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Der Israelit · 1904-11-07 · Heft 88 (7.11.1904) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 88 (7.11.1904)
Date
1904-11-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1868 überflüssige, übrigens auch falsche Bemerkung, wonach **3 *Rpo mn nee), als verpflichtend gelehrt wird. Dichter und Gelehrte bieten in ihrem Verhalten oft manches schwere Räthsel dar, woher das vulgäre Sprichwort: „Gelehrt—verkehrt" stammt. Wir haben schon oft bemerkt, daß Theologen und Philosophen, die einem reinen Rationalismus huldigen, unbewußt einem in ihnen schlummernden Zuge der Romantik und Mystik erliegen. Auf ähnliche Gemiithsaffekte wird man bei Herrn Dr. Groß bei Abfassung dieses Buches schließen müssen. Der Erkenntniß hingegeben und in die Darstellung der Religionsforderungen seiner Glaubensgemeinschaft vertieft, mutz er den Blick für das reale Verhältniß, in welchem er zu diesen Vorschriften steht, verloren haben. Möglich hat er den Satz vr-o nvwn so uw ntryon auch von dem religiös-geistigen Gut verstanden, das mit Eifer und Hingebung anderer zu vermitteln er sich vorgesetzt. Wir wollen uns an dieses Räthsels Lösung hier nicht weiter versuchen: aber wichtiger ist die pädagogische Frage: ob es wohl geeignet erscheint, Kinder zu einheitlichen, harmonisch empfindenden Wesen zu bilden, wenn sie sehen, daß ihnen das als Norm und Satzung hingestellt und vorgetragen wird, was der Lehrende selbst in seinen! Bewußtsein nicht empfindet und in seinem Leben nicht erfüllt. Das Buch soll ja auch '„der jüdischen Jugend inmitten der religiösen Zerrüttung, der sie besonders während ihrer Universitätsstudien ausgesetzt ist. ein treuer Führer sein". Das kann es aber nur, wenn „die sich immer erneuernde Erinnerung an den empfangenen Unterricht" nicht durch eine solche, die ihm den. klaffenden Widerspruch zwischen Lehre und Leben des Lehrers in's Gedächtnitz ruft, getrübt wird. In der Schule läßt sich ja dieser Widerspruch vermeiden, indem nur die Theile durchgenommen werden, die allgemeine Grundsätze des Glaubens und der Moral betreffen und bei denen (mit Ausnahme etwa der Messiasidee) Parieitendenzen nicht 'vorzuwalten pflegen. Reichlich zwei Drittel des Buches sind der Darlegung dieser bloß allgemeinen Principien des Judenthums gewidmet. Sie sind mit Verständnitz behandelt und in ihren Zusammenhängen geschildert, und an ihre unterrichtliche Durchnahme denken wohl viele der Herren, die für die Einführung sich ausgesprochen, ohne daß ihnen der Gesammtinhalt Zusagen kann. Nachdem aber das Buch für denkende Schüler berechnet, auch zur freien Auswahl seiner Themata durch eine Prüfungskommission bestimmt ist. dürfte die Absicht des Unterfchlageüs Und Vorenthaltens kaum zu dem Ziele, bei Benützung, über den Widerspruch zwischen Lehre upd. Leben hinp'egzukommen. führen.' Welches Maß der Äeife der Äerfässer bei den Schülern, die sein Buch benützen sollen, voraussetzt, zeigt sich äußerlich in der nicht leichten sprachlichen Darstellung — langer Satzbau mit vielen Einschachtelungen und häufige Anwendung von Fremdwörtern über die zur Begriffsbestimmung notwendige Begrenzung hinaus —, in die er seine Arbeit gekleidet, und inhaltlich darin, daß er auch auf die Behandlung solcherThemata, die einigermaßen philosophische Schulung voraussetzen und die ihrer Natur nach in einer wenig stringenten Beweisführung endigen, nicht verzichtet hat. Wir bezweifeln, daß der Erkenntniß oder der Religiösität damit gedient ist. wenn eine Lösung des Problems „göttliche Vorsicht und menschliche Willensfreiheit" oder die Erweisung des „Daseins Gottes" mit dem Eingeständnitz unternommen und beschlossen wird, sie sei eigentlich einwandfrei nickst zu geben. Da waren schon unsere alten Lehrmeister. die auf die morschen und haltlosen Stützen wissenschaftlicher Beweisführung auf solchem Gebiete verzichtet haben, viel klüger, mnn ruiiui ivx steht bei ihnen als Glaubenspostulat, für welches sie keine Begründung geben. Wohl sind im Geiste unserer Religion die Versuche berechtigt, welche Denker unternommen haben, nach der Offenbarung das Dasein Gottes und das Wesen seiner Eigenschaften noch durch Vernunftgründe zu erweisen. Allein nicht alle religiösen Wahrheiten können Erkenntnißwahrheiten sein und das vergebliche Bestreben sie zu solchen zu machen kann in den Kopsen der Jugend leicht Verwirrung erzeugen und mehr schaden als nützen. So wohlgemeint darum der Versuch des Verfassers sein mag. die Schüler der höheren Mittelschulklassey beim Religionsunterricht in das Gebiet der Spekulation und Metaphysik hinüberzuleiten und ihnen die Glaubenslehre des Judenthums religionsphilosophisch zu erklären und zu begründen, so stehen dem doch auch mancherlei Bedenken entgegen. Bei dem subjektiven Charakter dieses Theils des Lehrbuches erscheint es unangebracht, einzelne Ausstellungen zu erbeben und beispielsweise anzuführen, daß wir für das Vorkommen der Unsterblichkeitslehre in der Tbora bei jüdischen Religionsphilosophen (s. Raschi 1 M. 49. 29; Ramban III. M. 18. 20; Aden Esra V. M. 11, 22; Chiskuni dgs. 11, 24; Efrajim Lonschitz Com. III. M. 26. 12 n. a.) bessere Beweise gelesen haben, als sie der Verfasser auf S. 32 bietet. Die Citate sind ja im Allgemeinen passend gewählt; dafür, daß das hebräische Wort m nicht bloß Nächster im Sinne des Volks- oder Glaubensgenossen bedeutet (S. 190). wäre der Hinweis aus II. M. 11. 2. den bereits Dachja Bibelkommentar II. M. 20,13 hat. besser als die Belegstelle des Verfassers, auf welche der talmudiscke Satz "px «rw 'pi? angewendet werden kann. Wir baben in dieser Besprechung nur einige allgemeine Gesichtsvunkte hervorgehoben, ohne auf Einzelheiten näher einzugeben. Denn dieses Einzelne kurz zu behandeln, ist sehr schwierig: Wie vieles wäre beispielsweise zu dem auf S. 84 kurz hingeworfenen Satz zu bemerken: „Zn den Speisegesetzen ist noch das Verbot des Genusses des Weines der Libation hinzuzu-

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