Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 86 (22.10.1904)
- Date
- 1904-10-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1832 Gesinnung. Geist und Herz getränkt werden mit Gotteswort und Gottesfurcht -und mit allem Wissen, wie es von Gott stammt,, als zu Gott führend ihnen aufgezeigt werden. Die Losung sei: „Gottesfurcht und Gottesliebe ist aller Weisheit Anfang, und »me Bezahl bei Anfertigung des Mischkon mit der heiligen * Lade beginnen sollte und um die alle übrigen Geräthe gruppirte. so müsse Thoraweisheit und -Wahrheit Mittelpunkt aller geistigen Arbeit und Herzensbildung sein.* „Und zur Erreichung dieses Hochzieles.* so wandte sich der begeisterte Redner an die Lehrer der Anstalt, „zur weiteren Ausgestaltung unseres Lehrhauses im angedeuteten Sinne, dazu bitte ich Sie, sehr geehrte Kollegen, um Ihre treue und unverdrossene Mithilfe. | Wie Sie bisher unter dankbarer Anerkennung ihrer - Schüler, unter der aufrichtigen Verehrung unseres 1 greifen Herrn Direktors und zum Stolz und zur Freude der jüdischen Gesammtheit zu lehren begnadet waren, so lassen Sie uns weiterhin gemeinschaftlich! unseres heiligen Berufes mit Ernst und Treue warten, - in gegenseitiger, kollegialer Freundschaft und verj trauensvollem Entgegenkommen, in Wahrheit und Liebe, und Gott wird unsere mühevolle Arbeit segnen und krönen. Und Sie, meine lieben Schüler, ich begrübe Sie mit dem herzlichsten Dank für den mir bereiteten ehrenvollen Empfang.. Bringen Sie mir ein | offenes Herz und ein willig Ohr entgegen. Zu ernster j Arbeit und schwerer Müh' sind Sie in diese Hallen gekommen. Sie sollen die Träger der Lehre werden. | die Sie hinaustragen in die Gemeinden, um zu deren! Heil und Frommen, zur Verherrlichung des göttlichen J Namens und auch zum Stolz unserer Anstalt dort zu | wirken. Hüter und Wächter sollen Sie sein unseres i Heiligthums und Bildner vom empfänglichen Menschenherzen Und da Sie sich auf solch heiligen Beruf vorbereiten sollen, so ruf ich Ihnen zu: pn nnr uren! weilen Sie hier unter dem weitschattigen und beglückenden Lebensbaum. tömi *m cssb uvm dann ziehen Sie hin in Gottesnamen und zeigen Sie draußen in : Leben und Lehre, in Gesetz und Wort, was Sie hier vernommen und gelernt. Sie werden in mir einen liebevollen Freund und treues, für Ihre eigenen Anliegen besorgtes Herz, Sie werden in meiner Hand rereiuigl finden cv: bpo und Q'Sr-n bps — wie sie der Prophet Ceckaria nennt, den Stab der Liebe und der Geduld. Aber auch mit Zhn^b den Herren des Kuratoriums. allen Förderern und Freunden unserer Ziel: und unseres Strebens, schließe ich heute ein heiliges Bündniß. Vertrauensvoll haben Sie mich in dieses schwere Amt berufen, ehrenvoll mich in dasselbe einge-- führt. So gelobe ich Ihnen denn, daß ich all mein Wissen und Können einsetzen werde, um Ihre Hoffnungen nicht zu täuschen, um zum Nutzen der Anstalt und zur Ehre Ihrer Anstalt zu wirken. Nur erhallen Sie mir Ihr Vertrauen, und stehen Sie mir vertrauensvoll mit Rath und That so zur Seite, daß unser gemeinsames Thun herrliche Früchte zu zeitigen berechtigte Hoffnung gewährt.* Dann wies der Redner auf das segensreiche Wirken seines großen Vorgängers, Herrn Dr. Plato, hin. Indem er an die Worte der heiligen Schrift erinnerte: cm zra bnxn nr® zzr c.vj.k „Und Abraham sitzt an der Thüre seines Zeltes* während es doch heißen müßte „Und er s a ß.* gab er dem Wunsche Ausdruck, daß es für alle Folgezeit von der nunmehr seiner Leitung unterstehenden Anstalt heißen möge: „Und noch immer wohnt ihr der Geist Dr. Platos inne.* So übernehme ich denn mein Amt im Vertrauen auf die Gnade und Hülfe Gottes, daß auch an mir sich bewähre das Wort eines alten Lehrers: Jeglicher, der hinausgeht aus dem Gotteshaus, um sofort einzutreten in die Räume des Lehrhauses und der dasselbe :viederum verläßt, um in jenes einzugehen, jeglicher, der sein Augenmerk richtet auf beide zugleich, um in ihnen zu wirken, was beglückt durch die Schechino, durch Gottes Segen, er bei ihm weilt für und für, so schloß der Redner seine zu Herzen gehende geistreiche Rede. Es folgte noch die Beglückwünschung von Seiten des Synagogenvorstandes der großen Gemeinde. Mit den von Schülern des Seminars wirkungsvoll vorgetragenen Salve tac regem und der von allen Anwesenden stehend gesungenen Nationalhymne schloß die erhabene Feier. Beschimpfung und Aufreizung gegen die Jude». Berlin. 27. Okt. In den letzten Tagen ist wieder in Gestalt eines Flugblattes eine Rede des bekannten Grafen Pückler verbreitet worden, die unerhörte Beschimpfungen und direkte Aufreizungen zu Gewaltthaten gegen di e Juden enthält. Freisinnigen Blättern, die die Frage aufwerfen, wie das straflos möglich fti. schließt sich nun die agrarische „Deutsche Tagesztg.* an und schreibt: Wir verstehen nicht, wie derartige Reden gehalten und solche Druckschriften verbreitet werden können. Die angeblichen Aeußerungen des Grafen Pückler sind entweder strafbar oder deuten auf eine geistige Verfassung hin, die ein fursorgendes Eingreifen nothwendig erscheinen läßt. Wir haben bisher darauf verzichtet, von dem öffentlichen Auftreten des Grafen Pückler Notiz zu nehmen, aus Gründen, die auf der Hand liegen und m den vorhergehenden Sähen angedeutet worden sind. Daß es dem gesunden und berechtigten Antisemitismus erheblich geschadet hat, daran kann nicht gezweifelt werden. Der Haupttheil der Schuld liegt aber unseres Erachtens bei denen. Me den Grafen Pückler patronisirten und seine Bersamm-