Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 87 (3.11.1904)
- Date
- 1904-11-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Leite liegenden alten Folianten mit dickem Ledereinbande auf. Im Hintergründe des Sales saßen ans einer Holzbank zwei zerlumpte Gestalten. Rüben ahnte es. daß es die gegen ihn bestellten falschen Zeugen seien. Die Verhandlung begann. Graf Heinrich führte den Vorsitz und stellte das Verhör an. »Ihr seid angeklagt, falsches Geld gemacht zu haben und dasselbe in Umlauf gesetzt zu haben, bekennt Ihr Euere Schuld??" Rubens Augen blickten starr auf seine Richter, er wußte nicht, was er antworten sollte, so niederschmetternd war diese Anklage über ihn gekommen. „Euere Schuld ist durch Zeugen erwiesen, wenn Ihr leugnet, könnt Ihr Euere Lage nur verschlechtern, gestehet offen, daß Ihr schuldig seid." ermahnte ihn Baron Bauerfeld» „Ich ein Falschmünzer?" schrie jetzt Rüben auf, „bei Gott, ich bin unschuldig:" „Das wird sich ja entscheiden," entgegnete ihm Graf Heinrich. „Die Zeugen sollen vortreten." Die beiden Gesellen traten vor. „Run Johann, erzähle mir jetzt ausführlich, was Ihr bei dem Angeklagten gesunden habt, als Ihr Anzeige machtet." redete der Graf den ersten Zeugen an. ..Also das war so: Wenige Tage bevor der Rüben heirathen wollte, war ich in dem Hause seiner Tante: denn seit seiner Rückkehr aus Frankfurt wohnte cr nicht bei dem Rabbi, sondern bei einer alten Verwandten. in einem benachbarten Dorfe beschäftigt. Er selbst war nickt da, seine Mutter schlief, und neugierig wie ich war, schlich ick mich nach der Stube Rubens. Die Thür war nicht zugeschlossen; ich trat ein und sah mich um. Auf der einen Seite stand ein hohes Gestell mit dicken Büchern, ich nahm eines, doch konnte ich nichts daraus lesen, und schon wollte ich es wieder an leinen Platz stellen, da fielen mir verschiedene merkwürdige Gegenstände auf. die hinter den Büchern lagen. J6) sab genauer hin und da fand ich diese Sachen." Bei diesen packte er verschiedene Gegenstände aus, und legte sie auf den Richtertisch. . Es waren ein Schmelzlöffel, mehrere Geldformen und auch einige Goldstücke, theils fertig geprägt, und theils noch unbearbeitet. Rüben hatte dies alles wie träumend angesehen, jetzt brach er aber los: „Das soll ich gehabt haben, mit diesen Gegenständen. soll ich Münzen gemacht haben, nie und nimmer. es ist gelogen, gelogen, um mich zu verderben." Der Graf that, als ob er ihn nicht hörte, er war seines Opfers sicher. „Fahret fort, Johann, in Eurer Erzählung." „Also ich fand da hinter den Büchern diese Sachen. Ich wußte erst gar nicht, was es war, erst als ich die Geldstücke sah, fiel mir ein, was es sein konnte. Um einen Zeugen zu haben, rief ich dem Peter, der gerade vorüber ging, zu, er solle sich die Sachen ebenfalls ansehen; er kam und kann Euch das gleiche bezeugen." „Was wißt Ihr von der Sache," wandte sich jetzt Baron Bauerfeld an den zweiten Zeugen. Da geschah etwas Unerwartetes. Statt die Aussagen des ersten zu bestätigen, brachte er nur einige unzusammenhängende Worte hervor: „O Gott, — alles ist gelogen. — Der Graf — bezahlt — alles ist unwahr — der Jude ist unschuldig." Ter Graf erbleichte; doch schnell hatte er sich wieder gefaßt, und mit fester Stimme rief er: „Der Mann ist wahnsinnig geworden, seht nur, wie er die Augen rollt! Bindet ihn, daß er niemand etwas thun kann!" Dies schien den Anwesenden einzuleuchten, und von allen Seiten drangen sie auf ihn ein, um ihn zu fesseln. Er wehrte sich jedoch mit Riesenkraft. „Hier diesen fesselt," rief er, auf den Grafen deutend, „diesen, der mich bezahlt hat, um falsches Zeugniß abzugeben! Ich sage Euch noch einmal, der Jude ist unschuldig!" (Fortsetzung folgt.) Der „JSraelit" erscheint wöchentlich Kvelmal, montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Dev Buchhandel verkehr! durch f rinacker, Leipzig, Notzplatz jv. — Inserate25 Pfennig die viergespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zelle im Reclamethell 75 Pfennig. — Directe Francozufendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen öftere., für’8 Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einfenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1015. Inhalt tHLuviblLtt). Rabbi Leopold Lipschltz V'vr. — Ein Pretzorozeß. — Antisemitismus im französischen Heere- — Eine antisemitische Ausbeutung ludifcher Stiftungen. — Zum Ableben des Präses der Ungarischen Orthodoxie. — Der zukünstiae Führer der ungarischen Orthodoxie. — Roch eine Stimme gegen den MiZrachi. — DaS Reglement für die Handelsreisenden. — Ruhestörung« durch russische Reservaten. — Eme Judenbetze im Gouvernement Cberson. — Personalien: Wemel. — Feuilleton- Miriam fFortletninal Inhalt i« crtlea lSeUag«: Brief auS Bersten. — vunderNahrrgeS Bestehen. — Ein Arierparagraph. — Personalien WestheimI Lorsch» — Bermischtes, Inhalt btt DrUag«: Offenbarung. — Jüdischer Religionsunterricht. — Der Prozeß wegen der Judenbetze ln Somel. — Der Tod eines Philanthropen. . Dlätter für jüdische Oeschscht« und LUteratn». LeranLworLlüe T-daeLton: OScar Lehmann in Makz. — Expedition bei Schottstraße Nr- % Muck und Cedaa bet 3 oh. OirthlQ« vosduchdruckere» Actien^Sefellschaft in Hierzu drei Beilage».