkersknechte ein, und die Tortur begann. Ohne eine Klage auszustoßen liest sich Rüben nacheinander die Finger der einen Hand zerquetschen. Schon machten die Henker Miene, ihm auch dü^andere Hand zu zerfleischen, da schloß Rüben die Augen und fiel dem einen bewußtlos in die Arme. Da rief der Baron Bauerfeld: „Foltert ihn, bis er wieder zu sich kommt, und wenn er dabei stirbt, so mag er in die Hölle fahren." «Rein, haltet ein," befahl der Graf, „verschieben wir es auf einen anderen Tag, bis er sich wieder erholt hat. Bringet ihn jetzt wieder in das Gefängniß zurück!" Gr sah ein, daß es nur unnöthige Grausamkeit sei, den Bewußtlosen weiter zu martern; was er mit Rüben gewollt hatte, war erreicht: Der Nebenbuhler war unschädlich gemacht, jetzt galt es nur noch, den Preis zu errinqen, für den er Rüben geopfert hatte. IX. Endlich erwachte Mirjam aus ihrer Betäubung. Ihre Glieder schmerzten sie von dem Fall und nur mit Mühe konnte sie sich erheben. Dem Stande der Sonne nack mußte es schon Nachmittag sein. Jetzt kam ihr das Gedächtniß wieder. Nichtig, sie hatte aus dem Fenster gesehen, und war da heruntergefallen. Und was hatte sie gesehen? Wenn sie nur wüßte, ob die Gerichtsverhandlung vorüber war und wie es mit Rüben stehe. Sie verging fast vor llngeduld, vergebens hoffte sie, daß der Graf komme und sie aus ihrem Gefängniß befreie. Endlich hörte sie Tritte auf dem langen Gange; er mußte es sein. Doch es war jemand bei ihm und laut lachend unterhielten sie sich. „Ich glaube, der Jude macht nicht mehr lange," hörte sie eine ihr unbekannte Stimme sagen. „Nm so besser." antwortete der Graf, „da brauchen wir auch nicht lange über ihn zu Gericht zu sitzen." Mirjam hatte jedes einzelne Wort gehört, und, als sich die beiden wieder entfernen wollten, schlug sie in wilder Verzweiflung so an die Thür, daß sich der Baron erschrocken umwandte. „Gehe Du nur weiter. Bauerfeld, das Klovfen gilt mir. ich werde aber bald wieder bei Dir sein." Mit diesen Morten ging er zur Thür von Mirjams Gefängniß und schloß auf. Ein Modergeruch wehte ihm entgegen, als er die Thür öffnete; es that ihm leid, daß er Mirjam, die er so überaus liebte, hier eingesperrt hatte. Mit sanfter Stimme wandte er sich an sie: „Verzeih' mir, wenn ich Dich so lange hier zurückhielt; hier in diesem Raume. Aber nur meine unaussprechliche Liebe zu Dir hat mich dazu gebracht." „Deßhalb wollt Ihr auch meinen Bräutigam morden, weil Ihr mich so liebt," entgegnete sie bitter. l „Zürne mir deßhalb nicht, Mirjam, Dein ehe- ' maliger Bräutigam wird nur die verdiente Strafe erleiden, durch zwei Zeugen ist seine Schuld erwiesen. - Er selbst hat zwar nichts gestanden ..." i „Er konnte nichts gestehen, da er unschuldig ist," ' . unterbrach ihn Mirjam. j „Ich denke aber, er wird noch gestehen, wevn —. — er nicht bald für ewig stumm wird." - Wie vom Blitze getroffen schnellte Mirjam aus. „Sieht es so schlimm mit Rüben, ist er gar schon todt?" stieß sie hastig hervor. „Nein, nein." besänftigte sie der Gras, „er ist nur nach der Folter noch nicht wieder zum Bewußtsein ge-' kommen und ein schweres Fieber scheint im Anzug zu sein; wie es werden wird, das kann niemand im Voraus sagen." * „Ihr seid sein Mörder!" schrie Mirjam ihn an, ..ich durchschaue Euch, um den Nebenbuhler los zu werden, mußtet Ihr ihn langsam morden; die Zeugen, die die Schuld Rubens bezeugten, sind falsch, von Euch bezahlt, um falsch auszusagen, die Richter verurtheilten den Gefangenen, bevor sie nur fragten, warum er angeklagt sei, ich kenne Eure Pläne. Pfui über Eure Gerechtigkeit!" «Ich sehe, es ist mir unmöglich. Dich zu überzeugen, wie Unrecht Du mir thust; aber jetzt komme heraus aus diesem öden Gemache, dieser Raum ist nichts für die künftige Gräfin Gersdorf." Ein kurzes höhnisches Lachen war Mirjams Antwort, und als sie an die große Haupttreppe kamen, machte Mirjam Miene, dieselbe herabzusteigen. Doch der Graf hielt sie mit den Worten zurück: „Halt, hier ist Dein Weg, wo willst Tu denn da hin?" «Wo ich hin will, das fragt Ihr auch noch? In « das Gefängniß will ich, zu Rüben, ihn zu pflegen oder -mit ihm zu sterben." * Die letzten Morte hatte sie kaum hörbar gelispelt. und der Graf hatte sie auch nicht verstanden. «Ha," entgegnete er ihr. „da habe ich doch auch noch ein Wörtchen mitzureden; Du bleibst hier, jener Jude geht Dick nichts mehr an. Er ist Deiner Pflege nicht werth, laß ihn mit seinen Sünden beladen abfahren." Mirjam maß ihn mit einem verächtlichen Blick. Doch sie besann sich, wenn sie bei dem Grafen etwas erreichen wollte, so mußte sie, wenn auch nur zum Schein, seinen Willen thun. Ein Gedanke durchzuckte ihr Gehirn, sie wollte suchen, zu Rüben in's Gefängniß zu kommen, selbst wenn sie, um dieses erreichen zu können, dein Grafen ihr Jawort geben mußte. Im Gefängniß wollte sie dann Rüben pflegen und versuchen, mit ihm zu entfliehen, oder mit ihm unterzugehen. Ein Drittes gab es nicht für sie. Sie wandte sich deßhalb flehend an den Grafen: „Laßt mich nur einen Tag, nur einige Stunden .zu ihm in's Gefängniß. ich weiß es, meine Anwesenheit

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