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Der Israelit · 1904-11-03 · Heft 87 (3.11.1904) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 87 (3.11.1904)
Date
1904-11-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1853 Legrunder er gewesen, verschiedene Ehrenämter begleitete; insbesondere hob er dessen Friedensliebe, Freundlichkeit und Gefälligkeit gegen Jedermann hervor, sowie seine große Liebe für Schule und Lehrer. Äußer den Glaubensgenoffen betheiligten sich an dem Leichenbegängniffe die gesammte Verwaltung der politischen Gemeinde, die freiwillige Feuerwehr, sowie noch eine große Zahl von Freunden und Bekannten von auswärts. Auf dem Zcntralfriedhofe in Pfafsenhausen, wohin die Leiche überführt wurde, erwartete dieselbe Herr Disiriktsrabbiner Dr. Bamberger aus Kissingen, der wiederholt die guten Eigenschaften des Verstorbenen in einer längeren Trauerrede hervorhob: daß er strenge Sabbat und Feiertage gehalten, gewissenhafte Neellität in Handel und Wandel zeigte, so daß ihm Jedermann das größte Vertrauen entgegenbrachte. ..Möge der Verstorbene," so schloß Herr Dr. Bamberger, ein "Lw fte für uns alle sein." Die trauernde Gattin und deren Kinder möchten einigermaßen Trost darin finden, daß die Trauer um den Verstorbenen von allen Seiten getheilt wird. Lorsch (Hessen), 23. Ott. Unter größter Betheiligung, ohne Unterschied der Konfession, wurde heute der irdischen Hülle der sel. Frau G. Wolfs Wwe. geb. Lorch von hier, das letzte Geleite gegeben. Von Nah und Fern waren Freunde und Bekannte herbeigeeilt, um der Entschlafenen die letzte Ehre zu erweisen, deren sie sich als jipx in des Wortes ausgiebigster Bedeutung wohl verdient gemacht hatte. Wer die Verblichene näher kennen gelernt hatte, dein drängten sich bei dem Gedanken an die edlen Eigenschaften der Dahingeschiedenen die Worte auf: mzs KXen np-ra ynr nrr inrrvri „Eine herrliche Zierde ist das Greisenalter, auf dem Wege der Gerechtigkeit wird es erreicht." Mit vollem Rechte findet dieser Satz unseres weisen Salomo auf unsere theure Dahingeschiedene Anwendung. Reich an edlen Thaten. begnadet mit einem liebevollen Herzen, erreichte sie das Alter von 73 Jahren. Früh mußte sie durch den Verlust ihres Ehegatten, mit deni sie kaum zwei Jahre verbunden, das Leben von seiner ernsten Seite kennen lernen. Doch als eine Frau geboren und erzogen in acht reinjüdischem Hause wußte sich die theure Entschlafene in ihrem seltenen Gottvertrauen ihrem Geschicke hinzugeben. Ihre tugendhafte Führung, ihre große Willensstärke und menschenfreundliches Entgegenkommen ließen sie gedeihen zum Gliede einer edlen Menschcnkette. War auch ihre geschäftliche Thätigkeit. die sie mannesaleich vertrat, gar des öfteren untermischt von manchem Tropfen bitteren Wermuths, so vergaß sie doch nicht, ihren zwei geliebten Töchtern die peinlich sorgfältigste Erziehung und in ihren» erhabenen Wohlthätigkeitssinn Nothleidenden jeden Standes hilfeleistend Gutes angedeihen zu lassen.. Ein Familienleben, wie es die Dahingeschiedene führte, und dies noch in ihren letzten Tagen ihren theuren Angehörigen gegenüber dokumentirte, kann nur als musterhaft bezeichnet werden: unbeschreiblich war die Harmonie zwischen ihr und ihrer Umgebung. Ihr Haus war gestützt und getragen von den drei Pfeilern, die unsere Weisen nennen mit den Worten Ärt jn Ufte Wahrheit, Gerechtigkeit und Friede, dies waren die Grundsätze, die sich unsere liebe Unvergeßliche zu eigen machte, und die ihr den großen Ruf und das hohe Ansehen sicherten für alle Zeiten. Möge der Allmächtige ihren Äuyeböriaen Trost spenden. .YMMn vermischtes. Berlin. 1. Novbr. Wegen der oft erwähnten Flugblätter des Grafen Pückler ist nun, wie die »Boss. Ztg." meldet, von der Staatsanwaltschaft «nn Landgerichte I daS Strafverfahren sowohl gegen den Grafen Pückler wie gegen den Inhaber der Druckerei H. Mitsching etngeleitet worlttn, Nürnberg. (.Thut nichts, der Jude wird verbrann t!".) Die „Fr. Ztg." erzählt folgendes charakteristische Vorkommniß: „Geht da kürzlich eine Dame auf dem Markt, um Obst zu kaufen. Sie fragt bei einer Bauernfrau nach dem Preise von Birnen und es werden zwanzig Pfennige für das Pfund verlangt. .Ich denke, zwanzig Pfennige sind zu viel für diese Birnen" meint die Dame, „ich will Ihnen fünfzehn für- Pfund grben"^ „Su, sufzia Pfenning för döi scheena Biern I* schreit die Bauernfrau, .,aan su wos z'bieten — so unverschaamt kenna doch ner die Juden san! Oiz machen's. daß weiter kumma — oiz kriagn's von mir gor krni Birn nit, Sie Judi!* Die Dame geht ruhig weiter und findet bei einer Höckerin in der Nähe dieselbe Sorte Birnen. Sie fragt da nach dem Preise und es werden ihr wieder zwanzig Pfennige für- Pfund abverlaugt. Natürlich fällt ihr, nach den soeben gemachten Erfahrungen, nicht mehr ein, »handeln zu wollen* und sie sagt: .Gut — geben Sie mir drei Pfund von den Birnen!* Nebendran stand eine Arbeitersfrau, die anscheinend auch von den Birnen kaufen wollte und den Handel verfolgte. Als die Höckerin die Birnen adwiegt, fragt sie die Dame was diese nun dafür bezahle. „Zwanzig Pfennige fürs Pfund.* .Was', schreit da die Arbeitersfrau wüthend, »zwanzi Pfenning grbe Sie glei — wos bei Fraa verlange tout und nebma glei drei P-und und tenna kaan Pfenning nit handeln. Do sicht mer's widder — asu protzt kenna ner die Juden sein! AN Breis treibu's in die Höh', weil ihna nix z'teier 18!" — Die Geschichte ist vollständig wahr; sie ist vor einigen Tagen einer Freundin von mir auf dem Nürnberger Obstmarkte passirt und sehr bezeichnend! Und daS Schönste dran ist, daß die kaufende Dame gar keine Jüdin war.* Turin, 2. November. Der frühere KriegSmlnister, der kommandierende General deS 1. Armeekorps, General Ottolenght ist gestorben. London. (Der erste Sklavenbefreler ein Jude.) Ein jüdischer Gutsbesitzer auf der Insel Jamaika machte am 28. Juni 1838. dem KrönungStage der Königin

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