Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 88 (7.11.1904)
- Date
- 1904-11-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449986-2450065--61728-2524640- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
186S fügen.* Er ist weder richtig, noch gehört er in den gegebenen Zusammenhang (S. Ehoreb Kap. 77). Ebenso wären die gewiß tiefen pädagogischen und theologischen Erwägungen zu erörtern, daß in einem Lehrbuche, das „den gesammten Lehrinhalt des Judenthums in seinen wichtigsten Momenten erschließen will", die Beschneidung (rfrc) leine Erwähnung findet, wogegen von Pidjon-Ha-Ben mit überflüffiger Ausführlichkeit gelehrt wird: „Das erstgeborene männliche Kind wird . . . . durch eine einem Cohen zu entrichtende Spende von 5 Schekel, ca. 10 Mark, ausgelöst (S. 81)." Aber schon das wenige Angeführte dürfte genügen, jeden selbstständig denkenden und kritisch prüfenden Leser — auch wenn er sonst unserem Standpunkte fern steht — Zu überzeugen, daß dieses Lehrbuch in seiner jetzigen Gestalt kaum geeignet ist, dem angeblich bestehenden dringenden Bedürfnisse wirksam abzuhelfen. Das Buch ist uns ein Beweis dafür, daß auch liberale Theologen mit der Mittheilung bloß allgemeiner religiöser Grundsätze und eines ethischen Deismus in der Schule nicht mehr auszukommen glauben und den Stoff durch mehr gesetzlichen Inhalt und praktische Sittenlehre erweitert wünschen. Und diese Wahrnehmung hat uns mit Befriedigung erfüllt. Von anderer Seite wird uns über dasselbe Buch geschrieben: Wohl kein Gebiet in der jüdischen Litteratur hat eine solche Fülle von Schriften und Werken zu verzeichnen als das der systematischen Religionslehre. Wenn man die einzelnen überschaut und beurtheilen will, so find wohl alle pädagogischen Ansichten und Lehrmethoden darin vertreten. Als ich nun kürzlich in einem Berichte über die letzte bayerische freie Rabbiner-Konferenz von dem Erscheinen eines neuen „Lehrbuches der israel. Religion" Kenntniß erhielt, war ich als Lehrer natürlich sehr gespannt, was uns wieder auf's Reue geboten, welche Unterstützung wir erhalten, welche Erleichterung wir in unserer Berufsthätigkeit erfahren sollten. Es intercffirte mich dies um so mehr, als es speziell für die oberen Klassen der Mittelschulen bestimmt, da muß doch wohl schon etivas Kräftiges und Kernhaftes geboten werden. Zuerst fürchtete ich, es könnte dem Herrn Verfasser (als Reformrabbiner) die Methodik des jüdischen Unterrichts von Herrn Dr. Maybaum in Berlin zu Grunde gelegen sein, der auf Seite 65 besonders empfiehlt, in den höheren Schulklassen die Göttlichkeit der Tbora zu leugnen. Um nun ebenso meine Wißbegierde zu befriedigen, wie über meine Befürchtung Gewißheit zu erlangen, verschaffte ich mir sofort das fragliche Lehrbuch. Beim oberflächlichen Einblick in das genannty Werk-wurde» ich an jene Talmudstelle bei rnw "i erinnert nnx 'crwia'j *pa torep aus dem allgemeinen Anblick der Einkleidung, aus der Zustimmung orthodoxer Rabbiner, hätte man glauben können, der Verfasser huldige in seiner Arbeit der „schwarzen" Richtung. Aber beim Eingang in das Lehrgebäude selbst, beim Betreten der inneren Raume, bei der Umschau in die Eintheilung und Ausführung wurde ich eines andern, nicht bessern belehrt. Es drängten sich mir manche Zweifel auf. ob ein solches Buch wirklich mit gutem Gewissen den Schülern der oberen Klassen der Mittelschulen empfohlen werden könne, ob nicht vielmehr in manchen Abschnitten, bei der Behandlung mancher Themata jener talmudische Sah anwendbar Kiaa 3«. Ich will meine Bedenken durch einige Beispiele begründen und zwar: Bekanntlich gehört zu den ersten Glaubenssätzen p'mm Q’ctpn die Anerkennung der Göttlichkeit der Thora, aber diese Fundamentallehre vermissen wir in diesem Buche; auf Seite 8 ist der Inhalt der sinaitischen Offenbarung blos mit den 10 Geboten dargelegt; bei der Zusammenfassung der Glaubensartikel fehlt die Angabe der Göttlichkeit der uns durch Mosche überlieferten Thora. Seite 31 wird der Grundsatz vermißt, daß die Halacha gleichen Ursprungs wie das schriftliche Gesetz ist; die Verweisung auf 8 42 kann dies um so weniger ersetzen, als dort die Worte nafci ctw fc eigenthümlich interpretirt werden, als hätte Mosche diese Satzungen s e l b st gegeben, was doch ebenfalls mit unseren Glaubensartikeln in krassestem Widerspruche steht. Das Verbot der Nachahmung fremder Religionsgebrauche fehlt. Seite 81 wird nninv ntaro «sw, was doch bekanntlich ma niem ist, mit einer „vielfach noch vorhandenen Scheu der Israeliten, das erstgeborene Junge eines ihnen gehörigen Viehes zu schlachten," bezeichnet!! Seite 82 ist bezüglich der Wichtigkeit des Tauchbades eine zweideutige Auffassung sehr leicht denkbar. Seite 84 ist die Motivirung des Rafi^verb o t e s sehr bedenklich und gibt fast.Anlaß, zur Annahme. als sei das Rasiren jetzt erlaubt. ' Ich will für heute mit meiner Äufführung schließen und dürften diese Zeilen zur Vorsicht wegen Einführung dieses Buches wohl genügen. 313 d? et f. Von Dr. Raphael Gugerrheiurer, WaSbiner rtt Kottn. Es gibt wohl wenige Ereignisse, auf die der'Jude als auf das Höheziel musiergiltiger Gottesfmchk mit mehr Begeisterung hinweist, als auf Akedäth' tzizchak. Schon in dem elften Wortö ber Thora nvrrm fand man die Buchstaben der Worte;iw nia^ und eriNnttte an 1) mm*» - *a pp»i> wpa. '