Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 87 (3.11.1904)
- Date
- 1904-11-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1847 Hausern, Industriellen und Landwirthen. von diesen aber nur für landwirthschaftliche Maschinen und Geräthschaften. Was die zollamtliche Behandlung der Muster betrifft, so wurde für die Länge der Muster, der für die Verwebung bestimmten Garnen von 10 auf 25 Zentimeter erhöht; für jene Muster von Geweben, die durch Lochung unbrauchbar gemacht sind, wurde der bis jetzt bestehende Unterschied zwischen bedruckten und unbedruckten ansgehoben. Schließlich wurden für jene Muster, welche unter Hinterlegung der Zolltaxen für eine bestimmte Frist eingeführt werden, jede Gebühr außerder Stempelgebühr für die Zolldeklaration abgeschaftt. Ueberdies ist der Grundsatz aufgestellt worden, daß für letztere Kategorie von Mustern, wenn ste aus einem durch Handelsvertrag verbundenen Lande herrübren. die Kenntlichmachung durch das Zollamt des Ursprungslandes genügt. Ruhestörungen durch russische Reservisten. Petersburg, 1. Nov. Die Russische Telegraphenagentur meldet aus Kiew vom 1. Nov.: Im Kreise Kanew (Gouvernement Kiew) kam es gelegentlich der am 23. Oktober begonnenen Mobilmachung in einigen Orten wie Kanew, Boguslaw, Stepawzy und Mironowka zu Ruhestörungen durch Reservisten, wobei einige zwanzig staatliche Branntweinläden und andere Läden, sowie einige Dutzend. Israeliten gehörige. Häuser verwüstet wurden. In Boguslaw trugen die Unruhen den Charakter von Ausschreitungen Betrunkener. In Kanew ließ das Ortskommando auf die Ruhestörer feuern, wobei drei Leute verwundet wurden. Auf dem Wege von Radnmysl nach Kiew verwiisteten Reservisten einige Läden und warfen die Fenster einer Anzahl bei Kiew gelegener Villen ein. Die herbeigerufenen Militärkommandos kamen erst an. nachdem die Ruhe wieder eingetreten war. — Aus Kasan wird der Russischen Telegraphenagentur gemeldet, daß dort von Reservemannschaften am Bahnhof Ausschreitungen begangen wurden, weil ihnen die Lieferung von Branntwein verweigert wurde. Militär stellte die Ordnung wieder her. Eine Judenhetze tut Gouvernement Cherson. Alexandria. Ueber eine Judenhetze in Alexandria im Gouvernement Cherson entnimmt die deutsche „Petersb. Zig." russischen Blättern nachstehenden Bericht: Aus Anlaß des Versöhnungsfestes verbrachten die in Alexandria lebenden Juden den ganzen Tag in der Svnagoge, sie konnten also gar keinen Anlaß zu irgend welchen gegen sie gerichteten Ausschreitungen geben. Trotzdem vollzog sich an diesem Tage über die Juden ein entsetzliches Unglück. Ein Haufen Straßenrowdies, verstärkt durch mobiksine Reservisten, warf sich auf die jüdischen Magazine und Buden und demolirte sie. Im Laufe einer Stunde waren mehr als zehn Handlungen demolirt, wobei man charakteristische Metamorphosen beobachten konnte; auf den Köpfen der Weiber sah man neue Tücher und an ihren Füßen neue Schuhe, während die Männer die Maaren aus den Laden in Haufen hinaustrugen, sie auf Fuhren legten und sich mit ihnen entfernten. Der Raub wurde am hellen lichten Tage vor den'Augen aller vollführt. Das Gejohle und Pfeifen eines halben Hundert Banditen erfüllte die Luft; ein anderer Haufe wiederum plünderte in aller Ruhe ohne Geschrei die jüdischen Magazine. Als der Haufe sich der Svnagoge auf dem Zuge durch die Stadt näherte, geschah etwas Fürchterliches. Wie es heißt, ist die Menge durch abgegebene Revolvrrschüsse in die größte Erregung versetzt worden. Sie stürzte sich in die Synagoge und drang auf die Betenden ein. Mehr als zwanzig Juden wurden verwundet, ein Jude ist bereits den Verletzungen erlegen. Im Moment der höchsten Gefahr kam der Priester Alexe! Alexandrow den Juden zu Hilfe. Er erschien auf dem Platz vor der Synagoge mit den Kirchenbannern und begann einen Gottesdienst zu zelebriren. Während des Gottesdienstes hielt' die Menge im Rauben und Plündern inne. Hernach jedoch setzte der Haufe sein Zerstörungswerk fort. Ungefähr 50 Personen erbrachen und plünderten die jüdischen Magazine, während andere die geraubten ° Maaren fortführtcn. Erst in der Nacht hörte das Plündern auf. Am nächsten Morgen traf eine Sotnie Kosaken ein und stellte endgültig die Ordnung und Ruhe wieder her. Während sich in Alexandria das Geschilderte ereignete. plünderte ein anderer Haufe das ungefähr 20 Werst von der Stadt befindliche Gut einer Frau v. Knorring. Bei der Plünderung wurde ein Verwandter der Gutsbesitzerin am Kopfe verwundet. Gleichfalls um dieselbe Zeit ungefähr überfielen Bauern 15 Werst von Alerandria eine friedlich ihres Weges dahinziehende ungarische Familie und beraubten sie. wobei drei Ungarn erschlagen wurden. Die Bauern batten die Ungarn für Zigeuner gehalten. Uersonatlen. Memel, 27. Okt. Die hiesige Gemeinde hat ein neues, sehr würdiges Mitglied bekommen in der Person des Herrn Eh. L. Strunin, der ein großer Talmudgelehrter und braver Jehudi ist. Herr Strunin hat hier bereits wiederholt religiöse Reden mit großem Beifall gehalten und ist im Besitze der RaLbinots-Autorisation des unlängst verstorbenen Memcler Raw Rabbi Gabriel Feinberg s. A., als dessen mittelbarer Schüler Herr Strunin gilt. .