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Der Israelit · 1904-11-03 · Heft 87 (3.11.1904) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 87 (3.11.1904)
Date
1904-11-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1848 C&crborf im Ries, 26. Ott. (Unlieb verspätet.) Am Sonntag den 9. d. Mts., ppn im '» feierte dahier Herr H. L. Rosenberger und seine Gattin das Fest der goldenen Hochzeit in Rüstigleit des Geistes und Körpers, umgeben von ihrem ganzen Familienkreise. Schon am Freitag Abend ließ die jüdische Gemeinde durch ihren Rabbiner, Herrn Dr. Kroner und ihren Lehrer als Angebinde einen Stork mit silbernem Griffe überreichen. Am Schabbos gedachte der verehrte Herr Rabbiner in treffenden Worten des Jubelpaars im Anschluß an den Text zu Ehren des Geburtsfestes Ihr. Maj. d. Königin (Hiob 10,12). Am Sonntag erschien die ganze jüdische Gemeinde und viele christliche Einwohner des Ortes in der Behausung des Jubelpaares, um ihre Glückwünsche unter Darreichung von Geschenken persönlich darzubringen. Auch von auswärts liefen viele telegraphische und briefliche Gratulationen ein. Der Jubilar, der im 76. Jahre steht, versieht heute noch sein Handwerk (Bäcker) und ist schon über 49 Jahre als .-.vrn bvz an den Sabbaten und Festtagen in der Gemeinde thätig. Möge demselben vergönnt sein, noch lange Jahre diesen Posten ausfüllen zu können und möge Gottes Gnade über dem Jubelpaare. walten, daß es auch die diamantene Hochzeit feiern könne. Feuilleton. SS t r j a m. Historische Erzählung aus dem 16. Jahrhundert, von pvlyuv Stern. is Willenlos folgte ihm der Rabbi. Bald traten i'e aus der großen Hauptstraße in eine dumpfe, enge Gasse, die Judengasse. Selbst wenn es Tag gewesen wäre, wäre die Gasse dunkel gewesen, so eng war sie. Die Gasse selbst war so eng und außerdem waren die Häuser oben noch einmal so stark vorgebaut, daß man bequem sich von einem Fenster zum anderen die Hönde reichen konnte. Immer weiter ging es; Rabbi Schlaume folgte ganz in Gedanken versunken seinem Führer. Endlich waren sie an ihrem Ziele angelangt, an Jacob's Haus. Dortheilhaft stach dasselbe von den übrigen ab, und man konnte aus den ersten Blick sehen, daß der Besitzer ein vermögender Mann sein mutzte. Er war es in der That. In der ganzen Umgegend war Jacob, der Parneh, als einer der reichsten Juden von Mainz bekannt. Dabei war er aber auch einer der gottessürchtigsten und wohlthätigsten, und es war grötztentheils den beiden letzten Eigenschaften Jacobs zuzuschreiben, dah er schon fett einigen Jahren erster Gemeindevorstand in Mainz war. „Meine Frau wird sich freüen, den berühmten Rabbi von B. in ihrem Hause zu bewirthen/ unterbrach jetzt Jacob beim Eintreten das Schweigen. Rabbi Schlaume antwortete nichts darauf, und schweigend betraten beide jetzt das grotze Zimmer im Erdgeschosse. Herzlich war der Empfang des Rabbi von Seiten der Hausfrau und der beiden Töchter Jacobs, die eine im Alter von 20 und die andere von 18 Jahren. Unterdessen war auch da? Abendbrod aufgetragen worden und nachdem die Männer das Abendgebet verrichtet hatten, ließ sich der Rabbi, der seit drei Tagen nichts Warmes gegessen hatte, die Speisen trefflich munden. Seine Lebensgeister belebten sich wieder, und mit ihnen bob sich auch sein Muth und Gottvertrauen. „Nun erzählt mir aber, Rabbi, wetzhalb Ihr hierher gekommen seid, warum Ihr den Kurfürst sprechen wollt/ Rabbi Schlaume erzählte nun die ganze traurige Geschichte, so weit er dieselbe selbst wußte, von seiner ersten Unterredung mit dem Grafen bis zum Raub seiner Tochter. Ergriffen hörten die Anwesenden ihm zu. „Und da wollet Ihr jetzt den Kurfürst von Mainz als Schutz anrufen/ unterbrach ihn jetzt der Hausherr. „Ja. denn er ist doch wohl der einzige Mann in der ganzen Umgegend, der noch einige Gewalt über den hochmüthigen Adel besitzt, und nun ist noch meine letzte Hoffnung zu Nichte geworden/ fügte er schmerzlich hinzu. „Aber ich kenne Euch gar nicht mehr, Rabbi, Ihr, der stets seine Hoffnungen auf seinen Gott setzte, Ihr verzweifelt, wenn ein Mensch, auf den Ihr Eure Hoffnung gesetzt habt, diese nicht erfüllen kann/ „Ihr irrt, lieber Freund/ entgegnete ihm der Rabbi, „nicht detzhalb verzweifle ich, nie habe ich meine Hoffnungen auf Menschen gesetzt, aber sollen wir denn unthätig verharren und warten bis Gott ein Wunder thut? nein, das dürfen wir nicht, wir müssen selbst unser Möglichstes thun, und ich werde es auch, ich werde nicht ruhen und rasten bis meine Mirjam und Rüben wieder frei sind. Aber oft kommt mir eine düstere Ahnung, als geschehe in meiner Abwesenheit ein Unglück, sei es meiner Tochter oder deren Bräutigam, und dieser Gedanke bringt mich zur Verzweiflung/ „Ihr dürft Euch solch traurigen Gehanken nicht hingeben, Ihr mußt stets den Kopf Hochhalten; Gott wrrd Eure Tochter schützen und ihr Kraft geben, der ' Versuchung zu widerstehen/ »Ja. Gott gebe es/ schloß der Rabbi. „Wer was meint Ihr, was ich zunächst thun soll,!«m ich I 1

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