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Der Israelit · 1904-11-03 · Heft 87 (3.11.1904) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 87 (3.11.1904)
Date
1904-11-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1852 unmittelbar, daß alle Israeliten. Schuldner wie Gläubiger, in Freiheit gesetzt wurden. Aber der „Vertraute" sah, daß er mehr zu gewinnen hatte, wenn er die Interessen des Gouverneurs von Djarum wabrnahm und machte sich dessen Ansichten in dem Grade zu eigen, daß die Juden gegenwärtig ebenso leiden wie früher. Erst von einem „Hokm" des Gouverneurs von Schiras selbst wird eine Besserung zu erhoffen sein. Hundertjähriges Bestehe». B e r l i n . Kl. Olt. Tie im Jahre 1804 begründete vortreffliche „Gesellschaft Marine Reim Verein zu gegenseitiger Hilfe'', blickt in diesem Jahre auf ihr hundertjähriges Bestehen zurück und wird dieses Ereigniß am 6. November durch ein Festmahl in den Räumen der „Gesellschaft der Freunde" feiern, dem am Vormittag die hundertste General-Versammlung im Saale des Brüdervereins vorangehen wird. Die Zahl der Mitglieder hat sich im letzten Jahre um 135 vermehrt und beträgt gegenwärtig 1494. darunter 53 lebende und 242 verstorbene immerwährende. Im Jabre 1903 betrugen die Einnahmen 35,731.25 Ml. (darunter Jahresbeiträge 10.988. Zinsen 10.877.25). die Ausgaben 16.702.39 Ml. (davon für Unterstützungen 14.150 M!.). Las Kapital 324.782.60 Mk. Die Wittwen- und Waiscn-Anstalt vereinnahmte 11,617.29 Mark und verausgabte für Unterstützungen 11,267.29 Mark. Das Vermögen beläuft sich auf 119.033.61 Mk. Ein Arierparagraph. Wien, 25. Okt. Mit einem kleinen antisemitischen Scherz hat sich der niederösterreichische Landtag seine Zeit vertrieben. Er hat nach einer von liberaler Seite mit übertriebenem Pathos geführten Debatte den Antrag des ..Gewerbeförderungsausschuffes" angenommen. zwei Landesstiper.dien zu je 600 Kronen der Exportakademie zuzuwenden, jedoch mit der Bestimmung. daß diese Stipendien nur christlichen Bewerbern zugetheilt werden dürfen. Dem Abgeordneten Sturm schien die Christlichkeit des Bewerbers noch keine genügende Garantie für die parteigemäße Vergebung des Stivendiums. und so wurden „auf seinen Antrag statt der Worte „christlicher Religion" die präziser „arischer Rasse" gesetzt. Die Liberalen Strobel. Bloch und v. Lindbeim klagten in beweglichen Worten über die Ungerechtigkeit eines solchen Antrags, es wurde die allgemeine Menschenliebe und das Staatsgrundgesetz angerufen, alles vergeblich. Die Majorität war es ihrer Parteitreue schuldig, daß sie den Antrag in seiner schärfsten Form annahyr, nachdem zuvor noch der Referent. Ritualmordspezialist Schneid» an schiefgetretenen Damenschuhen den Nachweis geführt habe, wie die jüdischen Exporteure das österreichische R-nommc'e im Auslände untergraben. Etwas weniger humanes Patho und etwas mehr Humor wäre viekleichr die richtige Waffe im Kampfe gegen diese christlichen Gewerberetter gewesen, denen es sich doch ausschließlich um eine kleine Demonstration für ibre Callerie gehandelt hat. Denn faktisch ist der Antrag ganz bedeutungslos. Die Stipendien werden vom antisemitischen Landesausschuß vertheikt, der ohnehin keinem auch nur entkernt jüdischer Abstammung verdächtigen Bewerber seine Gunst zuwenden würde und ernstlich angewendet könnte der Arierparagraph auch zu recht kuriosen Ergebnissen fuhren. Man erzählt in Oesterreich von einem Werke, das zu Beginn der antisemitischen Bewegung einiges Aufsehen erregt haben soll. Es wurde darin der Bersuch unternommen, an den österreichischen Adelsgeschlechtern nachzuweisen, wie verjudet das Land schon sei. und der gelbe Fleck erschien über so mancher vielzackigen Krone. Plötzlich wurden die Fortsetzungen des lieferungsweise erscheinenden Werkes eingestellt. Die Autoren, zwei Leute von kleinem Adel, waren durch ihre Recherchen zu der traurigen Erkenntniß gekommen, daß auch sie selber nicht ganz reine Cherusker seien; von da an hat sie die ganze Sache nicht mehr „g'freut". Nun müßte der Scher; wieder bei den kleinen Leuten beginnen, und dabei könnte das Rassenbewußtsein so mancher Parteigröße einen argen Stoß bekommen! Darauf hätte man spottend Hinweisen und nicht die ewigen Menschenrechte in der rriederksterreichischen Landstube anrusen sollen. Personalien. Westheim bei Hammelburg. Wenn einer größeren Gemeinde ein einflußreiches Mitglied durch den Tod entrissen wird, so macht sich immerhin eine fühlbare Lücke bemerkbar; um so größer ist der Verlust. wenn derselbe eine nur kleine Gemeinde, wie diehiesige ist, trifft. Leider haben wir durch den Tod des Herrn Benj. Hirschenöerger einen Mann verloren. wie solche heutigen Tages selten in kleinen Gemciden zu finden sind; wie schwer uns dieser Verlust trifft, zeigte sich besonders bei seinem Leichenbegängniß. Obwohl der weitaus größte Theik der Gemeindemitglieder durch ihren Beruf gezwungen sind, tagsüber auswärts sich zu beschäftigen, ermöglichten dieselben es doch, am Veerdignngstage des Verstorbenen rechizertig zu Hause zu sein, um vollzählig demselben die letzte Ehre zu erweisen. Herr Lebrer E i s e n m a n n schilderte in einer ergreifenden Trauerrede die Verdienste des Verblichenen. daß er 13 Jahre Vorstand der israelitischen Gemeinde gewesen, eine große Reihe von Jahren der Verwaltung der politischen Gemeinde angehorte, bei der freiwilligen Feuerwehr, deren Mit-

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